Hobbyhistoriker erinnert sich an Schulausflug 

Klassenfahrt, Urlaub, erster Kuss: Schicken Sie uns Ihre Meeschendorf-Momente

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Die erste große Fahrt: Für die Realschüler in Sontra (linkes Bild) ging es 1959 nicht nach Ostdeutschland, sondern in das neu eröffnete Jugend- und Freizeitlager Meeschendorf auf Fehmarn. Dort wurde gespielt, gewandert, gemeinsam gegessen – und geturtelt. Fotos: Karl-Heinz Kessler/nh 

Hersfeld-Rotenburg/Sontra. Wie Karl-Heinz Kesseler aus Sontra geht es vielen Menschen in der Region. Er erinnert sich gerne an Klassenfahrten und Sommerurlaube in Meeschendorf, der Ferienstätte des Landkreises Hersfeld-Rotenburg auf Fehmarn. Haben auch Sie besondere Meeschendorf-Momente?

Wenn es um alte Fotos geht, ist Karl-Heinz Kessler aus Sontra genau der richtige Ansprechpartner. Gut sortiert und präzise beschriftet: so bewahrt der 74-jährige Hobbyhistoriker seine Bilder auf. In seiner Sammlung befinden sich etwa ein Dutzend besondere Schätze: Es sind Aufnahmen einer Klassenfahrt der Realschule Sontra aus dem Jahr 1959. Das Ziel des zweiwöchigen Ausflugs: Meeschendorf.

Denken gern an ihre Klassenfahrten zurück: Karl-Heinz und Christa Kessler aus Sontra mit dem Fotoalbum, in dem die Erinnerungen an Meeschendorf festgehalten werden.

„Für uns war es die erste große Fahrt“, erinnert sich Kessler. Die Alternative hätte die Sontraer Schüler nach Ostdeutschland statt auf die Ostsee-Insel Fehmarn geführt – da war die kreiseigene Ferienstätte spannender. Dass Meeschendorf als Ausflugsziel zur Verfügung stand, lag an den damaligen Kreisgrenzen: Bis zu dessen Auflösung 1972 gehörte Sontra zum Landkreis Rotenburg. „Alle hatten Angst, dass wir in die Zone müssen“, sagt Karl-Heinz Kessler, „für uns war Meeschendorf wirklich aufregend.“

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Realschüler aus Sontra, das damals zum Landkreis Rotenburg gehörte, beim Kartoffelschälen im Zelt für das Mittagessen. Das Foto stammt aus dem Jahr 1959. 

Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes Fotoalbum – Bilder in schwarz-weiß, säuberlich beschriftet mit silbernem Stift. Die Schnappschüsse, gesammelt während der zweiwöchigen Klassenfahrt, zeigen Meeschendorf in seinen Anfängen. Geschlafen wurde kurz nach Eröffnung noch in Acht-Mann-Zelten. Die winterfesten Häuser wurden erst in den 60er-Jahren gebaut. Auf dem Programm standen Spiele, Wanderungen, Rundfahrten – aber auch Küchendienst. „Wir mussten damals noch arbeiten für unser Essen“, sagt Kessler. Für die Jungs hieß das meist Kartoffeln schälen für 50 Personen, die Mädchen durften abspülen.

Für Karl-Heinz Kessler ist die Ferienanlage des Landkreises seit seinem ersten Besuch etwas Besonderes geblieben. Mehrfach zog es den Sontraer in den 60er-Jahren nach Fehmarn, nach Meeschendorf. Sein letzter Besuch an der Ostsee war 2006. Die Zelte aus der kessler’schen Schulzeit gab es da schon lange nicht mehr. Trotzdem kamen bei dem Sontraer die Erinnerungen hoch. Wie auch jetzt, wenn er die Schwarz-Weiß-Aufnahmen vor sich betrachtet.

Lang ist's her: Diese Aufnahme zeigt die Ausgabe der Fehmarnschen Inselzeitung vom 19. August 1959. Zur Eröffnung von Meeschendorf hieß es dort: „Rotenburgs Kinder erobern Meeschendorf“.

Besonders lebendig hat der 74-Jährige noch die Abschlussabende vor Augen. Der Schallplattenspieler lief, es wurde getanzt. Und ja: „Da saß man schon mal mit einer Dame im Arm da“, sagt Karl-Heinz Kessler und wirft einen verschmitzten Blick in Richtung seiner Frau Christa.

Die 70-Jährige kennt Meeschendorf nur aus den Erzählungen ihres Mannes. Ihre Klassenfahrt ging in die Berge von Garmisch-Partenkirchen „Wir haben auf Strohsäcken geschlafen und uns vor der Hütte gewaschen“, sagt sie. Irgendwie klingt es nicht nach einer schlechten Erinnerung.

Leseraufruf: Was sind Ihre Meeschendorf-Momente? 

Die Schul-Abschlussfahrt, die Ferienfreizeit? Der erste Kuss? Das erste Mal Heimweh? Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Meeschendorf? Schicken Sie uns Abzüge Ihrer alten Fotos und beschreiben Sie uns Ihre besonderen Momente in der Ferienstätte des Landkreises auf Fehmarn. 

So erreichen sie die Redaktion: rotenburg@hna.de

Hintergrund: Grünes Licht für den Verkauf der Ferienstätte

Noch ist die Entscheidung über einen Verkauf von Meeschendorf auf Fehmarn nicht gefallen – zunächst soll der Marktwert der Kreisimmobilie an der Ostseeküste ermittelt werden. Dennoch hat der Kreistag im Februar den Weg grundsätzlich freigemacht für einen Verkauf der Ferienstätte. Hintergrund der Entscheidung: Die Erholungsstätte hat in den vergangenen Jahren ein Defizit von 650 000 Euro angehäuft. Um die Anlage auf modernen Stand zu bringen, wären mindestens drei Millionen Euro, eher aber sechs Millionen Euro nötig. Die Verluste entstünden etwa durch die Personalkosten für das Hausmeisterehepaar, das das ganze Jahr bezahlt wird, obwohl die Ferienstätte nur von Ostern bis Herbst geöffnet ist, so die Argumentation. Seit der Entscheidung des Kreistags wird das Thema im Landkreis Hersfeld-Rotenburg emotional diskutiert. Auch unsere Zeitung erreichten überdurchschnittlich viele Leserzuschriften und Anrufe zu Meeschendorf.

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