Fragen und Antworten

Immer wieder kommt es auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg zu Konflikten zwischen Mensch und Hund

Sina und Matteo Nees aus Ludwigsau-Meckbach führen Yoshi, ihren elf Monate alten Colli-Australian-Shepard-Mischling, eng an der Leine. Auf dem Spazierweg bei Meckbach unterwegs waren an diesem Nachmittag auch Katja und Udo Rössing (Hintergrund).
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Vorbildlich: Sina und Matteo Nees aus Ludwigsau-Meckbach führen Yoshi, ihren elf Monate alten Colli-Australian-Shepard-Mischling, bei Begegnungen mit fremden Menschen immer eng an der Leine. Auf dem Spazierweg bei Meckbach unterwegs waren an diesem Nachmittag auch Katja und Udo Rössing (Hintergrund).

Begegnungen von Menschen und Hunden sind nicht immer problemlos. Dabei gibt es in der Hessischen Hundeverordnung eindeutige Regelungen: Menschen dürfen nicht gefährdet werden.

Hersfeld-Rotenburg – Immer mehr Menschen haben einen treuen Freund an ihrer Seite – einen Hund. Jetzt im Frühling ist auch immer mehr los in den Städten und auf den Spazier- und Radwegen. Dabei kommt es nicht selten zu Konflikten zwischen Hundebesitzern, Spaziergängern und Radfahrern – meist zu Verärgerung oder kleinen Wortgefechten, ab und an aber auch zu schwerwiegenden Unfällen. Wie macht man es als Hundebesitzer richtig, damit es keinen Ärger mit den geliebten Vierbeinern gibt? Wie sind die Vorschriften? Wir haben bei den vier Städten im Landkreis nachgefragt.

Die trockenste Frage zuerst: Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es?

Die wichtigsten Grundlagen sind in der Hessischen Hundeverordnung („Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden“) festgeschrieben. Sie gelten für alle. Außerdem können Kommunen die Vorgaben in einer eigenen Verordnung konkretisieren.

Was ist die zentrale Botschaft der Hessischen Hundeverordnung?

Der Kern der Verordnung ist im ersten Satz zusammengefasst. Paragraf 1, Absatz 1 besagt: „Hunde sind so zu halten und zu führen, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht.“

Was bedeutet dieser Satz im Alltag?

Übersetzt in den Alltag bedeutet dieser Satz: Einen Hund auf einen fremden Menschen zulaufen zu lassen oder ihn an der Leine nicht so eng zu führen, dass er einen fremden Menschen erreichen und vielleicht sogar anspringen kann, bedeutet eine Gefährdung der Gesundheit zum Beispiel für Menschen, die Angst vor fremden Hunden haben oder unsicher auf den Beinen sind. „Er will doch nur schnuppern“, heißt es dann oft. Bei der Begegnung mit fremden Menschen müssen Hundebesitzer also den Hund immer anleinen oder sehr eng sicher führen – mit oder ohne Leine.

Kann und muss man den Gesetzestext so auslegen?

Diese Interpretation unterschreibt auch Ulf Georg zu 100 Prozent. „Paragraf 1, Absatz 1 der Hessischen Hundeverordnung sagt das eigentlich auch so aus, aber es wäre schon sinnvoll, wenn der Gesetzgeber das genauso schreiben würde“, betont der Chef des Rotenburger Ordnungsamtes. Leider werde in Verordnungen und Gesetzen aber mit unbestimmten Rechtsbegriffen gearbeitet, um viele Einzelfälle unter die Formulierungen subsumieren zu können „Die meisten Hundebesitzer sind ja auch verantwortungsvoll und verhalten sich korrekt“, so Georges Erfahrung. Auch für Friedhelm Eyert, Ordnungsamtsleiter in Bebra, sagt Paragraf 1 der Hessischen Hundeverordnung eigentlich alles aus. „So kann zum Beispiel schon das Anspringen angezeigt und geahndet werden“, erläutert Eyert.

Was sagt die Verordnung über Radwege?

Auch hier gilt Paragraf 1 der Hundeverordnung: Von den Hunden darf keinerlei Gefahr ausgehen für Menschen und andere Tiere. Weiteres ist dort in Bezug auf Radwege nicht geregelt.

Ist es erlaubt, seinen Hund auf fremden Wiesen laufen zu lassen?

Theoretisch müsste der Grundstückseigentümer um Erlaubnis gefragt werden, betont Ulf George. Wenn ein Hund auf den Feldern Verschmutzungen oder Schäden verursacht, haften die Halter für ihren Hund und müssen Schadensersatz zahlen.

Auch im Schlosspark in Rotenburg ist der Zutritt mit Hund nicht erlaubt.

Gab es 2020 viele Beschwerden bei den Ordnungsämtern?

In Bad Hersfeld hat es vereinzelt Beschwerden über nicht angeleinte Hunde gegeben, sagt Stadtsprecher Meik Ebert. Im Landkreis kommt es immer wieder auch mal zu Beißvorfällen. In Rotenburg zum Beispiel gab es 2020 vier solche Vorfälle. Ein Hund wurde danach zum gefährlichen Hund erklärt, bei zwei Hunden wurden Maulkorb- und Leinezwang angeordnet. „Beschwerden gibt es immer“, so die Erfahrung von Friedhelm Eyert in Bebra. „Das Grundproblem ist: Viele beschweren sich, möchten aber nicht anzeigen oder nennen den Namen nicht“, berichtet der Leiter des Ordnungsamts. Verstöße gegen die Leinepflicht werden in Bebra zum Beispiel in der Regel mit mindesten dreistelligen Geldbußen geahndet.

Wie können Konflikte vermieden werden?

Eine klare Ansage kommt da aus dem Bebraer Rathaus. Für Friedhelm Eyert ist das keine Frage: „Sind bei den Beteiligten Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen vorhanden, kommt es zu keinen Konflikten.“ Vernünftiges Sozialverhalten nennt er das. Sollte es zu Problemen kommen, sind zuerst die Beteiligten gefordert, die Angelegenheit untereinander zu klären. Erst, wenn das nicht funktioniert, sind das Ordnungsamt oder die Polizei die Ansprechpartner. (René Dupont)

Gefahrenabwehr: Städte haben eigene Verordnungen – Hunde, Betteln, Notdurft

Die Regelungen in den vier Städten im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind sich ähnlich. Für alle gilt die übergeordnete Hessische Hundeverordnung. Die Städte haben diese in eigenen Gefahrenabwehrverordnungen konkretisiert.

„Im Bereich der bebauten Ortslage der Kernstadt und der Stadtteile und in öffentlichen Anlagen sind alle Hunde an der Leine zu führen“, heißt es in § 6 der Rotenburger Gefahrenabwehrverordnung. Der Halter oder Führer eines Hundes hat dafür zu sorgen, dass seine Tiere nicht ohne Aufsicht im Geltungsbereich der Verordnung umherlaufen. „Hunde oder andere Tiere sind von Spielplätzen und dem Neuen Schlosspark fernzuhalten“, zitiert der Leiter des Ordnungsamtes, Ulf George, aus der Verordnung. Dort sind auch Dinge geregelt wie das Nächtigen in Grünanlagen, das Betteln oder das Verrichten der Notdurft.

Die Stadt Heringen hat zum Beispiel keinen konkreten Leinenzwang festgelegt. Hunde haben auf städtischen Grünanlagen, Liegewiesen und Kinderspielplätzen sowie Bolzplätzen nichts zu suchen, berichtet Bürgermeister Daniel Iliev. Laut Verordnung in Bebra herrscht in der Innenstadt sowie auf öffentlichen Plätzen und Anlagen Leinengebot, berichtet der Chef des Ordnungsamtes, Friedhelm Eyert. Darüber hinaus dürfen Hunde im gesamten Geltungsbereich der Verordnung – also im Stadtgebiet –nicht unbeaufsichtigt umherlaufen.

Paragraf 12 der Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Bad Hersfeld sieht einen Leinenzwang vor „in den zusammenhängenden bebauten Teilen der Stadt sowie in allen öffentlichen Anlagen“, berichtet Sprecher Meik Ebert. Für private Flächen ist der jeweilige Eigentümer verantwortlich. (dup)

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