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Keine Party im Pyjama: Dappchenball fällt zum ersten Mal in Lispenhausen aus

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Von: Susanne Kanngieser

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Mit Hauben und Hüten verkleidet im Schlafanzug: Der Dappchenball in Lispenhausen 2011.
Mit Hauben und Hüten verkleidet im Schlafanzug: Der Dappchenball in Lispenhausen 2011. archiv- © Archiv-Foto: Achim Meyer

Der Dappchenball in Lispenhausen. Ein Phänomen. Warum er damals, 1983, in Lispenhausen eingeführt wurde, weiß keiner so genau.

Lispenhausen – Eine Erklärung hat Rüdiger Ritter vom Schützenverein Hirsch parat: „Nach fünf Kirmestagen gingen einem so langsam die schicken Klamotten aus. Als Konsequenz konnte man auch gleich im Schlafanzug oder im Nachthemd ins Zelt gehen und die Kirmes beim Dappchenball ausklingen lassen“.

In diesem Jahr fällt er erstmals seit Bestehen aus. Der Grund: Die Veranstalter 5 – Sportclub 1919, Junge Hirsche, Turngemeinde 1908 und Schützenverein Hirsch – haben keine geeignete Partyband gefunden. „Und ohne eine Stimmungskapelle ist der Dappchenball nur die Hälfte wert“, weiß Rüdiger Ritter. Die Entscheidung sei den vier Vereinen nicht leichtgefallen.

Bekennender Dappchenball-Fan: Rüdiger Ritter hat sich extra für den Dappchenball sein Leinennachthemd besticken lassen.
Bekennender Dappchenball-Fan: Rüdiger Ritter hat sich extra für den Dappchenball sein Leinennachthemd besticken lassen. © Susanne Kanngieser

Was war das Geheimrezept eines Lispenhäuser Dappchenballs? „Es haben alle Generationen mitgemacht. Und alle wollten eine gute Zeit haben“, erklärt Manni Knoch, Ortsvorsteher von 2001 bis 2014, das Phänomen Dappchenball. Obwohl die Band erst um 20 Uhr die Sause startete, pilgerten die Ersten schon gegen 18 Uhr ins Festzelt. Sie brachten Häppchen und Ahle Worscht mit und schufen mit dem gemeinsamen Vespern eine solide Grundlage für das ein oder andere alkoholische Getränk. Alles natürlich nur mit Genehmigung des Festwirts.

Und das Essen musste bis 20 Uhr beendet sein. Der ehemalige Kriminalhauptkommissar erinnert sich: „Ich habe mein Blümchen-Nachthemd angezogen, dicke Jacke drauf, und die Dappchen kamen in den Jute-Beutel“. Beim Dappchenball hätten auch Veranstalter und Verantwortliche ausgelassen feiern können, und zwar mit dem guten Gefühl, wieder eine großartige Kirmes auf die Beine gestellt zu haben.

„Mit dem Glas in der Hand und dem Stimmband angespannt ist nun Hirsche-Partytime“ – heißt es im Kirmeslied von 2010, getextet von Arnd Hanstein. Schon bei diesem Intro standen Männer, Frauen und die junge Generation auf Tischen und Bänken – von Null auf Party in weniger als zehn Sekunden.

Im schicken Blümchen-Nachthemd: Manni Knoch bei der Kirmes 2002.
Im schicken Blümchen-Nachthemd: Manni Knoch bei der Kirmes 2002. archiv- © Archiv-Foto: Wolff von Rechenberg

Studenten nahmen sich an ihren Unis weit entfernt vom Heimatort zwei weitere Tage frei und brachten ihre neuen Freunde und Bekannte mit. Die waren auch schnell infiziert vom „Dappchenball-Virus“, und feierten fröhlich und ausgelassen mit den Lispenhäusern. Fast so, als gehörten sie schon immer zu den Hirschen dazu. So wie es eben auch im Kirmeslied gesungen wird: „Wir feiern keine schicken Partys, wir sind nicht gerade elitär, dafür duzen wir uns alle und trinken lieber etwas mehr.“

Selbst in den Musik-Pausen herrschte Entertainment pur: Es gab die Tombola, die Verlosung des Kirmeshammels und die Bewertung der Festzugbeiträge.

Die besten Dappchenbälle wurden zwischen 2005 und 2016 gefeiert, meint Rüdiger Ritter. „Da war das Zelt voll besetzt, die Band rockte den Kirmesausklang ordentlich und die Stimmung war grandios“. Danach habe die Resonanz stetig abgenommen.

Wer hat den Dappchenball erfunden? Weiterode oder Lispenhausen? „Es gibt kein Copyright auf den Dappchenball“, erklärt Manni Knoch. Natürlich habe man immer mal über den Tellerrand geschaut, was in anderen Orten bei einer Kirmes so stattfindet. Auch um originellere Veranstaltungen ins Programm zu bringen. Aber wo der erste Dappchenball stattgefunden hat, daran erinnert sich der 64-Jährige nicht.

Nächstes Jahr würde die Kultveranstaltung Dappchenball in Lispenhausen ihren 40. Geburtstag bei der Kirmes feiern. Das könnte ein guter Anlass sein für ein Reset oder den Dappchenball 2.0. (Susanne Kanngieser)

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