Kritik an Informationspolitik der Geschäftsleitung

HKZ-Betriebsrätin zu geplantem Abzug der Akutmedizin: „Viele haben geweint.“

Warnt vor „blindem Aktionismus“ bei den geplanten Umstrukturierungen des Klinikums Hersfeld-Rotenburg: Martina Reinki, Betriebsratsvorsitzende des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg.
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Warnt vor „blindem Aktionismus“ bei den geplanten Umstrukturierungen des Klinikums Hersfeld-Rotenburg: Martina Reinki, Betriebsratsvorsitzende des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg.

Seit Mittwoch steht das Telefon von Martina Reinki nicht mehr still.

Rotenburg – Die Betriebsratsvorsitzende des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg (HKZ) bekommt Anrufe aus Leipzig, Berlin, sogar aus Osteuropa. „Alle wollen wissen, was bei uns los ist“, sagt die 61-jährige Martina Reinki. Die von der Geschäftsführung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg angekündigten massiven Einsparungen und Umstrukturierungen hätten unter den 700 Mitarbeitern des HKZ für große Verunsicherung gesorgt. Schließlich soll, so der Plan der Chefetage, die renommierte Herzklinik innerhalb der nächsten drei Jahre ins Bad Hersfelder Klinikum integriert werden. Ziel sei es, wegen der wirtschaftlichen Schieflage des kreiseigenen Klinikverbundes „Doppelstrukturen“ abzubauen. Entschieden ist das aber noch nicht.

„Diese Pläne haben die Menschen hier mit voller Wucht getroffen. Viele haben geweint. Die Leute haben Angst“, sagt Reinki. Sie kritisiert, dass im Vorfeld keine Mitarbeiterversammlung anberaumt wurde. „Die letzte Versammlung war im Februar. Damals wurde ein Sanierungsprozess angekündigt. Danach folgten nur noch schriftliche Informationen.“

Jetzt seien zwar die Chefärzte und Abteilungsleiter – in Rotenburg Ende der vergangenen Woche, in Bad Hersfeld Anfang dieser Woche – persönlich in Kenntnis gesetzt worden. Die Mitarbeiter hätten lediglich eine Mail erhalten. „Wenn ich meiner Familie etwas mitteilen möchte, dann lege ich ihr keinen Zettel auf den Küchentisch, sondern suche das persönliche Gespräch“, sagt die gelernte Krankenschwester.

Der medizinische Geschäftsführer Dr. Tobias Hermann hatte argumentiert, dass eine persönliche Information aufgrund der großen Belegschaft und der coronabedingt immer noch geltenden Abstands- und Hygieneregeln „nicht in allen Fällen“ möglich gewesen sei.

Martina Reinki selbst hat nach eigenen Angaben von den konkreten Plänen übrigens erst aus der Zeitung erfahren. Offiziell sei der Betriebsrat nicht informiert worden. Reinki sitzt zwar auch im Aufsichtsrat, unterliegt dort aber einer Schweigepflicht. „Die Mitarbeiter zu informieren, ist Aufgabe der Geschäftsleitung.“

Den Hinweis von Geschäftsführer Rolf Weigel, es habe sogar Applaus bei der Verkündung der Umstrukturierungspläne gegeben, will Reinki nicht unkommentiert lassen: „Ich habe nicht applaudiert.“ Beifall habe es lediglich von einzelnen Chefärzten gegeben, „und zwar nicht in Rotenburg“. Auch die Hoffnung, den geplanten Personalabbau durch „normale Fluktuation“ zu bewältigen, sieht die Betriebsratsvorsitzende kritisch. Das Durchschnittsalter im HKZ liege bei 46 Jahren.

Nachdem die Pläne öffentlich wurden, habe der Betriebsrat Flugblätter im HKZ verteilt, um seine Position klarzumachen. Im Kern geht es den Arbeitnehmervertretern um vier Punkte: „Wir fordern die Geschäftsführung auf, jetzt nicht in blinden Aktionismus zu verfallen, wir fordern ein zielführendes Konzept, eine ehrliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe und bei einem Wechsel nach Bad Hersfeld eine Gehaltsangleichung.“

Laut Reinki werden die Mitarbeiter des Klinikums nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) entlohnt, HKZ-Beschäftigte seien an den TVÖD nur angelehnt. „Eine Rotenburger Krankenschwester bekommt weniger Geld als eine in Hersfeld.“

So ernst und unübersichtlich die Lage derzeit auch sei, ihren Optimismus will Martina Reinki nicht aufgeben. Sie ist davon überzeugt, dass die HKZ-Belegschaft bereit sei, einen neuen Weg mitzugehen. „Sie wollen aber auch mitgenommen werden.“

Vor rund vier Jahren, als das HKZ vom Klinikum übernommen worden ist, hatte die Betriebsratsvorsitzende in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt, sie sei mit Blick in die auch damals ungewisse Zukunft optimistisch, aber nicht euphorisch: „Das würde ich heute genauso sagen – sonst wäre ich nicht mehr hier.“

Auch verschiedene Kommunalpolitiker haben die Geschäftsleitung des Klinikums kritisiert.

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