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Kita-Kapazitäten im Kreis Hersfeld-Rotenburg am Limit

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Von: Christopher Ziermann

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Unser Bild zeigt die Baustelle für die neue Kindertagesstätte in Braach.
Um der stetig steigenden Nachfrage gerecht zu werden, bauen viele Kommunen neue Kitas und Krippen. Unser © Christopher Ziermann

Die Kapazitäten in Kitas und Krippen sind in vielen Städten und Gemeinden im Landkreis ausgeschöpft. Nun kommen noch die geflüchteten Kinder aus der Ukraine dazu.

Hersfeld-Rotenburg – Vielerorts gibt es Wartelisten, einige Kommunen reagieren mit Neubauten wie zum Beispiel im Rotenburger Ortsteil Braach, Bebra, Hauneck, Haunetal, Niederaula und Ronshausen. Nun steigt die Nachfrage nach Kita-Plätzen durch die ukrainischen Geflüchteten noch einmal – ein sensibles Thema, das kürzlich auch in der Bürgermeisterdienstversammlung diskutiert wurde.

„Wir wollen die ukrainischen Kinder natürlich sehr gerne integrieren. Das darf aber nicht dadurch geschehen, dass sie schneller einen Kita-Platz bekommen als Kinder von Familien, die schon vorher hier gelebt haben. Darauf haben wir uns klipp und klar verständigt. Das würde sonst zu Hass führen“, sagt Thomas Rohrbach (Niederaula), Sprecher der Bürgermeisterdienstversammlung.

Die Reihenfolge bei der Vergabe von Kita- und Krippenplätzen wird in den Kommunen unterschiedlich gehandhabt. Manche gehen nach Anmeldedatum, andere nach Geburtsdatum, bei anderen werden mehrere Faktoren berücksichtigt – zum Beispiel, ob die Eltern berufstätig sind.

Flexible Lösungen finden

Wo es möglich ist, sollen laut Rohrbach flexible Lösungen gefunden werden. So könne man zum Beispiel bei der Fachaufsicht des Landkreises beantragen, Gruppen zeitweise zu vergrößern. Manche einheimische Kinder besuchen die Einrichtungen nur vormittags, wenn ein Elternteil halbtags arbeitet – dann könne erwogen werden, ob ukrainische Kinder dann nachmittags kommen. „Es geht darum, dass man im Dialog Lösungen findet“, sagt Rohrbach.

In Hessen haben Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder – zuständig ist die Kommune, in der die Familie lebt.

Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald spricht von einer „sensiblen Situation“ und einer grundsätzlich „angespannten Lage“ bei der Kinderbetreuung. Deswegen werde derzeit ja auch in Braach neu gebaut. Keinesfalls sei es aber so, dass ukrainische Kinder bevorzugt würden. „Es gibt in Rotenburg Anmeldungen von Geflüchteten, aber bislang können wir die nicht bedienen – weil anderer vorrangig einen Platz bekommen.“ In der Fuldastadt werden dabei auch soziale Belange geprüft. Wer alleinerziehend ist, wer berufstätig ist, bekommt also schneller einen Platz für sein Kind. Die Kriterien seien auf der Internetseite der Stadt transparent aufgeführt. In Rotenburg werden im Familienzentrum außerhalb des Kita-Betriebes Möglichkeiten für die Begegnung von ukrainischen und einheimischen Kindern geschaffen.

Bei der Vergabe gelten verschiedene Kriterien

Auch in Bad Hersfeld werden neben dem Anmeldedatum verschiedene Kriterien wie Berufstätigkeit und soziale Belange berücksichtigt. „Freie Plätze gibt es derzeit nicht – nur in Einzelfällen, wenn zum Beispiel jemand umzieht“, sagt Jutta Hendler vom Fachbereich Generationen. Ukrainische Kinder würden bei der Vergabereihenfolge genauso behandelt wie die anderen Kinder. In einigen Einrichtungen werden nachmittags Schnupperangebote gemacht.

In Friedewald gibt es laut Bürgermeister Julian Kempka bislang eine Voranmeldung eines ukrainischen Kindes. Die Krippe sei voll ausgelastet, für Kinder über drei Jahren gebe es derzeit zwei freie Plätze. Die Gemeinde richtet sich nach der Reihenfolge der Anmeldungen und – wegen des Rechtsanspruchs – bedient zuerst Friedewalder Bürger. Bislang keine Anmeldungen von Geflüchteten gibt es in Ronshausen – auch dort sind die Kapazitäten laut Bürgermeister Markus Becker „voll ausgeschöpft“. Ein Anbau an die Kita ist in Planung.

In Obersuhl konnte, auch dank einer ukrainischsprachigen Erzieherin, eine neue Gruppe eröffnet werden – wir berichteten. Die Kita Vogelnest ist einer von acht vom Zweckverband Evangelische Tageseinrichtungen geführten Kindergärten. (Christopher Ziermann)

Landkreis koordiniert Tageseltern – Zuwachs dringend gesucht

Als Alternative zur Kita- und Krippenbetreuung gibt es auch Tageseltern – die Koordination übernimmt dabei der Landkreis. Derzeit gibt es laut Kreis-Sprecherin Jasmin Krenz 59 solcher Kindertagespflegepersonen, so die offizielle Bezeichnung. Sie betreuen insgesamt 223 Kinder. „Die Kapazitäten sind gut ausgelastet. Bislang gelingt es uns aber, die Kinder stetig in die Tagespflege zu vermitteln. Mit einer Warteliste müssen wir aktuell nicht arbeiten“, sagt Krenz. Auffällig sei, dass die Anträge auf Plätze in der Tagespflege mittlerweile deutlich früher gestellt würden als bislang. Der Landkreis sucht dringend weitere Tagespflegepersonen, um die Nachfrage auch künftig bedienen zu können. Nötig dafür ist ein Qualifizierungskurs. Der nächste startet im November mit einer Informationsveranstaltung und endet im Mai oder Juni des nächsten Jahres. Informationen bekommt man im Landratsamt telefonisch unter 0 66 21/875-213 und -214. ( czi)

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