Benzinpreis auf Rekordhoch

Hohe Energiekosten belasten Firmen im Kreis Hersfeld Rotenburg

Das Foto zeigt Alfred Bäther (Bild) aus Schwarzenhasel Beim Tanken
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Waldhessen stöhnen über hohe Spritpreise: Die Benzinpreise steigen derzeit auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg rasant. Tanken macht keinen Spaß. Zu tief müssen Autofahrer ins Portemonnaie greifen. Doch an der Zapfsäule führt früher oder später kein Weg vorbei. Das weiß auch Alfred Bäther (Bild) aus Schwarzenhasel.

Die hohen Spritpreise und die gestiegenen Energiekosten belasten zunehmend auch die Firmen im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg – Noch vor einem Jahr kostete ein Liter Diesel 1,05 Euro im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Mittlerweile kletterte der Preis für Diesel auf 1,58 Euro pro Liter, und der Liter Super kostet sogar statt 1,20 nun 1,73 Euro. Auch der Liter Heizöl steht kurz vor der Marke von einem Euro. Die Spritpreise auf Rekordhoch machen zunehmend den Betrieben im Landkreis zu schaffen.

Brigitte Künzl, die Einrichtungsleiterin des mobilen Awo-Pflegedienstes Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner berichtet: „Unser Fuhrpark, einschließlich Verbrauchskosten für Diesel und Benzin, macht 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten aus, da wir im Durchschnitt 60 000 Kilometer pro Monat in unserem gesamten Einzugsgebiet fahren. Allein im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind es etwa 22 000 Kilometer im Monat.“ Bei so vielen Kilometern auf der Straße mache sich eine Spritpreiserhöhung sofort bemerkbar. „Und die erhöhten Preise können wir selbstverständlich nicht an unsere Kunden weitergeben, da wir an Verträge mit Pflege- und Krankenkassen gebunden sind“, erklärt Künzl.

Auch bei den Taxiunternehmen schlägt der teure Dieselpreis durch. „Mit einem Verbrauch von 5000 bis 6000 Litern Sprit im Monat spürt man den hohen Preis deutlich. Bei circa 20 Cent netto auf den Liter mehr, reden wir von 1000 Euro Mehrkosten im Monat“, sagt Gregor Smolorz, Inhaber des Taxi-Service Bad Hersfeld. Das sei ein harter Dämpfer im Aufschwung nach der schwierigen Corona-Zeit. Auf den Preis hätten Taxiunternehmen nur wenig Einfluss, um die Mehrkosten zu kompensieren, fügt Jens Marggraf vom Taxiunternehmen Marggraf hinzu. „Wir unterliegen Tarifen, die die Städte festlegen. Außerdem rechnen wir einen großen Teil mit Krankenkassen ab. Auch dort sind die Verträge fest.“

Damit blieben die Taxiunternehmen auf den Mehrkosten der hohen Spritpreise sitzen. „Für unser Gewerbe muss man ganz klar sagen: In der heutigen Zeit reicht eine Preisanpassung für den Taxitarif alle sechs Jahre nicht mehr aus. Zu groß sind die Preissteigerungen in allen Bereichen“, sagt Gregor Smolorz.

Auch die Heizölpreise steigen immer weiter

Die Heizölpreise kennen seit Langem nur eine Richtung: steil nach oben. 100 Liter kosten derzeit rund 90 Euro – bei einer Abnahmemenge von 2500 Litern. Das ist für Verbraucher eine erhebliche Mehrbelastung. „Diese Sorgen und Nöte unserer Kunden erfahren unsere Energieberater täglich in den Gesprächen. Wir sind hier in der Region nicht nur Lieferant, sondern auch Seelentröster und Problemlöser“, sagt Maik Reinhardt von Roth Energie in Rotenburg, die Kunden in ganz Hessen und über die Landesgrenze hinaus beliefern. Dazu Fragen und Antworten:

Wie haben sich die Kosten entwickelt? War dieser Preisanstieg vorhersehbar?

Die Preise in 2021 haben sich schon zu Beginn des Jahres durch die gesetzlich erhobene CO2-Abgabe um acht Cent pro Liter für Kunden erhöht, teilt Vertriebsleiter Peter Jantsch von Roth Energie mit. Über das gesamte Jahr habe der Markt eine sukzessive Steigerung der Preise erfahren. Mit einer Erholung sei nach den sehr günstigen

Bezugskosten 2020 grundsätzlich zu rechnen gewesen. „Dass der Markt ab der zweiten Jahreshälfte in so eine steigende Preisdynamik geraten ist, war in diesem Ausmaß nicht zu erwarten“, sagt Peter Jantsch. Festzuhalten sei, dass ab dem Sommer die gesamten Energiemärkte von Gas und Strom aus den Fugen geraten sind. „Die Preisentwicklungen der letzten Jahre waren durch besondere Einflüsse volatil geprägt. Ein gleiches Preisniveau hatten wir letztmalig 2018, als durch die anhaltende Trockenheit kaum mehr ein Schiffstransport aufrecht erhalten werden konnte.“

Wie wirkt sich die Preiserhöhung auf Ihren Betrieb aus?

„Auch für uns ist dies ein nicht unerhebliches Problem. Viele Kunden sind uns seit vielen Jahren treu verbunden und wir kennen hier die Sorgen und Nöte, die durch so eine extreme Verteuerung eintreten. Auch wir haben einen eigenen Fuhrpark, der natürlich ebenfalls durch die hohen Bezugspreise kostenseitig belastet ist“, sagt Maik Reinhardt über den Standort in Rotenburg. Diese erhöhten Treibstoffkosten könnten nicht immer sofort vollständig weitergegeben werden, sodass hier eine zusätzlich finanzielle Belastung entstehen würde. Zusätzlich würden die hohen Preise zu einer erhöhten Kapitalbindung führen. „Und erfordern auch bei uns einen funktionierenden Cashflow. Liquidität ist ein extrem wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts“, sagt Maik Reinhardt.

Was würden Sie Ihren Kunden raten? Sofort bestellen? Oder lieber abwarten?

„Wir hatten Anfang September unsere Kunden in einem Informationsschreiben über die Heizölpreise und dem aktuellen Trend informiert. Dies wurde in unserer Kundschaft sehr dankend und positiv aufgenommen“, sagt Reinhardt. Aktuell durch die sehr langen Lieferzeiten, hätten viele Kunden jetzt nicht mehr die Möglichkeit, die Preise über einen längeren Zeitraum zu beobachten. „Hier raten wir, zumindest eine kleinere Menge an Heizöl einzulagern, um ohne Probleme in das Frühjahr des nächsten Jahres zu kommen.“

Bemerken Sie, dass Ihre Kunden bereits weniger tanken durch die hohen Preise?

„Natürlich stößt der ein oder andere Kunde aktuell an seine Grenzen. Wir empfehlen unseren Kunden dann, eine kleinere Menge zu bestellen oder zu unserem Wärmekonto.“ Der Kunde könne dann seine Rechnung in Teilbeträgen zahlen ohne zusätzliche Kosten.

Wie werden sich die Preise entwickeln?

Ob, wann und wie viel die Preise wieder fallen könne im Moment nicht abgeschätzt werden, teilt Peter Jantsch mit: „Die Märkte sind aktuell so intransparent, dass eine Aussage hier rein spekulativ wäre. Zu wünschen wäre es, um eine notwendige Entlastung in den Märkten zu erhalten, um das Ganze bezahlbar zu halten.“ Letztendlich müssten die Kosten wieder auf die Konsumenten umgelegt werden, was zwangsläufig zu einer Verteuerung führe. (Carolin Eberth)

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