Absagen und Verschiebungen beschäftigen Standesämter

Wenn Corona die Hochzeit crasht: Paar aus Rotenburg muss neu planen

ARCHIV - 21.06.2008, Brandenburg, Liebenberg: Die Silhouette eines frisch vermählten Hochzeitspaares zeichnet sich im Gegenlicht ab. Blumen, Ringe, Reden... Für viele Menschen ist die Hochzeit der schönste Tag im Leben und will ausführlich geplant sein. Doch was, wenn das Coronavirus die Pläne durchkreuzt? Daran hängt nicht nur das Glück von Paaren - sondern auch eine ganze Industrie. (zu dpa "Mit eigenem Kugelschreiber, aber ohne Trauzeugen: Hochzeit und Corona") Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Hochzeit nur zu zweit? Viele Paare im Kreis planen wegen der Corona-Krise lieber neu - auch Sarah Strauchmann und Manuel Wassermann aus Rotenburg. 

Fast zwei Jahre lang hatten Sarah Strauchmann und Manuel Wassermann aus Rotenburg auf den besonderen Tag gewartet. Nun musste das Paar die längst geplante Hochzeit absagen.

Der Grund: die aktuelle Corona-Pandemie. Denn ganz ohne Familie und Freunde zu feiern, das kommt für die beiden nicht in Frage. 

Seit Februar 2014 sind die 29-jährige Ergotherapeutin und der 31 Jahre alte Hörgeräteakustiker und Optiker ein Paar, der Heiratsantrag folgte am 3. Mai 2018. Ein Datum, an das sich Sarah Strauchmann natürlich gut erinnern kann und das nun eigentlich auch bei der Hochzeit eine Rolle spielen sollte.

Dass sich die Rotenburger ein bisschen Zeit ließen, ihren Plan in die Tat umzusetzen, hatte ganz praktische Gründe, wie Strauchmann berichtet. Denn ihr künftiger Ehemann hatte noch eine wichtige Prüfung zu absolvieren. „Da wollten wir uns keinen unnötigen Stress machen“, so die Braut in spe. Dass nun ein Virus alles durcheinanderbringt, damit konnte niemand rechnen.

Das schöne Gefühl der Vorfreude wich der Sorge um das grassierende Virus

Am 22. Mai sollte in ihrer Heimatstadt standesamtlich geheiratet und abends mit vielen Gästen nach alter Sitte zu Hause gepoltert werden. Die kirchliche Trauung in der Jakobikirche war für den 30. Mai geplant, mit anschließender großer Feier in Ellis Saal in Weiterode. Beide Daten hätten mit Blick auf die Zahlen gut zum Jahrestag und zum Tag des Antrags gepasst. 

Doch schon in den vergangenen drei bis vier Wochen sei das schöne Gefühl der Vorfreude der Sorge um das grassierende Virus und den damit einhergehenden Einschränkungen gewichen. Letzte Details wie das Probeessen und das Anpassen des Hochzeitskleides nahm das Paar schon gar nicht mehr in Angriff. Die Absage schien unvermeidlich.

Aufgeschoben ist natürlich nicht aufgehoben: Sarah Strauchmann und Manuel Wassermann aus Rotenburg wollen nun im nächsten Jahr heiraten. Die Trauung im Mai mussten sie wegen des grassierenden Coronavirus schweren Herzens absagen.

Der großen Enttäuschung sei inzwischen wenigstens das gute Gefühl gefolgt, eine Entscheidung getroffen zu haben – und die Hoffnung, im nächsten Jahr dann besonders fröhlich und ausgelassen feiern zu können. Ganz nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ So hätten auch die meisten Gäste reagiert, denen Sarah Strauchmann und Manuel Wassermann per WhatsApp abgesagt haben. Die offiziellen Einladungen waren bereits im November verschickt worden. „Das erlebt man nur einmal und da sollen die Liebsten mit dabei sein“, sind sich die Rotenburger einig.

Zumindest entsteht kein finanzieller Schaden für die Rotenburger

Ein kleiner Trost: Zumindest finanziell kommen Sarah Strauchmann und Manuel Wassermann wohl unbeschadet aus dem Schlamassel heraus. Die meisten Verträge ließen sich verschieben, „da waren alle sehr kulant“. Und die bereits gekaufte Dekoration gefällt dann hoffentlich auch noch im nächsten Jahr.

„Wir haben uns nun alle freien Termine zwischen Mai und Oktober 2021 geben lassen und suchen gemeinsam mit den engsten Vertrauten nach einem neuen Termin“, berichtet Strauchmann. Der Bräutigam hat seinen Anzug übrigens schon fertig im Schrank hängen ...

Im Sommer ist das Paar aus Rotenburg selbst auf einer Hochzeit in Hamburg eingeladen. Allerdings steht auch hinter dieser Feier aktuell ein ziemlich großes Fragezeichen.

Absagen und Verschiebungen beschäftigen Standesämter im Kreis

Für das Ja-Wort im Standesamt braucht es eigentlich nur drei Leute: die Eheleute und den Standesbeamten oder die Standesbeamtin. Trotzdem wollen die meisten Paare diesen besonderen Moment natürlich mit ihnen nahestehenden Menschen teilen. Weil auch das wegen der coronabedingten Einschränkungen zurzeit nicht möglich ist, sind in den vergangenen Wochen bereits einige Eheschließungen abgesagt beziehungsweise verschoben worden. Und es werden aufgrund der kaum vorhersehbaren Entwicklungen vermutlich weitere folgen. 

In Bad Hersfeld, wo jedes Jahr die meisten standesamtlichen Trauungen im Kreis Hersfeld-Rotenburg stattfinden, sind zwischen 16. März und 15. April fünf von 13 angemeldeten Eheschließungen vorerst gecancelt worden. „Die restlichen Paare haben im kleinen Kreis geheiratet“, berichtet Standesbeamtin Andrea Braun. Die „Haupt-Traumonate“ von Mai bis August stünden aber erst noch bevor. 

Auch in Rotenburg gab es bereits Absagen, Verlegungen und Verschiebungen, so Birgit Utermöhlen, etwa eine Handvoll bis Mitte April. „Viele sind verunsichert und es gibt einige besorgte Nachfragen“, sagt die Standesbeamtin. Ohne Gäste wollten verständlicherweise viele nicht heiraten. Es gebe aber auch Paare, die nicht aus dem Kreis kommen und extra für die Eheschließung in die schöne Fachwerkstadt kämen. Diejenigen hätten nun auch keine Möglichkeiten, im Hotel zu übernachten. Für April liegen laut Utermöhlen ohnehin noch nicht so viele Anmeldungen vor, die meisten möchten im Sommer den Bund fürs Leben eingehen.

"Der Kalender für nächstes Jahr füllt sich"

In Neuenstein, wo das Trauzimmer im Schloss viele Heiratswillige aus der Region anzieht, hat Standesbeamtin Diana Bertram derzeit alle Hände voll zu tun, Alternativ-Termine für eigentlich im Mai geplante Eheschließungen zu finden. Und auch für den Sommer 2020 geplante Feiern werden laut Bertram schon auf den nächsten Sommer verschoben. „Der Kalender für nächstes Jahr füllt sich. Ich hoffe, dass wir das hinkriegen“, sagt die Standesbeamtin, die zusätzlich freie Trauungen anbietet. Manche Paare warteten auch noch ab, doch die meisten wollten ihre Termine verschieben, wenn die Kontakt-Beschränkungen bestehen bleiben. Jetzt im April habe sich nur ein einziges Paar „zu dritt“ getraut. 

Eheschließungen im ganz kleinen Rahmen hatte auch Matthias Hujo vom Heringer Standesamt schon. Auch dort beginne die Saison aber erst Ende Mai/Anfang Juni. „Die meisten möchten im Sommer heiraten und einige schieben ihre Termine jetzt schon nach hinten“, sagt Hujo. Er rät unsicheren Paaren derzeit, auch die Anmeldung möglichst noch hinauszuzögern, denn danach sind „nur“ sechs Monate Zeit, um sich standesamtlich trauen zu lassen. Andersherum gehe dies nach der Anmeldung in der Regel auch sehr kurzfristig, wenn keine Ehe-Hindernisse vorliegen und alle Unterlagen vorhanden sind. „Das ist kein Problem."

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