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Leerstand in Rotenburg: Online-Handel bremst das Bummeln

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Von: Carolin Eberth

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Eine der bekanntesten leer stehenden Immobilien in Rotenburg: Nach der Schließung des Spielwarengeschäfts Gleim 2010, ist Trostlosigkeit in das Schaufenster an der Breitenstraße eingekehrt. Laut MER wurde der Laden nun verkauft. Künftig werde hier wieder Handel betrieben.
Eine der bekanntesten leer stehenden Immobilien in Rotenburg: Nach der Schließung des Spielwarengeschäfts Gleim 2010, ist Trostlosigkeit in das Schaufenster an der Breitenstraße eingekehrt. Laut MER wurde der Laden nun verkauft. Künftig werde hier wieder Handel betrieben. © Eberth, Carolin

Zwei Jahre Corona, steigende Inflation und hohe Energiepreise drücken auf die Konjunktur. Immer mehr Geschäftsleute geben auf, weil Kunden, Umsatz und oft auch Personal fehlen. Auch in Rotenburg ist der Leerstand deutlich sichtbar.

Rotenburg – Mit Öffnungszeiten rund um die Uhr und bequemer Lieferung bis vor die Haustür nimmt der Internethandel den Einkaufsstraßen immer mehr Kunden weg. Vor allem in Kleinstädten wie Rotenburg stehen deshalb viele Läden leer. Aber auch etwas größere Städte wie Bad Hersfeld bleiben vom Leerstand nicht verschont (wir berichteten kürzlich).

Bei einem Bummel durch die Rotenburger Innenstadt zählt man allein im Bereich von Breitenstraße und Steinweg rund 15 leer stehende Läden und Lokale. Trotzdem sind Torben Schäfer und Maurice Riesche von der Marketing-und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg (MER) recht zuversichtlich.

Intersport Schild ist schon vor einigen Jahren von der Untergasse an die Breitenstraße gezogen. Seither steht das alte Geschäft leer. Laut MER gibt es nun Gespräche mit Kauf-Interessenten.
Intersport Schild ist schon vor einigen Jahren von der Untergasse an die Breitenstraße gezogen. Seither steht das alte Geschäft leer. Laut MER gibt es nun Gespräche mit Kauf-Interessenten. © Carolin Eberth

„Dadurch, dass der Handel im Internet so stark zugenommen hat, muss Rotenburg schon einige Jahre gegen den Leerstand ankämpfen. Die Situation sah jedoch schonmal wesentlich dramatischer aus“, sagt Torben Schäfer, der sich an viele Geschäfte nebeneinander im Steinweg erinnert, die vor knapp drei Jahren noch ungenutzt waren. Eine Immobilie davon soll noch im Januar 2023 als Fitnessstudio eröffnen, wie der Betreiber auf seiner Internetseite schreibt.

„Auch die Corona-Krise hat Rotenburg verhältnismäßig gut überstanden“, ergänzt Schäfer. Zu erkennen sei jedoch, dass ein Wandel in der Innenstadt stattfinden würde, von Läden des Handels zu Läden, die Dienstleistungen anbieten. „Einige ungenutzte Immobilien, oft alte Fachwerkhäuser, müssen grundlegend saniert und umgebaut werden. Sie sind in einem schlechten Zustand, was einen Verkauf oder eine Vermietung schwer macht“, erklärt Maurice Riesche.

Zuletzt war hier das Corona-Testzentrum, nun stehen die Räumlichkeiten an der Brückengasse leer.
Zuletzt war hier das Corona-Testzentrum, nun stehen die Räumlichkeiten an der Brückengasse leer. © Eberth, Carolin

Besonders schlecht sei der bauliche Zustand in Rotenburgs ältestem Haus, eine ehemalige Gaststätte an der Breitenstraße 39. Das Kulturdenkmal soll etwa 1478 errichtet worden sein. Gebäude und dazugehörige Fläche umfassen etwa 304 Quadratmeter. Es steht seit über elf Jahren leer und gehört einem privaten Eigentümer. „Der Besitzer macht nichts an dem Fachwerkhaus und lässt es Jahr für Jahr verfallen“, bedauern Torben Schäfer und Maurice Riesche von der MER.

Doch neben den aktuell leer stehenden Gebäuden gibt es auch einige positive Beispiele zu nennen. So ist in die letzte inhabergeführte Bäckerei Rotenburgs, die im November 2022 ihre Türen an der Breitenstraße 1 schloss, nach nur zwei Monaten ein neuer Betreiber eingezogen. Mittlerweile werden dort ebenfalls wieder Brötchen gebacken, nun von der Bäckerei Brack.

Zu vermieten ist auch dieses Ladengeschäft in bester Lage im Steinweg.
Zu vermieten ist auch dieses Ladengeschäft in bester Lage im Steinweg. © Eberth, Carolin

„Fest steht auch, dass es gut war, dass vergangenes Jahr am Steinweg und am Marktplatz/Ecke Badegasse Poller aufgestellt wurden zur Verkehrsberuhigung. Ziel war es, ein ungestörtes Flanieren zu ermöglichen und das hat geklappt. Die Besucher-Frequenz ist gestiegen“, meint Maurice Riesche.

„Wir wollen die Rotenburger Innenstadt sozusagen zum Wohnzimmer für die Besucher machen. Zu einem Bereich, wo die Leute einen Kaffee trinken und Eis auf den Bänken essen können. Wenn sich die Stadt füllt, dann wird auch mehr in den Läden eingekauft“, so Schäfer. Beide MER-Mitarbeiter gehen außerdem davon aus, dass sich noch einiges in der charmanten Fachwerkstadt tun werde, wenn das Fuldaufer umgestaltet wurde.
(Von Carolin Eberth)

Wartet darauf, dass wieder Leben einkehrt: Das ehemalige Gasthaus Goldener Löwe im Steinweg hat dicht und sucht einen neuen Betreiber.
Wartet darauf, dass wieder Leben einkehrt: Das ehemalige Gasthaus Goldener Löwe im Steinweg hat dicht und sucht einen neuen Betreiber. © Eberth, Carolin

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