Zwei Zentner weggeschleppt

Kurz vor der Ernte: Dreiste Apfeldiebe plündern 20 Bäume in Rotenburg

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Alles weg: Heinrich Marth ist Opfer eines Apfeldiebstahls geworden. Unbekannte haben seine rund 20 Bäume, die sich direkt neben einem Pumphaus der Stadtwerke (hinten) am Rotenburger Campingplatz befinden, abgeerntet.

Rotenburg. Tatort Streuobstwiese: Als Heinrich Marth aus Rotenburg morgens nach seinen Äpfeln schaut, traut er seinen Augen nicht: Alle 20 Bäume sind so gut wie kahl.

„Das darf doch wohl nicht wahr sein“, sagt der 78-Jährige sichtlich angefasst. Eigentlich wollte er die knackigen Früchte, die er auf einer extra gepachteten Obstwiese in der Nähe des Rotenburger Campingplatzes seit Jahren anbaut, in den nächsten Tagen ernten, um sie weiterzuverarbeiten.

Doch daraus wird jetzt nichts mehr. Die Ernte ist weg. Was bleibt, sind Reifenspuren im Gras, die direkt neben den Bäumen enden. „Die Spuren gehören bestimmt zu den Tätern“, sagt Heinrich Marth, der davon ausgeht, dass es sich gleich um mehrere Übeltäter handeln muss, die womöglich mit Obstpflückstangen zu Werke gegangen sind: „So viel Äpfel kann ein Mensch allein unmöglich ernten, und schon gar nicht allein wegtragen.“

Der finanzielle Schaden hält sich indes wohl in Grenzen. „Ich schätze, dass rund zwei Zentner Äpfel gestohlen wurden“, sagt Marth. Es gehe also um einen materiellen Wert in Höhe von vielleicht 200 bis 300 Euro.

Diebe nicht ungeschoren davonkommen lassen

Darum gehe es ihm auch gar nicht: Er ärgere sich, dass er jetzt keine Äpfel hat. „Wir essen nämlich sehr gerne Apfelmus“, sagt der pensionierte Postbeamte. Rund 70 Gläser koche er jedes Jahr mit seiner Frau ein. „Das ist schon Tradition bei uns, wir zelebrieren das.“

An die Öffentlichkeit wendet er sich, weil er ein Zeichen setzen möchte. Es könne doch nicht sein, dass Menschen einfach so fremde Bäume abernten – ohne nachzufragen.

Direkt neben seinen Apfelbäumen, auf einem kleinen Hügel, steht ein Pumphaus der Stadtwerke. „Das gehört natürlich der Stadt. Deshalb hätte man schon drauf kommen können, dass die Bäume dann wahrscheinlich auch auf städtischem Grund stehen“, sagt Heinrich Marth. Der Stadt gehört das Grundstück, das sich inmitten eines Trinkwasserschutzgebiets befindet, auch tatsächlich. Sie hat es einem Landwirt verpachtet, der mit der rund 1500 Quadratmeter großen Streuobstwiese aber nichts anfangen konnte und es deshalb an Heinrich Marth unterverpachtet hat.

Bleibt nur hoffen auf Ernte im nächsten Jahr

Auf der Obstwiese nebenan, hinter dem Pumphaus, hat ein anderer Hobbygärtner auch Apfelbäume gepachtet. Die Baumkronen des Nachbarn hängen allerdings noch voller Früchte. „Hoffentlich wird er nicht auch noch überfallen“, sagt der 78-Jährige, der den Diebstahl inzwischen bei der Polizei angezeigt hat.

Nachdem die diesjährige Ernte verloren ist, hofft er jetzt auf die nächste. „Immerhin haben die Diebe ja die Bäume stehengelassen“, sagt er. Künftig will er ein Äpfel-pflücken-verboten-Schild aufstellen und noch öfter nach seinen Früchten schauen.

Nach Angaben von Kriminalhauptkommissar Manfred Knoch, Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen, sind Obstdiebstähle in unserer Region derzeit die Ausnahme. Knoch empfiehlt aber: „Wenn Spaziergänger oder Fahrradfahrer Obstbäume entdecken, sollten sie auf jeden Fall vorher bei der Gemeinde oder dem Ortsvorsteher fragen, ob die Früchte gepflückt werden dürfen – oder ob das Grundstück, auf dem sie stehen, verpachtet ist“.

Im Fall des Heinrich Marth ruft die Polizei Zeugen auf, die verdächtige Personen im Bereich des Pumphauses in der Nähe des Campingplatzes Rotenburg gesehen haben, sich bei den Beamten zu melden. Tatzeitraum: zwischen Sonntag, 9. September, und Montag, 17. September. Hinweise an die Polizeistation Rotenburg, Tel. 0 66 23/93 70.

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