Schilf schrumpft Schlamm

Rotenburger Stadtwerke investieren 2,1 Millionen Euro in größte Anlage Hessens

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Graben nur fürs Erinnerungsbild: Den symbolischen ersten Spatenstich vollzogen von links Bürgermeister Christian Grunwald, Stadtrat Klaus Troch, Thorsten Anacker (zuständig für Abwasserentsorgung bei den Stadtwerken), Stadtwerke-Leiter Stephan Heckeroth, Umweltberater Heinrich Wacker, kaufmännischer Stadtwerke-Leiter Hartmut Rössing, Volker Willing (Betriebskommission), Andreas Börner (Ortsbeirat), Projektleiter Karl-Toni Zöller (Eko-Plant), Kreisbeigeordneter Heinz Schlegel, Bauleiter Andreas Krug (Eko-Plant) und Geschäftsführer Stefan Rehfus (Eko-Plant).

Braach. Zeit der Superlative: Die größte Klärschlammvererdungsanlage Hessens entsteht seit Montag am Rande des Rotenburger Stadtteils Braach. Sie wird auf 25.000 Quadratmetern errichtet.

Für die Stadtwerke als Bauherrn wird dies mit 2,1 Millionen Euro das finanziell größte Projekt ihrer Geschichte.

Vier Schilfbeete sollen dafür sorgen, dass der Klärschlamm auf natürliche Art entwässert und in seiner Menge reduziert wird. Hintergrund ist, dass die Klärschlammverwertung gesetzlich neu geregelt wurde. Ab 2018 soll die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen erheblich reduziert und ab 2024 ganz verboten werden.

Die Anlage wird geplant und gebaut von der Firma Eko-Plant (Neu-Eichenberg). Deren Geschäftsführer Stefan Rehfuß erklärte, dass es bundesweit 80 solcher Anlagen gebe, die Technologie funktioniere bereits seit 25 Jahren. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben in Hessen bereits 16 solcher Anlagen geplant und gebaut, europaweit etwa 100.

Technologie ist in diesem Zusammenhang ein wenig irreführend, denn nach der Einrichtung der Anlage übernimmt die Biologie einen Großteil der Arbeit. „Ökologisch, nachhaltig und zukunftssicher“ nannte Rehfus das Projekt. Außerdem werden nach Angaben von Eko-Plant mehrere hundert Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Für die Stadtwerke und den Gebührenzahler wichtig: Die Betriebskosten sollen sehr niedrig sein. Und wichtig für alle Anlieger: Es soll keine Geruchsbelästigung entstehen.

Das Grundstück, das von der Kirche erworben wurde, bietet Platz für vier Schilfbecken hinter einem 1,60 Meter hohen Wall. Es werden dazu etwa 60 Zentimeter tiefe Mulden ausgebaggert. Für die Bauarbeiten wollte Eko-Plant eigentlich heimische Firmen einsetzen, doch seien deren Auftragsbücher voll gewesen, hieß es beim Spatenstich. Deshalb wurde eine auswärtige Firma engagiert.

Die Stadt muss auf der gegenüberliegenden Seite der Landstraße, im Anschluss an die Kläranlage, eine etwa ebenso große Fläche als Retentionsfläche zur Verfügung stellen, also zur Überflutung im Falle eines Hochwassers.

Auch in Bebra soll demnächst eine Klärschlammvererdungsanlage gebaut werden.

Hintergrund: Klärschlamm in Schilfbecken

Zur Klärschlammvererdungsanlage gehören vier Schilfbecken. Sie werden mit Folie ausgekleidet, damit keine Flüssigkeit ins Grundwasser sickern kann. Filterschichten und Drainage werden eingebaut. In diese vier Becken wird der Klärschlamm aus der benachbarten Kläranlage gepumpt. Das Wasser sickert aus dem Schlamm und wird über die Filterschichten zurück in die Kläranlage zum Nachklären gepumpt. Die Feststoffe bleiben und zersetzen sich durch Mikroorganismen. Die verbleibende Masse reduziert sich dadurch weiter um etwa die Hälfte. Zur Unterstützung des Prozesses wird Schilf angepflanzt, der die Sauerstoffzufuhr sichert und über die Blätter zusätzlich zur Verdunstung der Flüssigkeit beiträgt.

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