Schatzkästchen im Fachwerkrahmen

Erst Lacoste, jetzt Schwarzenhasel: Kunsthandwerker-Paar hat sich in Rotenburg niedergelassen

Ein Schatzkästlein: Steffen Hahn und Waltraud Volk haben sich eine kleine Galerie in ihrem neuen Domizil in Schwarzenhasel eingerichtet.
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Ein Schatzkästlein: Steffen Hahn und Waltraud Volk haben sich eine kleine Galerie in ihrem neuen Domizil in Schwarzenhasel eingerichtet.

Er ist gebürtiger Münchner, hat 20 Jahre im Périgord in Frankreich gelebt und gearbeitet und wohnt mit seiner Lebensgefährtin seit Mai in Schwarzenhasel: Der Grafiker Steffen Hahn und Waltraud Volk haben ein Fachwerkhaus an der Lispenhäuser Straße gekauft und darin auch eine Galerie eingerichtet.

Schwarzenhasel - Das Paar ist ein gutes Beispiel dafür, dass Lebenswege oft nicht gerade verlaufen, sondern allerlei Wendungen in sich tragen. Der 77-jährige Steffen Hahn stammt aus München und ist gelernter Schriftsetzer. Er studierte Grafik-Design in Stuttgart und arbeitete anschließend als freier Grafiker, zwischenzeitlich auch mit eigener Agentur, erzählt er am großen Esstisch im über 300 Jahre alten Fachwerkhaus.

Kunst aus Gebrauchsgegenständen: Steffen Hahn nutzt vor allem Alltagshelfer aus dem frühen 20. Jahrhundert, um daraus Assemblages, also plastische Collagen, zu gestalten. So kann zum Beispiel eine Küchenschublade den Rahmen bilden für Figuren aus Fläschen oder französischen Korkenziehern.

Große Namen, mit denen und für die er gearbeitet hatte, zählt er beiläufig, aber nicht ohne Stolz auf: Verlage wie Klett-Cotta, Thienemann und Belser oder Kinderbuchautoren Otfried Preußler und Michael Ende. Bei der Gestaltung des Lacoste-Krokodils sei er ebenfalls beteiligt gewesen.

Aus familiären Gründen zog Steffen Hahn nach 20 Jahren vom Périgord in den Hunsrück, das ländliche Leben hat er schon immer bevorzugt. Dort lernte er die verwitwete und leidenschaftliche Flamenco-Tänzerin Waltraud Volk kennen, die aus der Nähe von Koblenz stammt. Gemeinsam suchte das Paar einen neuen Lebensort.

Ein Dorf in der Pfalz, ein Städtchen im Harz – Häuser wurden gekauft, zurechtgemacht, bewohnt und wieder verkauft, um einen Neubeginn zu wagen. Konstante im Wanderleben blieb die gemeinsame Liebe zum Kunsthandwerk.

Jetzt also Schwarzenhasel. Im Internet hatten sie das Haus im Rotenburger Stadtteil entdeckt und bereits beim ersten persönlichen In-Augenschein-Nehmen für sich gewählt. Waltraud Volk wollte vom Harz ein wenig näher an die Familie an den Rhein rücken und sie wollte Wasser an ihrem Wohnort, einen Fluss. Das ist die Hasel zwar nicht, aber immerhin ein Wasserlauf in wunderschöner Landschaft. Und mit der Bahn sei sie auch schnell in Wiesbaden bei ihrer Schwester findet Volk, die bevorzugt Figuren aus Draht, Stoff und Zement formt. Ihre rotgewandete Flamenco-Tänzerin ist denn auch ein Hingucker in der Ausstellung.

Die Flamenco-Tänzerin: Waltraud Volk fertigte diese Figur zum Abschied von ihrer Tanzgruppe.

Das Paar fertigt gemeinsam Dekoratives wie Dekostäbe für Gärten, meist aber arbeitet jeder für sich allein. Der Ausstellungsraum beherbergt eine Fülle von Schatzkästchen, so kann man durchaus die Assemblages nennen. Steffen Hahn gestaltet zum Beispiel Schubladen mit Figuren, die er aus Küchenhelfern, landwirtschaftlichen Geräten und historischen Keramikköpfen gefertigt hat. Alltagsgegenstände aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind für ihn eine Quelle der Inspiration: Man findet Figuren aus Schreinerhobeln, aus Schlachtzubehör und aus Vasen und Porzellangeschirr. Längst Ausrangiertes fügt sich aufs Harmonischste zu neuem Dekorativen. Der Betrachter staunt über kleinste Details und die Fantasie von Steffen Hahn. An den Wänden finden sich Bilder in unterschiedlichsten Techniken, alte Handschriften auf Leinwand geplottet, Fotografien auf Gemälden, der Grafiker hat viel experimentiert.

Schon fühlt sich das Kunsthandwerker-Paar heimisch in Schwarzenhasel, erzählt von einer „unglaublich freundlichen Aufnahme“ in der Nachbarschaft. Die Kunstwerkstatt ist geöffnet, wenn das Hinweisschild vor dem grauen Fachwerkhaus an der Ortsdurchfahrt steht. Wer sicher gehen will, dass Waltraud Volk und Steffen Hahn anzutreffen sind, sollte sich anmelden.

Kontakt: E-Mail: hahn.steffen@gmx.net, Tel. 06623/4489814

Von Silke Schäfer-Marg

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