1000 Tavi-Herzklappen eingesetzt

HKZ Rotenburg gehört zu führenden Kliniken mit neuartiger Herz-OP-Technik

Zeigen, wie es funktioniert: Prof. Holger Nef (links) und Prof. Ardawan Rastan, hier ein Archivfoto, mit einem Modell des menschlichen Herzens. In dem Modell zu sehen ist eine Tavi-Aortenklappe, die über ein Katheterverfahren eingesetzt wird.
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Zeigen, wie es funktioniert: Prof. Holger Nef (links) und Prof. Ardawan Rastan, hier ein Archivfoto, mit einem Modell des menschlichen Herzens. In dem Modell zu sehen ist eine Tavi-Aortenklappe, die über ein Katheterverfahren eingesetzt wird.

Herzklappen-Operationen können gerade für ältere Menschen riskant sein. Seit einigen Jahren gibt es eine Alternative, Erfolg mit der OP-Technik hat auch das HKZ Rotenburg.

Rotenburg – Bei klassischen Eingriffen werden der Herzschlag unterbrochen und der Kreislauf mit einer Herz-Lungen-Maschine aufrechterhalten. Bei der Transkatheter-Aortenklappen-Implantation, kurz Tavi, schlägt das Herz allerdings weiter. Eine Klinik, die damit überdurchschnittlich erfolgreich ist, ist das HKZ in Rotenburg. Dort wurde jetzt die 1000. Tavi-Herzklappe eingesetzt.

Chirurgen sprechen von minimalinvasiven Eingriffen, also von Eingriffen mit kleinstmöglicher Verletzung des Gewebes. Den Grundstein für die Tavi-Operationen habe der 2010 am HKZ installierte Hybrid-Operationssaal gelegt, der auch wirtschaftlich „eine eindeutige Investition in die Zukunft darstellte“, so das Klinikum Hersfeld-Rotenburg in einer Pressemitteilung.

Prof. Ardawan Rastan, Chefarzt der Herzchirurgie, dankte anlässlich der 1000. Tavi-OP seinem Vorgänger: „Dr. Hartmut Oster hat hier vollkommen richtig und sehr früh erkannt, dass Herzklappeneingriffe immer stärker kathetergestützt durchgeführt werden würden und damit eine Vielzahl der umfangreichen Operationen wegfallen werden.“ Seitdem arbeite das Herz-Team, bestehend aus Kardiologen, Herzchirurgen, Anästhesisten, Pflegekräften und Kardiotechnikern, nicht nur am HKZ zusammen, sondern engagiere sich weltweit bei wissenschaftlichen Kongressen – teilweise per Liveübertragung aus dem OP heraus.

Katheterklappe ist so teuer wie ein Kleinwagen

Bei der Tavi-Methode wird über einen Beckengefäßzugang eine künstliche Katheterklappe eingesetzt. Diese Klappe, die etwa so viel kostet wie ein Kleinwagen, wird auf die Dicke eines kleinen Fingers zusammengepresst, eingeführt und entfaltet sich am Herz wie ein aufgeblasener Luftballon. „Der Brustkorb bleibt dabei intakt, der Patient benötigt keine Vollnarkose und das Herz schlägt weiter. Das ist gerade für ältere Patienten ein schonenderer Eingriff“, sagt Professor Ardawan Rastan, Chefarzt der Herzchirurgie, über die rund 30 Minuten dauernden Tavi-Eingriffe.

„Damit können wir gemeinsam einen Beitrag zu einer insgesamt verbesserten Herzchirurgie leisten sowie uns und unsere Mitarbeiter kontinuierlich fortbilden“, so Rastan. Das Ergebnis könne sich sehen lassen. So sei das HKZ bereits seit 2017 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie als Tavi-Zentrum zertifiziert. Besonders stolz ist das HKZ auf die niedrigen Komplikationsraten dieser minimalinvasiven Eingriffe, die in der Rezertifizierung des Zentrums im vergangenen Jahr bestätigt wurden.

Wie ein Luftballon: Eine Tavi-Aortenklappe wird zusammengepresst, durch einen Beckengefäßzugang eingeführt und entfaltet sich dann am Herz.

Die Klinik sei „weit über die Landkreisgrenzen hinaus für die exzellente Versorgung der Patienten mit einem Tavi-Klappenersatz bekannt“, so Prof. Holger Nef aus dem Chefärzteteam. Es sei nicht das Ende der Entwicklung am HKZ: „Wir knüpfen an den Erfahrungsschatz der letzten Jahre an und arbeiten an der Weiterentwicklung kathetergestützter Verfahren zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen.“

Die Gesellschafterversammlung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg hat im September beschlossen, sämtliche akutmedizinischen Abteilungen des kommunalen Klinikverbundes, zu dem auch das HKZ gehört, an den Standort Bad Hersfeld zu verlagern. Klinikum-Geschäftsführer Rolf Weigel hatte im Februar gesagt, der Umzug des HKZ sei für den Zeitraum 2024/2025 geplant. (Sebastian Schaffner)

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