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Kalle Lies engagiert sich für Rotenburg und die Region

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Von: Christopher Ziermann

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Kalle Lies in Rotenburg
Kalle Lies, Wahl-Rotenburger, engagiert sich seit Jahren für die Fuldastadt © Ziermann, Christopher

Er möchte mit seinem Engagement zur Lebensqualität in Rotenburg beitragen. Karl-Heinz „Kalle“ Lies wirkt ehrenamtlich in verschiedenen Rotenburger Vereinen mit.

Rotenburg – Als Karl-Heinz Lies Ende der 70er-Jahre nach Rotenburg kam, stand für ihn und seine Frau Gabi fest: Hier bleiben wir nur so lange wie nötig. „Das Dach am Marstall war eingestürzt – ‘Betreten verboten, Lebensgefahr!’.

Der Marktplatz war noch nicht gepflastert und das Gebäude, wo jetzt lange das Moritz drin war, hatte die Kernsanierung, die dann kurze Zeit später kam, bitter nötig“, erinnert sich der heute 71-Jährige, der stets mit Kalle angesprochen wird.

Doch das junge Ehepaar schloss Rotenburg nach dem ersten Schock schnell ins Herz – denn viele tolle Menschen gab es in der Stadt auch schon damals, sagt Lies. „Wir haben hier Freunde fürs Leben kennengelernt, von Anfang an.“ Seit vielen Jahren engagiert sich Lies nun ehrenamtlich, um selbst zur Lebensqualität in der Wahlheimat beizutragen.

Mittlerweile ist der umtriebige Rentner vor allem durch den Verein „Gemeinsam in Rotenburg“ bekannt. Seit der Gründung 2012 ist er Vorsitzender. „Wir wollten eine schlagkräftige Formation, die die Entwicklungen in der Stadt im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich unterstützt“, sagt Kalle Lies.

Die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg (MER) gab es damals noch nicht. Bis zu deren Gründung 2016 war das Stadtmarketing ein Hauptschwerpunkt des Vereins.

Gebürtiger Niedersachse landet immer wieder in Führungspositionen

Auch darüber hinaus landet der gebürtige Niedersachse immer wieder in Führungspositionen. Seit 2011 ist er Vorsitzender des Kuratoriums der Sparkassen-Stiftung „Gutes Tun“. Von 2006 bis 2017 war er Sprecher der Zubra-Lenkungsgruppe, in der die Fäden von Bürgermeistern und Bauamtsleitern aus Rotenburg, Bebra und Alheim zusammenliefen.

Dort wurden Projekte wie das Bürgerzentrum am Rotenburger Bahnhof, das Haus der Generationen in Heinebach und die Bebraer Stadtentwicklung koordiniert. Als 2018 die Lopa (Lokale Partnerschaft) in Rotenburg gegründet wurde, übernahm er auch dort den Vorsitz.

Das Gremium mit Vertretern von Stadt, Politik, Handel, Vereinen und Bevölkerung begleitet den Stadtumbau – zum Beispiel die Umgestaltung des Fulda-Ufers.

„Schreib nicht überall, dass ich Vorsitzender bin“, sagt Lies beim Termin mit der Zeitung – der 71-Jährige ist schnell beim „Du“. Er will aber nicht, dass der Eindruck entsteht, er dränge sich in den Mittelpunkt.

Aber es ist nicht Lies selbst, der sich nach vorn drängt – bei all seinen Posten wurde er angesprochen und um sein Engagement gebeten. Er ist äußerst beredet und versteht es, mit seiner einnehmenden Art andere zum Mitmachen zu bewegen.

Lies kann aus Kompetenzen seines Berufslebens zehren

Dass der Wahl-Rotenburger sich immer wieder dort engagiert, wo man mit Behörden und Politik zu tun hat, kommt nicht von ungefähr. Sein Vater war im niedersächsischen Bovenden Gemeindedirektor.

Der gelernte Feinmechaniker hatte selbst viele Jahre bei der EAM Leitungsfunktionen inne und dabei Kontakt zu Kommunen, Landkreisen und Regierungspräsidien. Von diesen Kompetenzen konnte er zehren, als er ab 2005 mit Beginn seines vorzeitigen Ruhestandes sein Engagement immer weiter ausbaute.

Doch auch wenn seitdem mehr Zeit da ist, funktioniere das alles nur, weil seine Ehefrau Gabi, die als Realschulzweigleiterin an der Jakob-Grimm-Schule bis vor wenigen Jahren selbst beruflich stark eingebunden war, ihn unterstütze. „Und ich bin natürlich auch kein Solo-Künstler, sondern habe in allen Gremien und Vereinen viele tolle Leute, mit denen ich zusammenarbeite“, sagt Lies.

Schon während seines Berufslebens übernahm er dort Verantwortung, wo für ihn in Rotenburg alles begann. Kurz nach dem berufsbedingten Umzug in die Fuldastadt trat er in den Tennisverein ein, wurde mit Ende 20 in den Vorstand gewählt und ist seit 1992 Vorsitzender.

Tennisplatz-Neubau war ein Großprojekt

Im Vorstand des Tennisvereins erlebte Kalle Lies den ab den 80er-Jahren von Boris Becker und Steffi Graf ausgelösten Tennisboom mit. Die drei Plätze im Schlosspark, wo heute der Minigolf-Platz ist, reichten nicht mehr aus.

Die Suche nach einem neuen Grundstück war langwierig. Im Jahr 2000 wurde schließlich die Anlage in den Fuldawiesen eingeweiht. Der Denkmalschutz auf dem Gebiet, unter dem man Überreste der Siedlung Breitingen vermutet, hatte den Bau zu einer großen Herausforderung gemacht.

Die Ehrenamtlichen stemmten ein Projekt, das einen „hohen sechsstelligen Betrag“ verschlang. Die Hälfte finanzierte der Verein selbst. „Das ist einer der Höhepunkte meiner Ehrenamtsarbeit, dass wir es geschafft haben, die wohl am schönsten gelegene Tennisanlage Nordhessens zu bauen und dann 17 Jahre später schuldenfrei waren“, sagt Lies.

Es ist die neueste Tennisanlage im Landkreis. Für den Spielbetrieb reisen Mannschaften aus ganz Hessen nach Rotenburg.

Ladenabende sind sein Herzensprojekt

Gefragt nach seinem absoluten Herzensprojekt einer jahrzehntelangen ehrenamtlichen Arbeit nennt der 71-Jährige die Ladenabende von Gemeinsam. Dort verbindet der Verein seine beiden Kernanliegen – die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und die Kultur.

„Wir wollten den Leerstand in der Innenstadt nicht akzeptieren, sondern im Gegenteil aktiv etwas daraus machen.“ Der Verein ist Mieter des ehemaligen Fleischhut-Ladens im Steinweg und veranstaltet dort regelmäßig Ausstellungen und Konzerte: mit lokalen Größen wie Benji Schaub, dem Gerlach-Kling-Ehepaar und Shiregreen, aber auch mit externen hochklassigen Künstlern wie Noam Bar.

Vermittelt wurde Bar von David Gerlach, der nun selbst beim Ladenabend am kommenden Freitag auf der Bühne steht.

In Rotenburg habe sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles positiv verändert. Cafés, Eisdielen, Kneipen, Restaurants – das Angebot habe es in dem Umfang früher nicht gegeben. Rotenburg sei auch immer schicker geworden, was nun durch den Stadtumbau weiter fokussiert werde.

Lies appelliert an alle Rotenburger: „Wenn ich eine vitale Stadt haben will, muss ich mich auch zeigen. In den Geschäften und bei kulturellen Angeboten.“ Foto: Christopher Ziermann

Zur Person

Karl-Heinz Lies (71) wurde 1951 in Göttingen geboren und wuchs im benachbarten Bovenden auf. Nach der Mittleren Reife und der Ausbildung zum Feinmechaniker studierte Lies in Bielefeld Elektrische Energietechnik. Nach dem Abschluss 1975 arbeitete er bis zum Rentenbeginn bei der EAM. 2005 ging er im Rahmen eines Personalabbaus (mittlerweile hatte Eon die EAM übernommen) in den Ruhestand. Er machte sich mit „Happy Sunshine Energy“ selbstständig und arbeitete dabei auch erneut für seinen alten Arbeitgeber, als nach 20 Jahren wieder die Konzessionsverhandlungen mit den Kommunen anstanden. In seiner Freizeit widmet er sich gerne seinem 53 Jahre alten Oldtimer, einem Mercedes Pagode. Bis heute steht er für den TC Rot-Weiß Rotenburg in Punktspielen auf dem Tennisplatz. Lies ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder und zwei Enkel. 

(Christopher Ziermann)

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