Interview

Landfrauen in Corona-Zeiten: „Viele haben Sprung in digitale Welt gewagt“

Unser Foto zeigt – von links – den Vorstand der Bezirkslandfrauen Rotenburg mit Marlene Salzmann (Schriftführerin), Jutta Diegel (Kassiererin), Barbara Freitag und Annabell Gerlach (beide Beisitzerinnen) sowie die Vorsitzende Gudrun Raschke und Geschäftsführerin Katja Fiedler.
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Neuer Vorstand per Briefwahl: Der Bezirkslandfrauenverein Rotenburg hat Corona-bedingt erstmals in seiner Geschichte einen neuen Vorstand per Briefwahl gewählt. Unser Foto zeigt – von links – Marlene Salzmann (Schriftführerin), Jutta Diegel (Kassiererin), Barbara Freitag und Annabell Gerlach (beide Beisitzerinnen) sowie die Vorsitzende Gudrun Raschke und Geschäftsführerin Katja Fiedler.

Ihre Vereine leben von der Gemeinschaft. Treffen, Feste, Informationsabende – all das zeichnet die Arbeit der Landfrauenvereine aus. Doch zu Corona-Zeiten ist alles anders.

Hersfeld-Rotenburg – Wir haben mit der Vorsitzenden des Bezirkslandfrauenvereins Rotenburg, Gudrun Raschke, über ein völlig auf den Kopf gestelltes Vereinsleben gesprochen – und wie frau das Beste daraus macht.

Frau Raschke, wenn Sie an die Landfrauen denken, was vermissen Sie zurzeit am meisten?
Mir persönlich fehlt der Händedruck, das in die Augen sehen und persönliche Worte sprechen zu können. Die Gemeinschaft, zum Beispiel bei unseren Vereinsabenden. Das vermisse ich – so wie sicherlich viele – am meisten.
Wie schaffen sie es, Ihre über 1150 Mitglieder in den 20 Ortsvereinen trotz Kontaktverboten und Corona-Auflagen nicht aus den Augen zu verlieren?
Unser Hauptkontakt läuft dabei über die Ortsvorsitzenden – wir als Bezirksverein stehen in engem Austausch mit den Vorsitzenden unserer Ortsvereine. Außerdem haben wir eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen, an der sich alle Mitglieder beteiligen können, um Informationen auszutauschen und weiterzugeben. Unseren Weihnachtsbrief, den es in jedem Jahr gibt und der normalerweise während der Weihnachtsfeiern vorgelesen wird, haben wir in diesem besonderen Jahr drucken und an die Mitglieder verteilen lassen. Alle Ortsvereine haben dazu Weihnachtspäckchen mit kleinen Geschenken gepackt und gemeinsam mit unserem Weihnachtsbrief an die Mitglieder überbracht. Um im Advent regelmäßig aneinander zu denken, waren alle Landfrauen auch aufgerufen, an den Adventssonntagen gleichzeitig ein Licht zu entzünden um sich so gemeinsam an die anderen Landfrauen und die gemeinsamen Aktivitäten zu erinnern.
Immer noch denken viele, die Landfrauen würden meist nur Kuchen backen und Kaffee kochen – hat Ihnen bei den Corona-Herausforderungen geholfen, dass diese Ansichten nun wirklich altbacken und überholt sind?
Wir haben Corona nicht dafür gebraucht, um herauszufinden, dass es noch mehr als Kaffee kochen und Kuchen backen in der Landfrauenarbeit gibt. Wir sind schon lange auch digital unterwegs und bieten Schulungen zu Tablet, Smartphone und Co. an. Bildungsarbeit in diesem Bereich gibt es bei den Landfrauen da schon seit Jahrzehnten. Deshalb ist es richtig, dass wir bei den Corona-Herausforderungen davon profitiert haben. Zum Video-Konferenzprogramm Zoom sollen zum Beispiel im Januar noch Schulungen angeboten werden, damit wir am 28. Januar mit möglichst vielen Teilnehmerinnen unseren virtuellen Neujahrsempfang feiern können.
Virtuelle Treffen per Videotelefonie – Sie haben also auch Positives durch die Corona-Einschränkungen entdeckt?
Wenn ich mich noch an die Skepsis zum Pandemiebeginn im März erinnere, was Video-Konferenzen und digitale Treffen anging und was sich in diesem Bereich alles getan hat, dann ist das schon beeindruckend. Anfang November haben sich 320 Landfrauen in der Vertreterinnenversammlung des Hessischen Landfrauenverbandes zu einer Zoom-Konferenz getroffen. Und das in toller Atmosphäre, bei der alles gut geklappt hat. Wer hätte das im Frühjahr gedacht?
Was noch ist trotz Corona unerwartet gut gelaufen?
Mich hat beeindruckt, dass gerade auch viele unserer älteren Mitglieder den Sprung in die digitale Welt gewagt haben und zum Beispiel regelmäßig am Angebot des digitalen Adventskalenders via Zoom-Konferenz teilgenommen haben. Bei diesen Treffen gab es täglich zwischen 60 und 100 Teilnehmerinnen.
In diesem Jahr standen Vorstandswahlen an. Wie sind Sie diese Herausforderung angegangen?
Aufgrund der Corona-Pandemie und den empfohlenen Kontaktbeschränkungen fand die Wahl als Briefwahl statt. Da es die erste Briefwahl in unserem Bezirk und überhaupt auch die erste Briefwahl zu einem Bezirksvorstand in Hessen war, gab es viel Unterstützung durch den Landfrauenverband Hessen, der uns bei den rechtlichen Fragen beraten hat. Die Delegierten der einzelnen Ortsvereine haben von uns die Wahlunterlagen per Post bekommen und diese dann ausgefüllt an die Wahlleitung zurückgesandt – sodass im Juni trotz Corona unser neuer Vorstand gewählt war.
Wenn Corona uns hoffentlich bald nicht mehr so fest im Griff hat – was sind in ihrem Verein die ersten Lockerungen, womit legen Sie als Erstes wieder los?
Wir hoffen, dass erst mal das Leben in den Ortsvereinen also in den kleineren Einheiten wieder losgehen wird. Zur Sicherheit wird dies vermutlich noch als Outdoor-Aktivitäten wie gemeinsame Wanderungen organisiert werden. Zurzeit kann man aber leider nicht zuverlässig sagen, was wann möglich sein wird.
Vereinsarbeit lebt von Wertschätzung. Öffentliche Ehrungen mussten meist hintenanstehen. Wie versucht man das als Vorsitzende zu lösen?
Große Ehrungen hatten wir in diesem Jahr verständlicherweise nicht. Auch die meisten Ehrungen in den Ortsvereinen, die dort an die Jahreshauptversammlung gekoppelt sind, konnten noch nicht stattfinden. All das wird aber selbstverständlich nachgeholt, sobald Corona es zulässt.
Wenn das öffentliche Leben wieder losgeht – worauf freuen sich die Landfrauen am meisten?
Sich endlich wieder in echt und nicht am Computer zu sehen, sich wieder in die Arme nehmen zu können und gemeinsam die regelmäßigen Vereinstreffen wieder stattfinden zu lassen – das ist unser größter Wunsch. Und dass wir bis dahin alle gesund durch diese Krise gekommen sind. (Peter Gottbehüt)

Zur Person

Gudrun Raschke ist 56 Jahre alt, seit 34 Jahren verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Zusammen mit ihrem Ehemann und dem jüngsten Sohn bewirtschaftet sie einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nentershäuser Ortsteil Dens, wo sie auch geboren ist. Die ausgebildete Landwirtin, die außerdem eine Ausbildung als Hauswirtschaftsmeisterin abgeschlossen hat, ist seit der Gründung des Dienstleistungs-Netzwerkes „mobiLa“ im Jahr 2012 dessen Geschäftsführerin. Landfrau im Ortsverein Mönchhosbach-Dens ist Gudrun Raschke seit 1985. 2004 wurde sie als Beisitzerin in den Bezirksvorstand gewählt – von 2008 bis 2020 war sie als Geschäftsführerin im Bezirksverein Rotenburg tätig, zu dessen Vorsitzender sie im Juni 2020 gewählt worden ist.

So erreichen Sie die Landfrauen

E-Mail: info@bezirkslandfrauen-rotenburg.de

www.bezirkslandfrauen-rotenburg.de

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