Landratswahl am 14. März

SPD-Herausforderer Torsten Warnecke atmet auf dem Eisenberg durch

Landratskandidat Torsten Warnecke  auf dem  Eisenberg – hier unweit des Skilifts.
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Gut vorbereitet: Wann immer es sein Terminkalender zulässt, zieht es Torsten Warnecke in die Natur. Weil sich der leidenschaftliche Radfahrer im Winter nicht mehr in den Sattel schwingt („zu gefährlich“), genießt er das „ab und an mal Rauskommen“ dann zu Fuß. Die Wasserflasche in der Jackentasche ist dabei ein treuer Begleiter. Zu seinen Lieblingsecken im Kreis gehört der Eisenberg – hier unweit des Skilifts.

Torsten Warnecke (SPD) will Landrat im Kreis Hersfeld-Rotenburg werden. Wir stellen den Kandidaten im Porträt vor.

Hersfeld-Rotenburg – Torsten Warnecke sitzt auf einer Holzbank auf dem Eisenberg und erzählt von seiner Landratskandidatur. Davon, dass er Menschen mitnehmen, für eine offenere Gesprächskultur sorgen will. Es ist eine kurze Pause auf der rund sechs Kilometer langen Strecke, die auf dem Parkplatz am Skilift begonnen hat.

Ein Auto rumpelt durchs Gelände heran. Es ist der Besitzer der nahen Wiese samt Begleitung. Man kennt sich, man plaudert. (Warnecke: „Waren Sie beim Frisör? Oder hat das die Frau geschnitten?“). Dann wird angepackt: Die Füße der Bank müssen repariert werden. Der Politiker lässt es sich nicht nehmen und hilft, die schwere Sitzfläche zur Seite zu wuchten. Die Szene passt so perfekt, dass man misstrauisch werden muss: Ist das Treffen inszeniert? „Nein, nein“, wiegeln alle lachend ab. Warnecke sei Naturliebhaber und regelmäßig vor Ort.

„Ich schaue, dass ich ab und an mal rauskomme und eineinhalb Stunden laufe“, sagt der 58-Jährige selbst. Auf dem höchsten Berg des Knüll kennt der SPD-Herausforderer, der am Sonntag neuer Landrat in Hersfeld-Rotenburg werden will, fast jede Fichte – oder zumindest das, was vom Bestand übrig ist. Warnecke ist eigentlich leidenschaftlicher Radfahrer, eine seiner Lieblingsstrecken die 75-Kilometer-Fahrt nach Schlitz zum Pfordter See und zurück nach Bad Hersfeld. Doch im Winter und bei Nässe geht er lieber zu Fuß.

Spaziergang mit Stift: Torsten Warnecke verzichtet bisher auf ein Mobiltelefon. Er zieht das persönliche Gespräch vor: „Das hat auch etwas mit Verbindlichkeit und Respekt zu tun“. Der Termin mit Redakteur Clemens Herwig (rechts) bleibt daher von Handyklingeln verschont. Ein Dienstgerät will Warnecke nicht ablehnen.

Joggen ist dagegen nichts für ihn: „Das schlägt mir zu sehr auf die Gelenke.“ Es ist nicht das Einzige, worin er sich zum Amtsinhaber unterscheidet. Auf dem Weg durch Neuenstein stehen viele Wahlplakate von Dr. Michael Koch, aber nicht eines des SPD-Kandidaten. Es hat ohnehin lange gedauert, bis der im Wahlkampf sichtbar wurde. Will er den Job des Landrats überhaupt? „Selbstverständlich. Wir haben nicht wie die CDU ab dem ersten Tag plakatiert, sondern dann, als es uns sinnvoll erschien“, sagt der 58-Jährige. „Ich weiß nicht, ob ein Plakat mehr oder weniger den Ausschlag gibt.“ Es ist die Einschätzung eines erfahrenen Wahlkämpfers. 2008 wird Warnecke Landtagsabgeordneter in Wiesbaden. Es ist die Ypsilanti-Wahl. Als die SPD-Spitzenkandidatin nach viel parteiinternem Hin und Her mit ihrer Minderheitsregierung scheitert, muss ein Jahr später erneut abgestimmt werden. Die SPD blutet Wähler, Warnecke bleibt.

Die Rückmeldung an der Holzbank im Jahr 2021 ist dennoch: zu wenig Plakate. „Und Du bist zu defensiv“, sagt der Wiesenbesitzer. Das will Warnecke nicht so stehen lassen: „Wahlkampf muss nicht krawallig sein.“ Wird er Landrat, will er sich weiter für den ländlichen Raum einsetzen – nur direkter, unkomplizierter. „Es ist ein neues Spielfeld, aber das Spiel ist das gleiche“, sagt er. Warnecke will dabei die Karten offen auf den Tisch legen. Er will „echt“ sein, wie es auf seinen Wahlplakaten heißt. Dort steht auch „entschlossen“ und „engagiert“. Es ist ein klangvolles Dreigespann.

„Das kam nicht von mir, sag ich Ihnen offen.“ Es sind aber Zuschreibungen, in denen sich der Kandidat wiederfindet. Muss er sich für eine positive Eigenschaft entscheiden, fällt die Wahl auf Entschlossenheit: „Man muss einfach mal machen.“ Und ein schlechter Charakterzug? Es wird kurz still. Dann: „Der Warnecke redet ja gerne“, sagt er mit einem Lächeln über sich selbst. Aber „wortreich“ fängt nun einmal nicht mit dem Buchstaben „E“ an. (Clemens Herwig)

Lesen Sie auch auch: Dr. Michael Koch (CDU) und Torsten Warnecke (SPD) im Kandidaten-Duell unserer Zeitung.

Zur Person

Torsten Warnecke (58) ist in Rendsburg in Schleswig-Holstein geboren. Er studierte Politikwissenschaften in Marburg, arbeitete in einer Zimmerei, im Verlagswesen und der Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2008 ist er Abgeordneter im Landtag. Er lebt in Bad Hersfeld und ist ledig.

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