Drei Problemjahre in Folge

Hoffnung für Patient Wald: Forstämter in Rotenburg und Hersfeld setzen auf 2021

Nur noch Baumstümpfe übrig: Oliver Scholz, Leiter des Forstamtes Bad Hersfeld, steht auf einer Kalamitätsfläche, auf der zuvor Fichten standen, im Bereich der Kreuzeiche oberhalb von Obergeis.
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Nur noch Baumstümpfe übrig: Oliver Scholz, Leiter des Forstamtes Bad Hersfeld, auf einer Kalamitätsfläche, auf der zuvor Fichten standen, im Bereich der Kreuzeiche oberhalb von Obergeis.

Sturm, Trockenheit, Käferbefall: Drei Jahre in Folge hat der Wald im Kreis Hersfeld-Rotenburg gelitten. Nun keimt bei den Forstamtsleitern Hoffnung auf.

Hersfeld-Rotenburg – Der Wald leidet. „Wir haben drei ausgeprägte Kalamitätsjahre hinter uns“, sagt Rotenburgs Forstamtsleiter Dr. Hans-Werner Führer. Schwere Stürme, die über Jahre anhaltende Trockenheit und der Schädlingsbefall durch den Borkenkäfer – all das hat große Schäden in den Wäldern hinterlassen. Abgestorbene Bäume und Kahlschlag auf großen Flächen sind beim Waldbesuch unübersehbar.

„Das waren ganz ganz schlimme Jahre, in denen wir in den Forstämtern nur noch diesen Problemen hinterherarbeiten mussten“, berichtet Führer. Doch das soll sich ändern: „Für das kommende Jahr habe ich die Hoffnung, dass wir endlich wieder planbar arbeiten können“, sagt der Rotenburger Forstamtsleiter. Voraussetzung sei etwas besseres Wetter mit mehr Niederschlägen als in den drei Vorjahren. Dann allerdings soll der Wald wieder aufgeforstet werden.

„In diesem Jahr stehen investive Arbeiten im Vordergrund: Bestände sollen verjüngt und es sollen wieder neue Bäume auf Freiflächen angepflanzt werden“, erklärt Führer. Zudem würden der Waldschutz und die Wegeinstandsetzung wieder verstärkt in Angriff genommen, nachdem sie in den vergangenen Jahren zurückstehen mussten.

Das sind auch im Forstamt Bad Hersfeld die beherrschenden Themen, wie dessen Leiter Oliver Scholz berichtet. „Unser Ziel ist es, dass sich auf dem Großteil der entstandenen Freiflächen in der nächsten Generation ein Mischwald aus – vor allem – Buchen, Kiefern, Lärchen und Fichten entwickelt“, sagt Scholz. Durch natürliche Verjüngung – also über eigene Samen des bisherigen Baumbestandes – werde der Wald sich langfristig regenerieren. Hinzu komme die Wiederaufforstung mit Eichen und Douglasien, die als Baumarten mit Trockenheit und Hitze besser zurechtkämen.

„Wir werden es schaffen, die verloren gegangenen Waldbestände wieder aufzubauen“, sagt Forstamtsleiter Scholz. Bis in den heimischen Revieren an diesen Stellen allerdings wieder Holz als nachhaltiges Baumaterial geerntet werden könne, werde es zwei bis drei Jahrzehnte brauchen.

Forstämter wollen Lücken in Waldbeständen auf neue Weise wieder schließen

Was Waldhessens Wälder in den vergangenen drei Jahren alles über sich ergehen lassen mussten, hat die Forstämter hart getroffen: riesige Mengen Schadholz, dadurch dramatisch fallende Holz-Preise und jede Menge Pflicht-Arbeit mit dem Einschlag und Abtransport brachten sie in die Situation, nurmehr reagieren statt aktiv forstwirtschaftlich gestalten zu können. Das soll 2021 anders werden.

„Jeder Krise wohnt auch etwas Gutes inne“, sagt Dr. Hans-Werner Führer vom Forstamt Rotenburg. Allein im Bereich seines Forstamtes sind eine Million Festmeter Schadholz über alle Baumarten hinweg in den vergangenen drei Jahren angefallen. Mit 865 000 Festmetern darunter größtenteils Fichte. Zu normalen Zeiten wären es – forstwirtschaftlich geplant – zum Vergleich gerade einmal 120 000 Festmeter in drei Jahren an Einschlag gewesen.

„Das zeigt die Dramatik: Drei Viertel unseres Fichtenbestandes – darunter die älteren und stärkeren Bäume – haben uns in den vergangenen drei Jahren verlassen“, erklärt Führer. Dies bedeute aber auch, „das Gut Fichtenholz wird knapp werden, denn so viele Fichten gibt es nun nicht mehr“. Das drücke sich im bereits wieder angezogenen Holzpreis für die Fichte aus, der zuvor sehr stark in den Keller gegangen war. Nachdem der Markt mit Fichte förmlich geflutet war, ziehe nun die Nachfrage nach Fichte wieder an und die Einnahmesituation verbessere sich.

„Die Folgen der Trockenheit und des Borkenkäferbefalls werden uns auch in diesem Jahr weiterbeschäftigen – ein Jahr mit viel Regen reicht zur Erholung des Waldes leider nicht aus – allerdings nicht in dem Umfang, wie in den vergangenen drei Jahren“, sagt Oliver Scholz, Leiter des Forstamtes Bad Hersfeld. Auch dort mussten die dreifachen Holzmengen aufgearbeitet und zum Teil nicht kostendeckend verkauft werden. Über 1000 Hektar Wald sind im Bereich des Bad Hersfelder Forstamts abgestorben. Im Forstamt Rotenburg sind sogar 1500 Hektar von insgesamt 18 000 Hektar Wald Kalamitätsfläche – also von Sturm, Trockenheit oder Käferbefall geschädigte Baumflächen, die abgeräumt werden mussten.

Die leeren Flächen wollen die Forstwirte nun gezielt zur gesteuerten Aufforstung nutzen. Wo neu gepflanzt wird, sollen vor allem Eiche und Douglasie zum Einsatz kommen, berichten Scholz und Führer. Beim Großteil der Flächen soll allerdings die natürliche Verjüngung über eigene Samen wie Eicheln und Bucheckern des bisher dort vorhandenen Baumbestandes für die Aufforstung genutzt werden. „Wir wählen die Flächen mit Bedacht aus“, sagt Scholz. Dort, wo auf diese Weise neuer Mischwald entstehe, „wäre es widersinnig, gegen die Natur zu arbeiten“, fügt Thomas Brückner, Produktionsleiter bei Hessen Forst beim Forstamt Bad Hersfeld, hinzu. Zudem die Nachfrage nach Pflanzgut enorm groß und dieses daher schwer zu beschaffen sei. Hinzu komme: „Ein Hektar Eichenkultur kostet – inklusive Zaunbau – über 20 000 Euro“, rechnet Brückner vor. Ohne Zäune seien die kleinen Pflanzen vor Wildverbiss gar nicht zu schützen.

Auch Rotenburgs Forstamtsleiter setzt auf die natürliche Verjüngung. Zwei Drittel der zerstörten Flächen – etwa 1000 Hektar – sollen auf diesem natürlichen Wege wiederbeforstet werden. „Um den Nadelbaumanteil zu halten, planen wir mit Lärche, Kiefer und Tanne – wir werden aber auch nicht ganz auf die Fichte verzichten“, berichtet Führer.

Als weiteres sehr wichtiges Thema in diesem Jahr nennen die Forstamtsleiter die Verkehrssicherung. „Wenn wir die toten Bäume nicht rechtzeitig entfernen, dann können wir sie später gar nicht mehr kontrolliert und sicher fällen“, sagt Führer. Diese Verkehrssicherungspflicht betreffe alle öffentlichen Straßen und Plätze, gelte aber nicht für jeden Waldweg. „Dort gilt die waldtypische Gefahr mit der jeder rechnen muss“, sagt Führer. Das sei Natur, kein Stadtpark, erklärt auch Bad Hersfelds Forstamtsleiter Scholz: „Waldspaziergänger müssen darauf achten, bei starkem Wind sehr vorsichtig zu sein, weil wir im Wald zurzeit noch viele tote Bäume und Äste haben, die nach und nach erst noch herausgeholt werden müssen.“ Es gelte mit offenen Augen und Ohren im Wald unterwegs zu sein.

Und damit das auch wieder gut möglich ist, steht auch die Instandsetzung der Waldwege weit oben auf der Liste der Forstämter. Durch den Einsatz von schweren Maschinen wie Harvestern zum sicheren Fällen der abgestorbenen Bäume und dem Holzabtransport mit Lastwagen sind die Waldwege in den vergangenen Jahren sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Geht es nach Führer und Scholz soll auch das in diesem Jahr wieder besser werden. (Von Peter Gottbehüt)

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