Brüder sammeln Unterschriften

Kampf ums HKZ in Rotenburg: Plakate sollen Auftakt für Widerstandsbewegung sein

Operation am Bürgerherz: Die Brüder Tim und Benjamin Schneider aus Rotenburg möchten den medizinischen Leuchtturm HKZ nicht kampflos aufgeben und suchen Mitstreiter.
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Operation am Bürgerherz: Die Brüder Tim und Benjamin Schneider aus Rotenburg möchten den medizinischen Leuchtturm HKZ nicht kampflos aufgeben und suchen Mitstreiter.

Seit Dienstag hängen Plakate in Rotenburg, die offenbar vielen Bürgern aus dem Herzen sprechen.

Rotenburg – Auf der Straße, in Vereinen und Geschäften wird darüber diskutiert. „HKZ: Operation am BürgerHerz, Willkommen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg“ steht auf den Plakaten – wobei das Rotenburg durchgestrichen ist.

In Rotenburg herrschte bislang eine Art Schockstarre: Man spricht über die geplante Verlegung der Akutmedizin vom Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) ans Klinikum in Bad Hersfeld, die in der vergangenen Woche bekannt wurde. Aber außer einigen Leserbriefen und einer eher kurzen, aber heftigen Debatte in den sozialen Medien gab es keine öffentlichen Proteste.

Genau das treibt die Zwillingsbrüder Benjamin und Tim Schneider um. Die beiden 41-Jährigen haben die Plakate entworfen und an verschiedenen Stellen in der Stadt angebracht. Sie sind Rotenburger aus Leidenschaft, und bewusst mit ihren Familien hierhergezogen: Tim, IT-Mitarbeiter bei K+S in Kassel, vor zehn Jahren, Benjamin, beschäftigt bei B.Braun in Melsungen, erst in diesem Jahr. „Wir sind nicht parteipolitisch engagiert, wir sind einfach Bürger, die sich um ihre Stadt sorgen“, sagen sie.

Die Brüder sind sich einig: „Wenn der infrastrukturelle Leuchtturm Rotenburgs durch den eigenen Landkreis in dieser Art und Weise demontiert wird, kann dies nicht unwidersprochen hingenommen werden. Die sich offenbarende politische Kultur dieser Entscheidungsfindung ist empörend, und das Ergebnis fatal für den nördlichen Teil des Landkreises“, sagt Tim Schneider, der auch noch auf Probleme bei der Versorgungssicherheit hinweist – vor allem bei Herzinfarkten.

Eine absolut einseitige Verteilung zulasten Rotenburgs und seiner Nachbargemeinden sei das Gegenteil des öffentlich kommunizierten Übernahmeziels mit Steuermitteln, sagen die Brüder. Versorgungssicherheit, Stadtentwicklung und Arbeitsplätze vor Ort spielten offenbar für den öffentlichen Träger überhaupt keine Rolle mehr, kritisieren die Brüder. Sie fragen nach der Verantwortung von Landrat Dr. Michael Koch, der seine politische Zukunft an den Erfolg des Übernahmeprojektes geknüpft hatte. Die Schneiders jedenfalls möchten dem schleichenden Untergang des HKZ nicht tatenlos zusehen und planen weitere Aktionen. Unterschriften gegen die Verlagerung der Akutmedizin vom HKZ zum Klinikum nach Bad Hersfeld sollen auf Listen und im Internet gesammelt werden.

Mitstreiter können sich bei den Schneiders per E-Mail melden unter: buerger-herz@gmx.de

Er freue sich über jede aktive und öffentliche Unterstützung für den Gesundheitsstandort Rotenburg, kommentiert Bürgermeister Christian Grunwald die Initiative der Brüder Schneider.

Es sei gut, dass jetzt auch Bürgerinnen und Bürger deutlich machten, dass durch die geplanten Veränderungen die Belange der Stadt und der Region im Nordteil des Kreises im Kern ihrer Identität angegriffen würden. Der Prozess dürfe deshalb nicht nur in Konferenzräumen oder politischen Gremien diskutiert werden, sondern müsse auch mit den Menschen vor Ort besprochen werden. Deshalb sollten die Verantwortlichen des Klinikums in und um Rotenburg die Lage des Klinikums schnellstmöglich öffentlich erläutern und zu den Plänen Rede und Antwort stehen, meint Grunwald.

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