13 junge Frauen und ein Poet

„Klartext“ von Schülerinnen der Rotenburger JGS ist beste Online-Schülerzeitung Hessens

Nachwuchs im Einsatz: (von links) Johanna Leinweber, Sophie Wanner und Calantha Siel freuen sich über den ersten Platz. Chefredakteurinnen der Onlineschülerzeitung „Klartext“ der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule sind die 17-jährigen Freundinnen Johanna und Sophie.
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Nachwuchs im Einsatz: (von links) Johanna Leinweber, Sophie Wanner und Calantha Siel freuen sich über den ersten Platz. Chefredakteurinnen der Onlineschülerzeitung „Klartext“ sind die 17-jährigen Freundinnen Johanna und Sophie.

Sie schreiben über Gruppenzwang und Obdachlosigkeit. Ihre Artikel handeln von Respekt gegenüber Behinderten, vom Abitur in der Corona-Pandemie und von Erinnerungskultur.

Rotenburg – Sie interviewen ihre Lehrer und erklären, warum ihnen gendern wichtig ist. Die Internetschülerzeitschrift „Klartext“ der Jakob-Grimm-Schule Rotenburg (JGS) hat es unter anderem wegen dieser außerordentlichen Themenvielfalt nach ganz oben auf das Siegertreppchen beim Hessischen Schülerzeitungswettbewerb in der Hauptkategorie „Onlineschülerzeitung“ geschafft.

Ihrem Anspruch, „meinungsstark, vielfältig und fokussiert“ zu sein, wird das 14-köpfige Team mit ihren Chefredakteurinnen Sophie Wanner und Johanna Leinweber mehr als gerecht. Denn ihre Texte sind mal nachdenklich und informativ, mal ernsthaft und präzise. Und immer authentisch.

Angefangen hatte alles 2019 mit ein bisschen Unmut. In den damaligen 12er-Jahrgängen kam kein Deutsch-Leistungskurs zustande. „Irgendwie musste das kompensiert werden“, erzählt Sophie Wanner. Die Idee der Schülerzeitung wurde während des zweiten Halbjahrs 2019 schnell konkret. Nach kontroversen Diskussionen gab auch die Schulleitung dem Projekt eine Chance.

Der Förderverein der JGS übernahm die Kosten für die technischen Voraussetzungen. Und Lehrer Michael Koslowski sollt als Berater bei rechtlichen Unsicherheiten der Chefredaktion zur Seite stehen. „Bislang gab es für mich noch keinen Grund, mich in den redaktionellen Bereich einzumischen. Kritik gehört, wenn sie sachlich und produktiv und nicht beleidigend geäußert wird, zum Pressegeschäft dazu“, meint er. Mit an Bord ist auch Schulsprecherin Calantha Siel. Sie ist nicht nur Sprachrohr für die Schülervertretung, sondern auch wichtige Ideengeberin bei politisch und gesellschaftlich relevanten Themen.

Bewusst haben sich die Nachwuchs-Journalistinnen für das Online-Format der Schülerzeitung entschieden. „Wir können damit schneller agieren, sind immer aktuell und haben nicht viel Aufwand, was den Vertrieb der Zeitung angeht“, erklärt Sophie Wanner. Arbeit für den „Klartext“ bleibt dennoch genug: Mails müssen beantwortet und die Homepage aktualisiert werden. Themen werden recherchiert und besprochen, Standpunkte auch noch nachts auf WhatsApp erörtert.

„Klartext“ ist im Leben von Sophie Wanner und Johanna Leinweber nun allzeit präsent. Für die Artikel in ihrer Online-Ausgabe werben sie auf Instagram. Social Marketing ist wichtig und beansprucht viel Zeit. Erst kürzlich haben die 17-Jährigen in einem Fake-News-Artikel die Einführung einer Schüler-Uniform an der JGS angekündigt.

Nur eine einzige Schlagzeile auf Instagram sorgte bereits für große Verwirrung. Mit dieser bewussten Falschmeldung haben die Verantwortlichen von „Klartext“ auf die Folgen von Fake News aufmerksam gemacht. Und sie haben anschaulich erklärt, wie man die Nachrichten im Netz auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen sollte. Auf die Anzahl der Klicks, wie häufig die Internetseite aufgerufen wird, schielen die jungen Frauen nur halbherzig. „Das gehört dazu und ist auch wichtig. Aber es ist nicht der Sinn von Pressearbeit“, betont Sophie Wanner. Es sind übrigens 1000 Klicks pro Woche.

Zwischen den großen Themen Umwelt, Gerechtigkeit und Schülerleben gibt es auch die Rubrik „Jakob dichtet“. Ein junger Poet, der unbekannt bleiben möchte, veröffentlicht hier regelmäßig kluge Gedichte in filigraner Satzkunst. Er hätte mit diesen Worten, die etwas aussagen und was zu sagen haben, beste Chancen bei jedem Poetry Slam. Übrigens ist er der einzige Mann bei „Klartext“.

Unterstützung, positive Resonanz und Glückwünsche zum ersten Preis bekommen die Zeitungsmacherinnen von vielen Seiten, Schulleitung und Förderverein inklusive. Aber am wichtigsten ist ihnen das gute Miteinander unter Kolleginnen. „Wir sind mittlerweile mehr als ein Team“, sagt Johanna Leinweber, „wir sind eine Familie“. (Susanne Kanngieser)

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