Familienvater auf spezieller Mission

Liebe im Doppelpack: Die schönen Folgen der Rotenburger Städtepartnerschaft

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Hochzeitsbitter: Einer alten Tradition folgend begab sich Familie Behrend aus Rotenburg an der Fulda in die Partnerstadt an der Wümme. Im Gepäck hatte Ingo Behrend die Einladung für die zukünftige Schwiegermutter von Tochter Lea. Von links: Gabriele Behrend, ihre Schwiegermutter Karin Behrend aus Waffensen, die den Kontakt herstellte, Hochzeitsbitter Ingo Behrend, die überraschte Schwiegermutter in spe, Bärbel Grehl, in ihrem Büro. 

Dass Städtepartnerschaften Menschen verbinden, dafür ist die 35-jährige Ehe von Gabriele und Ingo Behrend aus Rotenburg ein gutes Beispiel. 

Beide lernten sich beim Treffen der Spielmannszüge von Rotenburg an der Fulda und Rotenburg (Wümme) kennen.

Jetzt scheint sich die Geschichte zu wiederholen: Denn Lea, die jüngste Tochter des Paares, wird am 15. Mai ihren Traummann Andreas Grehl in Rotenburg an der Fulda heiraten. Und der Auserwählte kommt, wie einst Ingo Behrend, aus der Rotenburger Partnerstadt an der Wümme. Purer Zufall war das. Denn die beiden lernten sich in einem Internet-Portal kennen. Da hat es schnell gefunkt. Ohne vom Wohnort des anderen zu wissen.

Die Schwiegermutter überraschen

Die Einladung zur Hochzeit brachte Familienvater Ingo Behrend kürzlich persönlich in seine alte Heimat Waffensen, einen Ortsteil von Rotenburg/Wümme. Seine spezielle Mission: Er sollte als so genannter Hochzeitsbitter Leas zukünftige Schwiegermutter Bärbel Grehl überraschen und einladen. Denn sie wusste noch nichts von den Hochzeitsplänen des jungen Paares.

Das besondere Outfit: Behrend trug stilecht einen Zylinder. Das traditionelle Zubehör: Am verzierten Handstock war ein Glöckchen montiert. Und es flatterten bunte Bänder daran, fast in den Rotenburger Wappen-Farben grün (als Zeichen für Natürlichkeit), rot (Liebe), weiß (Jungfräulichkeit) und blau (Treue). Das alles wünscht man der Braut.

Da staunten Bärbel Grehl und die Kollegen in ihrem Büro nicht schlecht, als Ingo Behrend die frohe Botschaft mit einem Reim verkündete.

Geld an den Zylinder gesteckt

„Wenn die Hochzeitsbitter die Einladungen zur Feier überbrachten, wurde ihnen Geld an den Zylinder gesteckt“, erzählt Gabriele Behrend. Der Hochzeitsbrauch besage auch, dass der Einlader für seine Mühe mit Getränken und Essen von den potenziellen Gästen belohnt wird. Im Büro von Bärbel Grehl gab es zur Feier des Tages zwar nur Sekt. „Aber die Überraschung ist uns vollkommen gelungen“, sagt die Braut-Mutter. Weil die Figur des Hochzeitsbitters in Rotenburg an der Fulda nicht bekannt ist, werden die meisten Einladungen im Hause Behrend natürlich mit der Post verschickt oder persönlich gebracht. „Die junge städtische Generation in Niedersachsen kennt diese Tradition auch nicht mehr“, weiß Gabriele Behrend.

Dort, wo der Hochzeitsbitter noch in Erscheinung tritt, muss er sich – je nach Länge der Gästeliste – früh genug auf den Weg machen und sollte eine gute Kondition haben. „Denn die Verwandten und Freunde meinen es ja gut mit ihm und spendieren meistens nicht nur ein Getränk“, lacht Gabriele Behrend.

Das ist ein Hochzeitsbitter

Als Hochzeitsbitter, auch Hochzeitslader oder -läder, in Westfalen auch Gassenbitter, in Altbayern auch Progoder, in Norddeutschland Köstenbidder werden Personen im deutschen Sprachraum bezeichnet, die bei der Vorbereitung einer Hochzeit die Rolle des Einladers übernehmen. Die grundsätzliche Funktion der traditionellen Hochzeitsbitter gibt es abgewandelt in fast allen Kulturen weltweit und ist nicht auf Europa beschränkt. Im regionalen und europäischen Volksgruppen-Brauchtum existieren viele verschiedene, den Hochzeitsbittern zugeordnete Aufgaben, teilweise mit Ritualcharakter. 

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