Auszubildende in der Pflege

Im Kreiskrankenhaus Rotenburg heißt es "Raus aus der Schülerrolle"

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Konzentriert bei der Arbeit: Die Auszubildende Annalena Spomer (links) misst einer Patientin den Blutdruck. Foto: Hess

Rotenburg. Neun Pflegeschülerinnen des Kreiskrankenhauses  Rotenburg befinden sich derzeit in Schülerpraxis. Das heißt, sie haben vorübergehend die Verantwortung für eine Station.

Wenn die angehende medizinische Pflegekraft Margarita Berg derzeit um sechs Uhr ihren Frühdienst im Kreiskrankenhaus in Rotenburg beginnt, trägt sie mehr Verantwortung als sonst. Medikamente vorbereiten, Blutdruck messen, in Notfallsituationen sofort zur Stelle sein: Aufgaben, die die Auszubildenden zwei Wochen lang in Eigenregie übernehmen.

Denn die 20-Jährige und ihre acht Kolleginnen in der Ausbildung leiten die Station „Innere Medizin“ für zwei Wochen. In der Frühschicht von sechs bis 13.30 Uhr und in der Spätschicht von 13.30 bis 20.30 Uhr. Die Nachtschicht übernehmen ausgelernte Pflegekräfte. „Schülerpraxis“ heißt das Projekt, das die Klinik bereits im zehnten Jahr veranstaltet. 35 Patienten liegen auf der Station, müssen rund um die Uhr gepflegt werden. Jede Auszubildende kümmert sich am Tag um drei Patienten.

Verantwortung übernehmen

„Wir lernen, Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu arbeiten“, sagt Annalena Spomer aus Bebra. Völlig auf sich allein gestellt sind die angehenden Pflegekräfte aber natürlich nicht: Pro Schicht stehen zwei examinierte Kräfte der Klinik bereit und sind jederzeit für Hilfe vor Ort und beantworten Fragen. „Die Verantwortung liegt aber bei den Schülerinnen“, erklärt Projekt-Leiterin Christina Harthausen.

Anders als während der Ausbildung, dort übernehmen die Azubis die Rolle der Hilfeleistenden. Das sei auch der Sinn des Projekts. „Während der Ausbildung bleibt die Eigenverantwortung teilweise auf der Strecke, das lernen sie hier“, schildert Harthausen. Im Umgang mit den Patienten würden sie von Tag zu Tag selbstbewusster. „Man entwickelt Routine“, sagt Spomer. Alle Teilnehmerinnen der Schülerpraxis befinden sich in den letzten Zügen ihrer Ausbildung, stehen kurz vor den Abschlussexamen.

Im Notfall zur Stelle

Die Aufgaben der Stationschefs auf Zeit reichen von der Aufstellung des Dienstplans über die Zusammenstellung des Pflegeplans, dem Wechseln von Verbänden bis hin zur Operationsvorbereitung und der Patientenvisite mit dem leitenden Arzt. Auch in Notfallsituationen sind es die Auszubildenden, die sofort zur Stelle sein müssen. Den Tod von Patienten erleben die sie ebenfalls hautnah. „Das ist für uns keine neue Erfahrung, aber wir sind näher dran als normalerweise während der Ausbildung“, berichtet Johanna Reichbott aus Morschen.

„Anfangs war es ungewohnt, aus der Schülerrolle herauszukommen“, berichtet Reichbott. Das Gefühl sei aber schnell verflogen. Schon nach kurzer Zeit sei man selbstbewusst an die Aufgaben und Notfallsituationen herangegangen. Eine große Hilfe für die Zukunft also – die Schülerinnen werden dank der Schülerpraxis nicht ins „kalte Wasser“ geworfen.

Patienten sind zufrieden

Die Patienten selbst sind zufrieden mit den jungen, neuen Gesichtern auf ihrer Station. Das ist schon beim Gespräch und im Umgang zwischen Patient und Pflegerin auf dem Krankenhausgang sowie im Patientenzimmer spürbar. „Wir erhalten durchweg positives Feedback“, sagt Margarita Berg. Ein Projekt also, das für Patienten und die Schülerinnen ein Gewinn ist.

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