Langjähriges Angebot steht vor dem Aus

Kinderförderung: Pädagogen in Rotenburg kämpfen um Fortsetzung ihrer Arbeit

Sie setzen sich dafür ein, dass die Kinderförderung weitergeführt werden kann: Unser Bild zeigt von links den Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, Eckhardt Bick, Gemeindereferentin Biggi Stein, Michael Koslowski der zur Leitung der Jakob-Grimm-Schule gehört, ebenso wie Förderstufenleiterin Karin Sackmann. Rechts Schulsozialarbeiterin Thora Maentel-Pogodsky.
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Sie setzen sich dafür ein, dass die Kinderförderung weitergeführt werden kann: Unser Bild zeigt von links den Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, Eckhardt Bick, Gemeindereferentin Biggi Stein, Michael Koslowski der zur Leitung der Jakob-Grimm-Schule gehört, ebenso wie Förderstufenleiterin Karin Sackmann. Rechts Schulsozialarbeiterin Thora Maentel-Pogodsky.

Rotenburg – Seit 45 Jahren gibt es die Kinderförderung in Rotenburg. Jetzt steht sie vor dem Aus.

Offiziell werden die zwölf angemeldeten Kinder nur noch bis zum Ende des Jahres von den pädagogischen Mitarbeiterinnen Marlies Propfe und Helga Mathow-Thon betreut. Eine Gruppe von Pädagogen will sich aber für den Fortbestand einsetzen – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Die Kinderförderung ist traditionell eng mit der Albert-Schweitzer-Grundschule verbunden. Der Trägerverein war von Müttern und vom früheren Direktor Walter Frahnert gegründet worden. Anfangs wurden Spielgruppen ehrenamtlich betreut, ab 1977 kamen Lerngruppen hinzu, die Betreuung wurde hauptamtlichen Kräften übergeben.

Schülerinnen und Schüler vom 2. bis zum 6. Schuljahr erleben bei der Kinderförderung Betreuung und Zuwendung – ein bisschen wie in einer Familie: Nach der Schule wird zusammen gekocht und gegessen. Die Hausaufgaben werden gemacht, und es gibt ein Freizeitangebot. Unterstützt werden Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten in der Schule haben und denen feste Strukturen fehlen.

Marlies Propfe und Helga Mathow-Thomas arbeiteten auch deshalb eng mit der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) und der Jakob-Grimm-Schule zusammen. Die ASS weist der Kinderförderung betroffene Jungen und Mädchen zu, die dann über einige Jahre dreimal wöchentlich in der Gruppe betreut werden. Wichtig war und ist immer auch der Kontakt zu den Eltern, die in die pädagogische Arbeit eingebunden werden.

Bis zum Ende gehörte auch die „soziale Gruppe“ zur Kinderförderung, in der ebenfalls Kinder zwischen acht und 14 Jahren unterstützt wurden. Die Gruppe wurde vom Landkreis finanziert, während die Kinderförderung über Mitgliedsbeiträge im Trägerverein, Zuwendungen der Stadt Rotenburg und Spenden finanziert wurde. Der Kreis hatte schon vor einem Jahr angekündigt, die soziale Gruppe nicht mehr in vollem Umfang zu finanzieren.

Der Vorstand des Trägervereins will sich aus Altersgründen zurückziehen. Nachfolger gibt es nicht, sodass das Ende des Vereins auch das Ende der bisherigen Kinderförderung bedeutet.

In den Leitungen der betroffenen Schulen will man das nicht hinnehmen. Zu bedeutend sei die Hilfe für Kinder, die ansonsten „durchs Raster“ fallen könnten. Dass sie außerhalb der Schule eine Betreuung finden – die Kinderförderung hat Räume im städtischen „Haus der Jugend“ – sieht zum Beispiel Karin Sackmann, die Leiterin der Förderstufe, als besonders positiv an. Auch Eckhardt Bick, der Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, unterstreicht, dass die Kinderförderung besonders den Kindern hilft, die sich in großen Strukturen wie einer Schule mit Ganztagsbetreuung noch nicht zurechtfinden.

Michael Koslowski, der zur Schulleitung der JGS gehört, hatte zu einem Treffen eingeladen, um das Ende der Kinderförderung öffentlich zu machen und Mitstreiter zur Lösung des Problems zu finden. „Es geht um Geld und um Personal“, sagt Koslowski und hofft auf Menschen, die Ideen haben, um beides langfristig für die Kinder zu sichern. „Wir brauchen Kontinuität in der finanziellen Förderung und in der Zuwendung für Kinder“, sagt Schulsozialarbeiterin Thora Maentel-Pogodsky.

Gemeindereferentin Biggi Stein erinnerte an die Anfangszeiten der Kinderförderung und die Bedeutung, die die Arbeit auch heute noch oder gar zunehmend hat. Alle hoffen natürlich auch auf Unterstützung durch die Stadt oder die Diakonie.

Wer die Kinderförderung in Rotenburg unterstützen möchte oder Ideen zu einer verlässlichen Finanzierung hat, kann sich per E-Mail an Michael Koslowski wenden: kk@jgs-rof.de.

Geplant, aber noch nicht organisiert ist eine öffentliche Zusammenkunft zum Thema im Herbst im Haus der Jugend.. (Von Silke Schäfer-Marg)

Das sagt der Bürgermeister: Die Stadt ist gesprächsbereit

Die Stadt Rotenburg ist bereit zu Gesprächen über eine künftige Unterstützung der Kinderförderung, erklärte Bürgermeister Christian Grunwald auf Anfrage. Auch in anderen Fällen, wie zum Beispiel bei der Finanzierung der Drogenhilfe, sei die Stadt eingesprungen. Für finanzielle Beteiligung müsse es natürlich entsprechende Beschlüsse der städtischen Gremien geben. Die Kinderförderung sei ein besonders wichtiges und etabliertes Angebot und eine echte Hilfe für Kinder, weil sie die Brücke zwischen Schule und Elternhaus schlage. 

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