Nachrücker bekommen freie Dosen

Impfzentrum Rotenburg: Jeder Dritte schwänzt Termin für Anti-Corona-Spritze

Zu sehen ist der Eingang des Impfzentrums des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, das in der Göbel Hotels Arena auf dem Rodenberg in Rotenburg eingerichtet wurde.
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Das Impfzentrum des Landkreises Hersfeld-Rotenburg wurde in der Göbel Hotels Arena auf dem Rodenberg eingerichtet.

450 Menschen werden derzeit täglich im Rotenburger Impfzentrum gegen das Coronavirus geimpft. Jeder dritte Termin wird allerdings nicht wahrgenommen.

Hersfeld-Rotenburg – Das hat Martin Ködding, Leiter des Impfzentrums, auf Nachfrage unserer Redaktion mitgeteilt. „Momentan haben wir eine „No-Show-Quote“ von rund 30 Prozent“, so Ködding. Das entspreche dem Durchschnitt in Hessen.

So ärgerlich Impfschwänzer für die Mitarbeiter in der Göbel Hotels Arena auch sind: „Wir haben Nachrückerlisten, aus denen wir zum späten Nachmittag hin, wenn wir die tatsächlich wahrgenommenen Termine einschätzen können, Personen anrufen und Impfungen durchführen“, so Ködding. Bei den bislang insgesamt mehr als 66.000 Impfungen sei „noch keine einzige Impfdosis abends verworfen“ worden, weil niemand zum Impfen gefunden worden sei.

„Personen, die einen bereits vereinbarten Impftermin nicht wahrnehmen können, bitten wir eindringlich, diesen ordnungsgemäß abzusagen“, appelliert Marco Kauffunger, stellvertretender Gesamtleiter des Impfzentrums. „So können andere Impfwillige kurzfristig zum Zuge kommen.“

Mindestens 45.000 Personen haben zweite Spritze

Inzwischen sind mindestens 45.000 Menschen im Kreis Hersfeld-Rotenburg vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Rund 64.000, also mehr als die Hälfte der Kreisbevölkerung (120.000) haben zumindest eine Spritze erhalten. Das geht aus Zahlen des Impfzentrums und der Kassenärztlichen Vereinigung für die Hausarztpraxen im Kreis hervor. Hinzu kommen von Betriebsärzten verabreichte Impfdosen, die allerdings nicht zentral erfasst werden.

Alles andere als begeistert hat indes die Kassenärztliche Vereinigung Hessen die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) aufgenommen. Die Stiko rät Menschen, die bei ihrer ersten Impfung den Wirkstoff von Astrazeneca erhalten haben, eine Kreuzimpfung mit einem mRNA-Wirkstoff als Zweitdosis – also Biontech oder Moderna. „Diese Empfehlung wirft jegliche Planung über den Haufen, da sich diese ja an den vorgenommenen Erstimpfungen orientiert hat“, kritisiert KVH-Pressesprecher Karl Roth mit Blick auf die Herausforderungen in den Arztpraxen im Kreis Hersfeld-Rotenburg. „Das funktioniert logischerweise nicht, wenn statt einer Zweitimpfung mit Astrazeneca nun plötzlich ein mRNA-Impfstoff verlangt wird.“ Astrazeneca werde „endgültig zum Ladenhüter, mRNA-Impfstoffe potenziell wieder knapp“, prophezeit er.

Umgesetzt wird die Stiko-Empfehlung auch im Impfzentrum. Mit großen Schwierigkeiten rechnet man dort aber nicht. „Wir stellen uns allen Herausforderungen“, so Ködding. Für eine Kreuzimpfung infrage kommen im Impfzentrum insgesamt rund 3000 Astrazeneca-Erstgeimpfte. Die geplanten Termine für die Zweitimpfung behielten ihre Gültigkeit. (Sebastian Schaffner)

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