Endlich angekommen

Lispenhäuser Ehepaar kümmert sich um Flüchtlingsfamilie aus Aleppo

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Sie kümmern sich: Rolf und Sigrid Hermstein-Witt, hinten, betreuen seit knapp einem Jahr eine Familie aus Syrien. Aega (5), Osman (38) und Angi (7) Osman , von links, sind dankbar für die große Hilfe, die sie von dem Paar und auch durch andere Lispenhäuser erfahren

Lispenhausen. Familie Osman hat eine wahre Odyssee hinter sich: Vor vier Jahren hat der 38-jährige Osman mit seinen beiden kleine Töchtern die Flucht aus Aleppo in Syrien gewagt – seine Frau war dort ums Leben gekommen. Seit Oktober 2015 leben sie in Lispenhausen.

Dass sie sich nun zu Hause fühlen, liegt vor allem am Ehepaar Hermstein-Witt. Aus einer zufälligen Begegnung wurde eine neue Lebensaufgabe für das Rentnerpaar. „Ich habe im vergangenen Frühjahr die Hecke vor dem Haus geschnitten und Osman angesprochen, als er vorbei ging, um seine Töchter in den Kindergarten zu bringen,“ erzählt Rolf Witt. 

Es folgte ein etwas holpriger Dialog, bei dem klar wurde, dass die Mutter der Mädchen „im Himmel“ sei. Eine Aussage, die auch Sigrid Hermstein-Witt das Herz zerriss. Von da an kümmerte sich das Paar um Vater und Töchter, die weder deutsch noch englisch sprachen. 

Begleitung zu Ämtern 

Rolf Witt begleitet Osman zu den Ämtern. Die Witts organisierten Möbel, Geschirr und Wäsche, die von Lispenhäusern gespendet wurden. Sie sind Kindermädchen und Taxiunternehmen für die Familie, die inzwischen um Osmans Schwiegervater gewachsen ist. Der hat nun – dank den Witts – eine kleine Wohnung in Breitenbach und kümmert sich ebenfalls um die Kinder. Den Weg legt er mit dem Fahrrad zurück. 

Die kurdische Großfamilie war zunächst in die Türkei geflohen und blieb zwei Jahre dort. Mit kleinen Arbeiten schlug sie sich durch, bevor Osman mit seinen Töchtern zu Fuß über Bulgarien und dann über Belgien nach Deutschland kam.

Seine Eltern und ein Bruder sind in Griechenland gestrandet, ein Bruder ist im Irak, weitere Geschwister leben bereits mit ihren Familien in Deutschland, zwei Schwestern sogar in Bebra. Alle hoffen, dass demnächst die Eltern ebenfalls in die Bundesrepublik kommen und schicken auch kleinste Summen zu ihnen, um die Reise zu ermöglichen. 

In der Vorschule 

Angi und Aega fühlen sich inzwischen wohl hier. Angi besucht die Vorschule an der Rotenburger Albert-Schweitzer-Schule und spricht schon recht gut deutsch. Bis 16 Uhr wird sie dort betreut, was – wie Sigrid Hermstein-Witt findet – dem Kind sehr gut tut. Angie mag auch ihre Lehrerinnen sehr gern. Aega besucht noch die Lispenhäuser Kindertagesstätte, geht auch zum Kinderturnen der Turngemeinde. „Nur so funktioniert das mit der Integration“, meint Rolf Witt.

Vater Osman, der in Syrien als Schneider in einer Bekleidungsfabrik gearbeitet hatte und auch in der Türkei sein Geld mit Schneiderarbeiten verdiente, muss jetzt erstmal in einem Kurs Deutsch lernen. Dann will er arbeiten – etwas Handwerkliches. „Er ist so geschickt“, finden die Witts. 

Eigentlich wollte das Paar keinen Zeitungsbericht – bloß kein Trara um ihre Arbeit. Die Dankbarkeit und Zuneigung der Familie Osmans reichen als Lohn. „Aber über die Zeitung können wir auch mal allen Danke sagen, die unsere Arbeit mit ihren Spenden unterstützen. Und das sind viele,“ sagt Rolf Witt. Die Mädchen kuscheln sich an seine Frau. „Man bekommt so viel zurück“, sagt sie.

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