Vom Wasserkraftwerk ins weltweite Netz

Künstler Klaus Adamaschek unterhielt mit aufwendigem Livekonzert über das Internet

Klaus Adamaschek alias Shiregreen bei seinem Konzertabend via Livestream
+
Klaus Adamaschek alias Shiregreen bei seinem Konzertabend via Livestream

Streaming. Noch so ein Wort, das seit Mitte März fast schon zum normalen Sprachgebrauch gehört. Auch Singer- und Songwriter Klaus Adamaschek alias Shiregreen hat den Livestream für sich entdeckt.

Rotenburg – Das Abspielen von Inhalten auf dem Computer über das Internet ist seit Ausbruch des Coronavirus für Künstler und Fans gleichermaßen überlebenswichtig. Am Samstagabend präsentiert Klaus Adamaschek in einem 80-Minuten-Programm „Ja, was sind denn das für Zeiten?“ alte und neue Songs und performt sie nicht etwa vor einer Webcam im Wohnzimmer oder mit dem Smartphone im Schlafzimmer, sondern im kultigen Wasserkraftwerk Rotenburg.

Es ist eine Premiere für alle Beteiligten. Veranstaltungstechniker Axel Deubener ist am Samstagmorgen um 10 Uhr als Erster vor Ort. Er ist Profi und auch ein bisschen Perfektionist. Wenn schon, denn schon.

Am Nachmittag, bei der Generalprobe, geht dann auch erst mal alles schief. Das ist nicht ungewöhnlich für Kulturschaffende, lacht Klaus Adamaschek. Er ist die Ruhe in Person. Nimmt es mit Humor. Und am Abend, kurz vor 19 Uhr, hat Deubener die Kameras am Schnittpult gebündelt, Verstärker, Mikrofon und die Anlage mit einem für den Interpreten gut klingenden Lautstärkepegel ausgerichtet, sodass die Übertragung mit dem Tablet läuft.

Angelika Adamaschek chattet mit dem Publikum

Wer im Wasserkraftwerk nicht Musiker ist, trägt Masken. Angelika Adamaschek sitzt vor einem Tablet. Sie chattet mit dem Publikum. Kurz nach 19 Uhr geht’s los. „Ein bisschen fühle ich mich wie Hans-Joachim Kulenkampff, wenn ich euch begrüße: Einen schönen Abend zu Ihnen nach Hause an den Geräten“, sagt Adamaschek.

Er fremdelt anfangs ein wenig, der versierte Sänger, der so sehr die wirklichen Begegnungen, Überraschungen und die Unmittelbarkeit der normalen Konzerte schätzt. Für ihn ist ein Konzert im besten Fall ein Gruppenerlebnis. Aber Adamaschek ist Profi. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.

Der Livestream ist eine Möglichkeit, online ein Netzwerk aufzubauen.

Der Livestream ist eine Möglichkeit, online ein Netzwerk aufzubauen. Präsenz ist für Künstler sehr wichtig in Corona-Zeiten. Ehefrau Angelika signalisiert nach dem ersten Lied: „120 Menschen schauen zu“. Da wird der Interpret locker. Und liefert das, was seine Fans – im Laufe des Abends werden es über 150 sein – an ihm lieben: Balladen und Highway-Songs mit den Gedanken eines Dichters und der nötigen Empfindsamkeit, um die Hymnen, Geschichten und Träume der Menschen, denen er begegnete oder die er erfand, in Worte zu fassen.

Der Sound ist gut, bestätigen viele Zuschauer. Es ist ein Lob an Axel Deubener, der das möglich macht. Trotz der positiven Reaktionen meint Deubener, dass Livestream nicht das Live-Erlebnis ersetzen darf und kann. „Kunstschaffende verdienen es, bezahlt zu werden“, sagt er.

Anders als gewohnt: Die Vorbereitungen zum Livestream-Konzert sind enorm und erfordern hohes technisches Know-how. Für Veranstaltungstechniker Axel Deubener (rechts) war der virtuelle Konzertabend mit Klaus Adamaschek auch Premiere.

Es sei den Künstlern anzuerkennen, dass sie versuchen, ihren Fans in Zeiten von Isolation, Quarantäne, Einsamkeit und Lungenkrankheit eine Freude zu machen. Dennoch zeige das große Angebot an Livestreams auch die prekäre Lage, in der sich die oft freischaffenden Musiker befinden. Dabei gehe es nicht nur um geplatzte Gagen, sondern auch darum, dass von Musikern erwartet wird, selbst in Krisenzeiten Unterhaltung zu liefern.

Tatsächlichen Applaus gibt es am Ende für Klaus Adamaschek im Wasserkraftwerk und natürlich gibt es ihn auch virtuell. „Mindestens 20 Zuschauer wollen eine Zugabe“, sagt Angelika Adamaschek. Der Sänger, dem die Finger vor Kälte inzwischen etwas klamm geworden sind, lässt sich nicht lang bitten. (Susanne Kanngieser)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.