Fragen und Antworten zum Radikalumbau

2023 sollen die Bagger rollen: Klinikum Bad Hersfeld hofft auf Fördergeld für 100-Millionen-Neubau

So könnte der Neubau aussehen: Diese Modellzeichnung zeigt den geplanten Neubau am Bad Hersfelder Klinikum, in dem auch das HKZ aus Rotenburg einziehen soll. Der Neubau ist für den Bereich geplant, auf dem sich heute der Mitarbeiterparkplatz und der Hubschrauberlandeplatz befinden. Der Helikopter soll künftig auf dem Dach des Neubaus landen.
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So könnte der Neubau aussehen: Diese Modellzeichnung zeigt den geplanten Neubau am Bad Hersfelder Klinikum, in dem auch das HKZ aus Rotenburg einziehen soll. Der Neubau ist für den Bereich geplant, auf dem sich heute der Mitarbeiterparkplatz und der Hubschrauberlandeplatz befinden. Der Helikopter soll künftig auf dem Dach des Neubaus landen.

Vor mehr als einem Jahr, im September 2020, hat die Gesellschafterversammlung den Weg frei gemacht für den größten Umbruch in der Geschichte des Klinikums Hersfeld-Rotenburg.

Bad Hersfeld/Rotenburg – Was ist seitdem geschehen im kommunalen Klinikverbund, der rund 3000 Menschen beschäftigt? Dazu Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist seit dem Beschluss der Gesellschafterversammlung im Klinikkonzern geschehen?

„Sehr viel“, sagt Geschäftsführer Rolf Weigel: „Wir arbeiten übers Jahr gesehen an etwa 80 Projekten.“ Die Gesellschafterversammlung, die sich aus den Mitgliedern des Kreisausschusses zusammensetzt, habe damals insgesamt gut ein halbes Dutzend Beschlüsse gefasst – mit weitreichenden Folgen. Die Entscheidung mit der größten Tragweite war die Verlagerung aller akutmedizinischer Abteilungen ans Bad Hersfelder Klinikum, darunter auch die aus dem Herz-Kreislauf-Zentrum (HKZ) in Rotenburg. Das Gremium legte unter anderem auch fest, dass sich das Klinikum von der stationären Augenheilkunde verabschieden muss. „An allen Beschlüssen haben wir in den letzten zwölf Monaten fleißig gearbeitet, auch wenn es daran Zweifel gibt, weil wir in der Öffentlichkeit nicht darüber geredet haben.“

Was wird sich noch ändern im Klinikum?

Rolf Weigel nennt exemplarisch die Digitalisierung: „Da gibt es einiges zu tun.“ Diskutiert werde auch die Frage, inwieweit die Radiologie umorganisiert werden muss, wenn das HKZ nach Bad Hersfeld verlagert wird. „Auch das Thema Küche müssen wir angehen“, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben im Moment drei Küchen im Unternehmen und prüfen, was es bedeuten würde, wenn wir nur noch in einer Küche kochen würden.“ Ziel sei es, Doppelstrukturen abzubauen. Zudem habe die Klinikumleitung mit allen Chefärzten an beiden Standorten Gespräche über die Zukunft der jeweiligen Klinikabteilungen geführt. „Allein das waren 80 Gesprächsrunden“, berichtet Weigel. Inzwischen habe er eine „ziemlich gute Idee, wie Medizin künftig im Konzern aussehen soll“. Jetzt gehe es darum, was das räumlich bedeutet.

Am Klinikum in Bad Hersfeld soll mithilfe von Fördergeld ein millionenschwerer Neubau entstehen. Wie sieht’s mit dem Förderantrag aus?

Fertig sei er noch nicht, sagt Weigel. „Ich gehe aber davon aus, dass wir ihn zum Jahreswechsel einreichen werden.“ Grund für das Abwarten sei, dass „wir nicht einfach irgendetwas Blumiges dort hineinschreiben wollen, sondern vorher alle wichtigen Fragen geklärt haben wollen“, sagt Weigel. Der Auftrag für die konkrete Planung sei am 24. August vergeben worden.

Das Klinikum hofft auf rund 100 Millionen Euro Fördergeld für den Neubau. Wer entscheidet eigentlich darüber?

Das Bundesamt für Soziale Sicherung in Bonn. Formal schickt das Klinikum den Antrag aber zuerst nach Wiesbaden. Erst wenn das Land Hessen und die Landesverbände der Krankenkassen – beide teilen sich die Finanzierung der Krankenhäuser – grünes Licht geben, geht das Papier weiter nach Bonn zum Bundesamt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte bei einem Besuch im Februar in Bad Hersfeld gesagt, er sei optimistisch, dass das Geld fließt: „Ich bin zuversichtlich, dass das zuständige Bundesamt für Soziale Sicherung mitspielt.“

Wie optimistisch ist die Geschäftsführung, dass das Geld fließt?

Ziemlich optimistisch. „Ich hoffe, glaube und erwarte, dass wir im Jahr 2022 hinter den Förderantrag und die Baugenehmigung einen Haken machen können und dass 2023 die Bagger rollen“, sagt Rolf Weigel. 2025 soll der Neubau fertig sein. Er sei guter Dinge, weil es in der Frühphase der Planungen Gespräche mit dem Land und den Krankenkassen gegeben habe. „Daraufhin haben wir das Signal bekommen: Ja, wir unterstützen diesen Weg.“

So sieht’s heute am Bad Hersfelder Klinikum aus: Wenn alle Anträge genehmigt werden, soll der Neubau auf der Fläche in der Bildmitte entstehen. Zur Orientierung: Im Vordergrund verläuft die Straße am Wendeberg.

Bleibt‘s denn bei den 100 Millionen Euro?

Diese Frage will Rolf Weigel nicht konkret beantworten. „Das wäre unseriös.“ Nur so viel: Die 100 Millionen Euro seien „grob geschätzt“. Am Ende könnten es auch 120 oder nur 80 werden. Und wenn kein Geld kommt oder das Konzept nicht umgesetzt werden kann? „Dann müssen wir uns über etwas anderes unterhalten und schauen, ob es Alternativen gibt“, hatte der neue Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende Torsten Warnecke (SPD) kürzlich unserer Zeitung gesagt.

Angenommen, der Neubau wird finanziert. Wie groß soll er werden?

Rolf Weigel spricht von einem „drei- bis vierstöckigen Gebäude“, das im Bereich des Mitarbeiterparkplatzes/Hubschrauberlandeplatzes entstehen und rund 80 Meter lang sowie 60 Meter breit werden soll. „Weil wir in den Hang bauen, wird die große Herausforderung darin bestehen, wie es gelingt, den Neubau mit dem Altbau zu verbinden“, sagt Weigel. Zum Vergleich: Das Erdgeschoss des Neubaus wird ungefähr auf dem Niveau des dritten Stocks des Altbaus liegen. „Wir drehen die komplette Infrastruktur“, sagt Weigel. Der neue Haupteingang wird dann am Neubau angesiedelt sein. Rettungswagen sollen künftig über den Seilerweg die zentrale Notaufnahme anfahren.

Was wird aus dem Altbau?

„Das Bettenhaus West ist für eine stationäre Krankenversorgung nicht mehr geeignet“, sagt Weigel. Es soll künftig als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) genutzt werden, dafür sei es noch „sehr gut nutzbar“. Die bisher drei MVZ-Standorte – am Klinikum selbst, am Markt und an der Frankfurter Straße in Bad Hersfeld – sollen zentral ans Klinikum angedockt werden. Das Bettenhaus Mitte sei ebenfalls für die stationäre Versorgung ungeeignet. „Wir wollen dort tagesklinische Angebote, Untersuchungsräume und die Verwaltung unterbringen.“

Und was soll aus den bestehenden HKZ-Gebäuden werden, wenn die Akutmedizin in den Neubau nach Bad Hersfeld zieht?

Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt. „Ein großes Thema wird aber natürlich sein, weiterhin mit dem Finanzministerium im Gespräch zu bleiben“, sagt Weigel mit Blick auf das Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz. Studenten im HKZ unterzubringen, sei „ein sehr tragfähiges Konzept“. Derzeit sind bereits mehr als 300 Studenten im HKZ untergebracht. „Wir wollen einen Weg mit dem Land finden, dort oben einen Studiencampus zu schaffen.“

Was wird aus der Rodenbergklinik?

Laut Weigel sei geplant, in der Rodenbergklinik die Rehabilitationsmedizin weiterzubetreiben. Derzeit werde geprüft, ob – neben den Arbeitsschwerpunkten Neurologie und Kardiologie – der seit Jahren ruhende Versorgungsauftrag für die Orthopädie reaktiviert werde. „Dann könnten wir in der Rodenbergklinik eine Rehabilitationseinrichtung mit 180 bis 200 Betten betreiben.“ Für die entsprechende Patientennachfrage würden die eigenen Kliniken sorgen. (Sebastian Schaffner)

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