Lange Tage für die Helfer: THW-Team aus Rotenburg ist seit vier Wochen im Flutgebiet

Rohre für sauberes Wasser: Mit weiteren Helfern verlegt Carsten Momberg (Mitte) vom Rotenburger THW eine PE-Rohrleitung zur Einspeisung von Trinkwasser ins Krankenhaus.
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Rohre für sauberes Wasser: Mit weiteren Helfern verlegt Carsten Momberg (Mitte) vom Rotenburger THW eine PE-Rohrleitung zur Einspeisung von Trinkwasser ins Krankenhaus.

Die Tage der Helfer in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind lang, sehr lang, sagt Benjamin Günther. Er ist Zugführer im THW-Team aus Rotenburg, das vor vier Wochen zur Hilfe gerufen wurde.

Rotenburg - Etwa 25 ehrenamtliche Helfer des THW-Ortsverbands arbeiten seither im Rotationssystem im Katastrophengebiet an der Ahr, gerufen wurden sie in das Überflutungsgebiet zur Trinkwasseraufbereitung. Nach etwa einer Woche dürfen die Helfer nach Hause, sich ein wenig erholen. „Das, was man dort sieht, das Ausmaß der Zerstörung, muss man auch mal sacken lassen“, sagt Benjamin Günther. „Das ist schon sehr emotional.“ Frische Kräfte arbeiten derweil an der Ahr weiter. „Die sind alle noch immer hoch motiviert und wollen helfen“, ist sich Günther sicher. Er macht gerade selbst eine Pause in seiner Heimatstadt.

Das Team aus Rotenburg hat die Trinkwasseraufbereitungsanlage beim Krankenhaus Maria Hilf aufgebaut und ist auch für dessen Versorgung zuständig. Die Klinik war schon evakuiert, als die Helfer aus Rotenburg eintrafen. Sie mussten die mitgebrachte Anlage aufbauen, Leitungen verlegen und desinfizieren und schließlich nach einer Beprobung noch grünes Licht des Gesundheitsamtes abwarten, dass das aufbereitete Wasser nun Trinkwasserqualität hat.

Inzwischen gibt es einen Kapazitätsüberschuss, sodass auch die Bevölkerung mit Trinkwasser des Rotenburger Teams sowie deren Unterstützer aus Tübingen und Starnberg versorgt werden kann. Helfer des DRK Fritzlar verteilen das Trinkwasser, das in 7000-Liter-Fässern transportiert wird. Die Rotenburger gehen auch auf Erkundungstour für die Versorger und bauen lokale Druckerhöhungsstufen auf, damit ganze Ortschaften wieder ans Trinkwassernetz angeschlossen werden können.

Es wird geräumt, geschafft, gehämmert: „Aufgeben tut da keiner“

Die Helfer sind inzwischen auf einer Etage der Klinik untergebracht, wo sie laut Benjamin Günther bestens versorgt werden. Wenn sie denn mal dort sind. Denn, wie gesagt: Die Tage sind sehr lang, dauern von 7 Uhr morgens bis in die Nacht.

Gleich geht es los: Yannick Wiesemann (rechts) und Nico Wiegand bei der Inbetriebnahme und Kontrolle der Trinkwasseraufbereitungsanlage.

Zu Beginn des Einsatzes mussten die Helfer in mitgebrachten Zelten leben und hatten sich einen Duschpavillon mit einer Gartendusche aufgebaut. Die Verhältnisse waren etwas schwierig, zumal auch persönliche Hygiene eine große Rolle spielt bei der Trinkwasseraufbereitung. „Wir haben auch jede Menge Einmalwaschlappen von der Klinik bekommen“ sagt Benjamin Günther. Jetzt dürfen und können die Helfer in der Klinik duschen.

Was überrascht, ist die Zuversicht, von der Günther erzählt. Die betroffenen Anwohner seien schon wieder mitten im Aufbau und der Renovierung. Überall werde geräumt, geschafft und gehämmert. „Aufgeben tut da keiner“, sagt der Gruppenführer. Froh und dankbar seien die Leute für die Hilfe, die ihnen widerfährt.

Benjamin Günther ist Zugführer im Einsatzteam des THW aus Rotenburg, das im Flutgebiet hilft.

Vonseiten des THW Rotenburg wird ihnen auch weiterhin Hilfe gebracht. „Wir bereiten uns auf einen längeren Einsatz vor“, sagt Benjamin Günther. Voraussichtlich kehre das Team in etwa zwei Wochen zurück und gehe „in Ruhe“. Das heißt, die Trinkwasseraufbereitungsanlage und alle dazugehörenden Systeme müssen wieder auf Vordermann gebracht und wieder einsatzbereit gemacht werden. Nach dem Durchschnaufen kehren THW-Helfer zurück ins Flutgebiet und unterstützen personell andere Einheiten, zum Beispiel in der Gemeinde Schuld, von der nicht mehr viel übrig ist. Der Einsatz dauere, so lange er dauere. (Silke Schäfer-Marg)

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