Aus Klärschlamm wird Erde - Millioneninvestition der Rotenburger Stadtwerke

+
Bald soll hier viel Erde bewegt werden: Thorsten Anacker von den Stadtwerken zeigt die rund drei Hektar große Fläche zwischen Baumbach und Braach, auf der eine Klärschlammvererdungsanlage entstehen soll. Unangenehmer Geruch entsteht durch die Anlage nicht, weil der Klärschlamm, der dort hingepumpt wird, bereits im Faulturm ausgegast ist, erklärt Anacker. 

Rotenburg. Die Stadtwerke Rotenburg wollen im neuen Jahr 5,3 Millionen Euro investieren - so viel wie seit Jahrzehnten nicht. Ein ganz dicker Brocken, nämlich knapp zwei Millionen Euro, sind für eine neue Klärschlammvererdungsanlage nahe der Kläranlage in Braach vorgesehen.

Das Wort klingt sperrig. Thorsten Anacker von den Stadtwerken kann das Verfahren allerdings einfach erklären. Fragen und Antworten zu einem Thema, das nicht sexy ist, aber alle angeht:

Was ist eine Klärschlammvererdungsanlage?

Für Rotenburg sprechen wir von vier Becken, die auf etwa 2,5 Hektar Fläche zwischen Braach und Baumbach (links der Kreisstraße) gebaut werden sollen. Diese Becken werden mit Folie ausgekleidet, damit keine Flüssigkeit ins Grundwasser sickern kann. Filterschichten und Drainage werden eingebaut. In diese Becken wird der Klärschlamm gepumpt.

Was passiert dann?

Das Wasser sickert aus dem Schlamm und wird über die Filterschichten und die Drainage zurück in die Kläranlage zum Nachklären gepumpt. Die Feststoffe bleiben. Durch Mikroorganismen zersetzen sie sich weiter, die verbleibende Masse reduziert sich um 30 bis 50 Prozent. Für eine effektive biologische Arbeit muss Schilf angepflanzt werden, der die Sauerstoffzufuhr sichert. Wenn ein Becken voll ist, muss es zum weiteren Trocknen liegen bleiben. Dann wird es geöffnet, der vererdete Klärschlamm wird abtransportiert und in der Landwirtschaft ausgebracht oder verbrannt.

Warum braucht Rotenburg eine Klärschlammvererdungsanlage?

Wegen zu hoher Nitratwerte in den deutschen Gewässern wurde gegen die Bundesrepublik ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof angestrengt. Die Bundesregierung hat festgelegt, dass ab 2018 die landwirtschaftliche Ausbringung des Schlamms reduziert und ab 2024 verboten werden soll. Der Schlamm muss dann in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden - mit erheblichen Kosten und langen Wartezeiten, bis der Klärschlamm von den Müllverbrennern angenommen wird.

Wie gehen die Stadtwerke bisher mit dem Klärschlamm um?

Der Klärschlamm kommt aus dem Faulturm und läuft über eine Bandfilterpresse, damit weitere Flüssigkeit austritt. Nach diesem Prozess spricht man von getrocknetem Klärschlamm. Von diesem fallen jährlich etwa 430 Tonnen an. Er wird von Unternehmen abgeholt, die den Schlamm an landwirtschaftliche Betriebe verkaufen. Die Stadtwerke müssen für diese Entsorgung bezahlen - allein für 2017 sind 90.000 Euro eingeplant. Das Geld würde künftig zum größten Teil entfallen.

Für die Klärschlammvererdung sprechen außerdem der geringe Arbeitsaufwand, geringer Energieverbrauch und verschleißarme Technik.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.