Kabarettist Martin Lüker als weihnachtlicher Schalk

An den Tasten: Der mit Ehefrau und drei Töchtern in Kassel lebende 46 Jahre alte Martin Lüker nahm’s leicht, dass er es manchmal etwas schwer hatte, das zurückhaltende Rotenburger Publikum mit „Klavier-Comedy“ und neuen Interpretationen altbekannter Schlager aufzutauen.

Rotenburg. Ganz leicht war es nicht für den aus Borgholzhausen am Teutoburger Wald stammenden und in Kassel lebenden Musikkabarettisten Martin Lüker, den richtigen Draht zu seinem zunächst etwas zurückhaltenden Publikum zu finden.

Zumal es nur etwa 40 „Damen und Mitgenommene“ waren, die sich am Nikolausabend auf den Weg ins Rotenburger Bürgersaal gemacht hatten, um sich unter dem Motto „Udo Fröhliche - Auspacken“ an „Clavier-Comedy zum Fest“ zu erfreuen.

Dabei hatte Lüker einiges zu bieten. Sowohl gesanglich als auch textlich überraschte der Wortakrobat mit amüsanten Neuinterpretationen altbekannter Weihnachtslieder und Schlager. Und das, was er ansonsten mitgebracht hatte, konnte sich ebenfalls hören lassen - wie etwa die Gegenüberstellung: „Kleine Jungen wünschen sich als Geschenk schon mal einen Hampelmann und kleine Mädchen ein Püppchen. Später ist es umgekehrt!“ Sogar, wie sich eine Weihnachtsgans, die sich nach einem nächtlichen Ausflug im Adlerhorst wiederfindet, ihre Situation erklärt, wusste er zu berichten: „Mein Gott, muss ich besoffen gewesen sein!“

Höchst amüsant waren auch die Dienstanweisungen des Beamten Müller-Lüdenscheid zum Gebrauch von Dienstweihnachtsbäumen und das dreiteilige, sich über den ganzen Abend erstreckende Melodram „Schnee im Dezember“. Noch origineller war die Abfolge von Katastrophenmeldungen, die auf den Umstand, dass vielen Menschen vier Kerzen auf dem Adventskranz einfach zu wenig sind, zurückzuführen waren. Etwa dem alten Frontkämpfer, der den Stern von Bethlehem mit Flakscheinwerfern an den Himmel wirft.

Kurzum: Es war ein kurzweiliger Abend, der im zweiten Teil durch wunderbare Wortspielereien über das Schnee-See-Klee-Reh und den Dreh-Zeh-Weh-Vergeh-Tee, Verhohnepipelungen gern gesungener 70er-Jahre-Hits und Reminiszenzen an die von Max Raabe bekannte Erika gekrönt wurde: „Ich liebe meine Erika, bei Aldi und bei Edeka, sie fesselt mich ans Obstregal…“

Von Wilfried Apel

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