ADAC: Elektrofahrzeuge lohnen immer mehr

Immer mehr Autos im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Zahl der Zulassungen steigt

Fabian Burghardt, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, steht an der Zapfsäule für Elektroautos vor dem Rotenburger Rathaus.
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Vor dem Rotenburger Rathaus können Elektroautos aufgeladen werden. Das nutzt zum Beispiel die Stadtverwaltung, wie auf dem Bild Mitarbeiter Fabian Burghardt. Doch auch einige Privatpersonen laden hier ihre Autos auf, berichtet Burghardt. Bezahlen kann man mit einer Handy-App, die auf einer Landkarte auch andere Ladesäulen in der Nähe anzeigt.

Während das Wort „Verkehrswende“ schon seit längerer Zeit Hochkonjunktur hat, steigen die Zulassungszahlen für Pkw trotzdem weiter – auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg – Laut Kreis-Sprecherin Jasmin Krenz sind auf die gut 120 000 Einwohner insgesamt 80 000 Autos zugelassen. Das sind 5000 mehr als noch vor fünf Jahren, ein Anstieg von sechs Prozent. Der Dieselskandal wirkt sich kaum aus: Die Zulassungen (heute 36 400, vor fünf Jahren 29 700) sind sogar stärker gestiegen als die von Benzinern (57 650, vor fünf Jahren 51 200).

Dass immer mehr Autos auf den Straßen sind, hänge vor allem damit zusammen, dass heutzutage eben meist Mann und Frau berufstätig seien und die Pendelentfernungen zur Arbeit steigen würden, sagt ADAC-Pressesprecher Oliver Reidegeld. „Wir alle wollen die Verkehrswende, dagegen sträubt sich auch der ADAC nicht. Großstädte wie Frankfurt sind beim Autoverkehr absolut am Limit.“ Die Wende könne aber nur gelingen, wenn der Öffentliche Nahverkehr zuverlässig und bezahlbar sei und auch kleinere Dörfer anbinde.

NVV: Treiben den Angebots-Ausbau im Nahverkehr stetig voran

NVV-Sprecherin Sabine Herms weist auf die in den vergangenen Jahren eingeleitete Verbesserung der Anbindungen mit Cantus und Bussen in Nordhessen hin – und auf das Projekt Mobilfalt, bei dem private Autos in den Fahrplan integriert werden. „Wir treiben trotz Corona unseren Angebots-Ausbau stetig voran und versuchen, an vielen Schrauben zu drehen, um auch für die kleinsten Orte etwas zu tun“, sagt Herms.

Das Hessische Verkehrsministerium leitet Tarek Al-Wazir von den Grünen. Dessen Parteigenossin Kaya Kinkel aus Wildeck sagt: „Wir müssen weiter an der Verkehrswende arbeiten. Es muss mehr Alternativen geben, damit man auch im ländlichen Raum ohne eigenes Auto mobil sein kann, auch wenn das hier nicht so leicht ist wie in Ballungsgebieten.“ Wichtig seien bessere Radwege sowie Bus- und Bahnverbindungen und bezahlbare Ticketpreise. Auch Carsharing-Modelle könnten zur Verkehrswende beitragen.

E-Autos: ADAC erwartet Zunahme auch im ländlichen Raum

Elektroautos als Statussymbol für Großstädter? Das wird in Zukunft nicht mehr so sein, prognostiziert ADAC-Pressesprecher Oliver Reidegeld. „Die Voraussetzungen für E-Mobilität verbessern sich auch im ländlichen Raum stetig“, sagt er. E-Autos seien nicht mehr erst ab 40 000 Euro aufwärts zu bekommen, sondern mit Förderprämien für knapp die Hälfte, so Reidegeld. Auch die Batterien hätten sich verbessert. „Reichweiten von 100 oder 150 Kilometern genügen auch auf dem Land für die meisten Pendelstrecken.“ Außerdem sei es hier realistischer, dass sich ein Großteil der Menschen auch zuhause eine Wallbox, also eine Aufladestation für das Elektroauto, installieren könne – im Vergleich zu Großstädten mit Häuserblocks.

„E-Autos lohnen sich für immer mehr Verbraucher. Man zahlt erstmal keine Kfz-Steuer, die Wartungskosten sind geringer und es gibt nicht mehr so viele Verschleißteile“, sagt der ADAC-Sprecher. Entscheidend sei aber, dass das Aufladen der Batterie günstiger bleibe als eine Tankfüllung. Durch die Corona-Pandemie sind die Spritpreise stark gesunken.

Besonders rege genutzt werden etwa die E-Ladestationen am Bad Hersfelder Marktplatz. Genaue Angaben zum Nutzungsverhalten können die Stadtwerke nicht machen. An den anderen Standorten in Bad Hersfeld würden seltener Autos aufgeladen als am Marktplatz. Die Nutzung von E-Autos stehe hierzulande noch ganz am Anfang, doch es gehe langsam los, heißt es bei den Stadtwerken.

Hintergrund: 242 E-Autos und 501 Hybride im Kreis

Prozentual ist der größte Zuwachs an Kfz-Zulassungen bei den E-Autos zu verzeichnen. 2015 waren es nur 38, mittlerweile immerhin 242. Hinzu kommen 501 Hybride, bei denen der Elektro-Antrieb mit Diesel oder Benzin kombiniert wird. Also hat weniger als jedes hundertste Fahrzeug einen Elektroantrieb. 501 Hybride und 242 reine E-Autos machen im Landkreis zusammen nur 0,9 Prozent der 80 000 Personenkraftwagen aus. Zum Vergleich: In Kassel sind es 1,8 Prozent der 119 000 zugelassenen Pkw. (Von Christopher Ziermann)

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