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Kleingärtnerverein Rotenburg wird 75 Jahre alt

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Von: Susanne Kanngieser

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Engagierter Vorstand: (von links) Vorsitzender Willi Rack mit Collie Milo, Wilfried Momberg (zweiter Kassierer), Bärbel Momberg (Vereinsheim, Vermietung und mehr), Schriftführerin Claudia Herden und ihr Stellvertreter Johannes Rack. Mit im Vorstand sind auch Michael Schuchmann (zweiter Vorsitzender), Mike Herden (erster Kassierer) sowie die Obmänner Alexander Schmoll und Sebastian Wagner.
Engagierter Vorstand: (von links) Vorsitzender Willi Rack mit Collie Milo, Wilfried Momberg (zweiter Kassierer), Bärbel Momberg (Vereinsheim, Vermietung und mehr), Schriftführerin Claudia Herden und ihr Stellvertreter Johannes Rack. Mit im Vorstand sind auch Michael Schuchmann (zweiter Vorsitzender), Mike Herden (erster Kassierer) sowie die Obmänner Alexander Schmoll und Sebastian Wagner. © Susanne Kanngieser

Arbeiten an der frischen Luft, das eigene Gemüse auf dem Teller: Kleingärten sind beliebter denn je. Das zeigt sich auch beim Kleingärtnerverein in Rotenburg.

Rotenburg – Gründe für die Beliebtheit von Kleingärten sind unter anderem die Pandemie und steigende Lebensmittelpreise. „Der coronabedingte Trend hält an“, sagt der Vorsitzende des Kleingärtnervereins in Rotenburg (KGV) Willi Rack. „Alles wird teurer. Die Menschen haben kein Geld, um in den Urlaub zu fliegen, und entscheiden sich stattdessen dazu, Urlaub im eigenen Garten zu machen.“

Und hier, in der idyllisch gelegenen Anlage zwischen Großsporthalle, Tennisplatz, Bogenschützen und Martin-Luther-Kirche, wird am Samstag, 3. September, gefeiert. Denn der Kleingärtnerverein wird 75 Jahre und lädt ein zu einem Tag der offenen Tür.

Aus ehemaliger Ackerfläche wurde zeitgemäßes Areal

Dank vieler engagierter Mitglieder ist aus der ehemaligen Ackerfläche, die den Rotenburgern in der Nachkriegszeit als „Gemüselieferant“ diente, ein modernes und zeitgemäßes Areal geworden – mit Spielplatz, Parkplätzen, einem Vereinsheim, sanitären Anlangen, Strom- und Wasseranschluss und LED-Straßenlaternen.

Wege wurden erneuert, Schilder montiert und die „Wilde Hecke“, eine „Fünf-Sterne-Wellness-Oase“ für Insekten, geschaffen. Das Besondere dabei: „Alle Maßnahmen sind in Eigenleistungen erbracht und nur durch Spenden, Mitgliedsbeiträge oder Erlöse aus Festen umgesetzt worden“, betont Willi Rack.

Nicht alle Kleingärtner-Klischees bewahrheiten sich

Jeder Garten verfügt über eine kleine Laube, in die sich die Kleingärtner zurückziehen können, wo Geräte und Stühle aufbewahrt werden. Viele Parzellen sind liebevoll gestaltet: Hier hängt ein Wetterhäuschen, dort ein Klangspiel.

So geht’s auch: Am Eingang von Willi Racks Parzelle deutet ein scherzhaftes Schild darauf hin, dass die Mittagspause relativ dehnbar sein kann.
So geht’s auch: Am Eingang von Willi Racks Parzelle deutet ein scherzhaftes Schild darauf hin, dass die Mittagspause relativ dehnbar sein kann. © Kanngieser, Susanne

Ein Kleingärtner-Klischee hingegen bewahrheitet sich nicht: Zipfelmützen tragende Zwerge spähen aus keinem der Beete hervor. Bepflanzte Ampeln hängen von Pergolen herab, eine Schaukel bewegt sich im Wind und Kinder sind gern in den Gärten unterwegs.

76 Parzellen mit einer Größe zwischen 340 und 360 Quadratmetern bewirtschaften die Pächter derzeit. Ihnen schenkt der Garten Erholung sowie frisches Obst und Gemüse. Es ist viel „Grabeland“ darunter, das mache die Rotenburger Anlage so attraktiv, sagt Bärbel Momberg, Obfrau und Mädchen für alles. Sie ist seit 40 Jahren im Verein und hält noch den Mitgliedsausweis ihres Vaters Franz Groß in Ehren. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern, die im Jahr 1947 Woldemar Schlodder zu ihrem ersten Vorsitzenden wählten.

Die Nutzer müssen einige Regeln beachten

Es gab in den vergangenen Jahrzehnten viele Feste, Kaffee-Nachmittage, Grillabende, Fahrten und eine gehörige Portion Miteinander im Kleingärtnerverein. Auch beteiligten sich die Mitglieder regelmäßig an Veranstaltungen der Stadt und Feierlichkeiten anderer Vereine.

Kleinode: Mit viel Liebe gestalten die Vereinsmitglieder ihre Parzellen. Hier hat Ehepaar Momberg einen kleinen Teich angelegt.
Kleinode: Mit viel Liebe gestalten die Vereinsmitglieder ihre Parzellen. Hier hat Ehepaar Momberg einen kleinen Teich angelegt. © Kanngieser, Susanne

Der Jahrespachtzins beträgt 15 Cent pro Quadratmeter, und ein gutes Maß an Ordnungsliebe sollten die Nutzer auch mitbringen, denn sie müssen einige Regeln beachten. Die Mitgliedschaft im Verein gehört unter anderem dazu und fünf Gemeinschaftsstunden pro Jahr für die Pflege der Anlage. Das Bundeskleingartengesetz schreibt unter anderem vor, dass mindestens ein Drittel der Gartenfläche zum Anbau von Obst oder Gemüse genutzt werden muss.

Mit dem Kleingarten „ein Stück Freiheit gepachtet“

Willi Rack, seit 1999 Vorsitzender des Vereins und begeisterter Kleingärtner, hat das nötige Fingerspitzengefühl, wenn es mal zu Konflikten kommt. Man müsse miteinander reden und Hintergründe kennen, bevor man drastische Maßnahmen ergreife, das ist sein Credo. Er managt den Verein mit viel Herzblut und einem starken, engagierten Vorstand.

Warum entscheiden sich junge Menschen für einen Kleingarten? „Weil ich mein eigenes Gemüse anbauen wollte“, sagt Schriftführerin Claudia Herden. „Außerdem haben wir uns hiermit ein Stück Freiheit gepachtet“, fügt die 36-Jährige lächelnd hinzu. (Susanne Kanngieser)

Kleingärtner laden ein zum Tag der offenen Tür

Einen Tag der offenen Tür feiert der Kleingärtnerverein Rotenburg am Samstag, 3. September, ab 11 Uhr. Vereine und Firmen werden sich präsentieren, unter anderem wird der Rotenburger Imkerverein, das Technische Hilfswerk, der AFC Modellbauclub und der Bogensportclub vertreten sein. Mit jeder Menge Spiel und Spaß sollen auch die Kinder auf ihre Kosten kommen. In einem internen Wettbewerb wird dann ermittelt, bei welchem Hobbygärtner die größte Sonnenblume wächst. Momentan liegen Bärbel und Wilfried Momberg mit ihrer 3,20 Meter großen Pflanze weit vorn. Nur Sturm oder Hagel könnte die rekordverdächtige Höhe und den Sieg noch durchkreuzen. 

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