Inzwischen kommen vor allem Frauen und Kinder

Kreis sieht keine Krise mehr: Nur wenige Flüchtlinge neu in Hersfeld-Rotenburg

Im August 2015 kamen die ersten Flüchtlinge mit dem Bus von Gießen in die Rotenburger Alheimer-Kaserne, aus organisatorischen Gründen noch über einen Hintereingang, dem Panzertor, vor dem der Bus steht.
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Die Anfänge: Im August 2015 kamen die ersten Flüchtlinge mit dem Bus von Gießen in die Rotenburger Alheimer-Kaserne, aus organisatorischen Gründen noch über einen Hintereingang.

Vor fünf Jahren begann die Flüchtlingskrise, auch mit erheblichen Auswirkungen in Hersfeld-Rotenburg. „Die Krise ist durch“, sagt René Bieber vom Fachbereich Arbeit und Migration.

Hersfeld-Rotenburg – Die Aufgaben des Fachbereichs im Landratsamt haben sich weiterentwickelt, von der Grundversorgung in Richtung Integration. Die Zugangszahlen in den Landkreis nennt dessen Leiter Bieber „verhalten“. Frank Hildebrand vom Fachdienst Migration konkretisiert: Durchschnittlich zwei Menschen werden dem Landkreis wöchentlich noch zur Unterbringung und Betreuung zugewiesen.

Das war in Spitzenzeiten anders: 2015 und 2016 kamen mehrere Dutzend Menschen wöchentlich im Landkreis an. Es handelte sich damals zu drei Vierteln um Männer und nur zu einem Viertel um Frauen. Inzwischen kommen vor allem Frauen und Kinder über den Familiennachzug an. Die Kinder sind meist schulpflichtig und jünger als 15 Jahre, berichtet Hildebrand. Nach seinen Angaben werden aktuell 1775 Geflüchtete und Asylbewerber im Landkreis betreut. Darunter sind 745 Kinder.

Viele Geflüchtete finden durch den robusten Arbeitsmarkt im Kreis eine Stelle

Wesentliche Aufgabe der für Arbeit und Migration zuständigen Mitarbeiter ist inzwischen die Integration der geflüchteten Menschen. René Bieber spricht von einem erheblichen Anteil derer, die in Arbeit vermittelt werden konnten. Das habe nicht zuletzt mit einem sehr robusten Arbeitsmarkt im Landkreis zu tun. Die großen Arbeitgeber wie Logistiker, Versandhandel und K+S sowie auch das Handwerk konnten bislang sogar in der Corona-Krise auf Kurzarbeit verzichten.

Zur Integration gehört vor allem der Spracherwerb. Der Landkreis verfügt inzwischen über ein stabiles Netzwerk von zertifizierten Kursanbietern. Zusammen mit dem Bundesamt für Flüchtlinge (Bamf) hat der Landkreis die AG Sprache gegründet, der Qualitätsstandards zugrunde liegen. Zeitweise waren den eigentlichen Sprachkursen weitere Kurse vorgeschaltet, die diejenigen Flüchtlinge an die Schriftsprache heranführen sollten, die nicht schreiben können. Analphabetismus ist nicht selten.

Sprachkurse: Die Durchfallquote ist hoch

Das System habe sich so gut eingespielt, dass sich die Träger nicht als Konkurrenten verstünden, sondern zusammenarbeiteten, um die Sprachkurse nach Bedarf laufen zu lassen, sagt Stefanie Führer vom Fachdienst Migration und SGB II (Sozialhilfe). Geschenkt werde den Geflüchteten dabei nichts, die Durchfallquote sei hoch, sagt Führer – die Bereitschaft zum Spracherwerb aber auch. (Silke Schäfer-Marg)

Hintergrund: Digitales Angebot für Neubürger

Das neue digitale Angebot „Integreat – Great integration“ für alle neuen Einwohner des Landkreises und besonders für Geflüchtete und Asylbewerber informiert über sämtliche Angebote und Hilfen im Landkreis, von Kinderbetreuung über Freizeitgestaltung und Vereinsleben bis hin zum Bildungsbereich und Gesundheit - im Internet und auch als App.

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