Lopa: Auch Parkplätze waren Thema

Rotenburg diskutierte über Schottergärten, Steinweg, Bürgerbus und Marktplatz 3 

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Schotter oder Grüninsel: In privaten Gärten und auf städtischen Flächen findet man beides.

Was passiert beim Stadtumbau in Rotenburg? Welche Projekte sind angeschoben? Wer ist die Lopa und was macht sie?

Diese Fragen sollten in der öffentlichen Sitzung der Lokalen Partnerschaft am Donnerstag beantwortet werden. Etwa 40 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit zur Information und zur Diskussion.

Und weil man so schön beisammen war, geriet die Gesprächsrunde zu einem Rundumschlag. Alles, was man mal loswerden wollte, kam auf den Tisch. Moderator und Lopa-Vorsitzender Karl-Heinz Lies hatte seine liebe Mühe, das Gespräch in Bahnen zu halten. Bürgerbus, Schottergärten, Denkmalpflege, natürlich Parkplätze und noch vieles mehr wurde angesprochen.

Also noch einmal: Die Lokale Partnerschaft unterstützt und berät in der Stadtumbauphase Pläne und Projekte und gibt Empfehlungen. In ihr sitzen Vertreter von Verwaltung, Politik, Vereinen, Beiräten der Stadt sowie der Wirtschaft. Das Gremium zur Beteiligung der Bürgerschaft am Stadtumbau ist zwingend, um Geld aus dem Förderprogramm zu bekommen. Es tagt in der Regel nicht öffentlich.

Den aktuellen Stand der öffentlichen Projekte stellte MER-Geschäftsführer Torben Schäfer vor.

Steinweg

Im März sollen die Arbeiten beginnen, die zur Aufwertung der Straße führen sollen. Geplant ist eine bessere Wegführung, mehr Grün auf der Straße und eine andere Möblierung.

Haus Marktplatz 3

Das Haus wird derzeit von einer Restauratorin akribisch untersucht und dokumentiert, die Architekten erarbeiten Pläne. In den nächsten Wochen soll es entrümpelt werden. Auch an einem Nutzungskonzept wird gearbeitet. Problem: Bei der Nutzung darf kein Gewinn erzielt werden, sonst müssen Zuschüsse zurückgezahlt werden. So soll erst mal die Tourist-Information einziehen, damit wenigstens deren Miete im Nachbarhaus gespart werden kann. Drei Millionen Euro sollen investiert werden, was von einigen Zuschauern nicht nachvollzogen werden konnte.

Wird saniert: das Haus Marktplatz 3. Dafür gab es auch Kritik. 

Lutz Sauerwein nannte das Gebäude minderwertig, man solle es abreißen. Geld sollte stattdessen in andere wichtige Fachwerkgebäude fließen wie die Alte Landvogtei am Steinweg oder die Häuser am Fuldaufer Richtung Schloss und das ehemalige Haus Tognino an der Breitenstraße.

Bürgermeister Christian Grunwald wies darauf hin, dass die genannten Gebäude in Privatbesitz sind und nur vom Eigentümer saniert werden können. Der erhalte dafür Zuschüsse und könne die Investitionen steuerlich abschreiben. „Wenn also jetzt nicht sanieren, wann dann“, meinte Grunwald. Davon unabhängig müsse die Stadt als Eigentümer Marktplatz 3 sanieren, ein Abriss sei nicht möglich, weil es an exponierter Stelle der Stadt liege und es entsprechende Vorschriften gebe.

Wer hilft bei der Sanierung?

Jutta Bämpfer zum Beispiel sagte, sie wäre völlig überfordert mit den vielen Anträgen und Finanzierungsplänen, wenn sie sanieren wollte. Grunwald verwies auf die MER, die Sanierungswillige an die Hand nehmen werde. Bei den Zuschüssen gelte das Windhundeprinzip: Jeder bekommt, solange Geld im Topf ist. Den verheerenden Ruf der Denkmalpflege als Verhinderungsbehörde wollte Grunwald nicht stehen lassen: Man könne auch konstruktiv zusammenarbeiten und Kompromisse finden.

Parken und Parkplatz 

Wo parken? Und das stadtnah und weiterhin kostenlos? Klaus Esche schlug vor, den Parkplatz Altes Amtsgericht mit einer Wohnanlage für alte Menschen zu bebauen, tiefgelegt könnten Parkplätze entstehen. Das deshalb, weil auch immer mehr alte Menschen wegen der ärztlichen Versorgung nach Rotenburg zögen. Gina Dahmen, Anwohnerin der Breitenstraße, wünschte sich eine schnelle Lösung. Anwohnerparkplätze seien immer voll, sie habe in wenigen Tagen vier Strafzettel bekommen. Bürgermeister Christian Grunwald sagte, dass an einem Parkkonzept gearbeitet werde. Die Rotenburger müssten auch bereit sein, etwas mehr zu laufen. Weder beim ehemaligen Muzkkka (Wohngebiet) noch auf dem Parkplatz Altes Amtsgericht sei ein Parkhaus genehmigungsfähig. Es sei denn – das gilt für den Parkplatz – dafür würden die Parkplätze an der Breitenstraße gestrichen. 

Breitenstraße

Ein Anwohner beklagte die starke Vibration, wenn Lastwagen durch die Straße fahren. Sein Nachbar Werner Petzner erklärte das mit Buckeln im Asphalt, die durch zahlreiche Reparaturen entstanden seien. Die Breitenstraße ist als Hauptschlagader der Stadt überhaupt ein Problem: Hohes Verkehrsaufkommen (Petzner: Wir brauchen die dritte Fuldabrücke), Lieferverkehr und Busse, wenig Rücksichtnahme unter den Verkehrsteilnehmern (darunter Radfahrer, die mal Opfer, mal Täter sind), zum Teil ungeeignete Bürgersteige. Der Bürgermeister erklärte, ein großer Wurf wäre die komplette Umgestaltung: Parkplätze raus, Barrierefreiheit – die kommt demnächst beim Buseinstieg – , breitere Bürgersteige, mehr Stadtgrün, das alles sei Bestandteil der Planung. „Und dazu gehört Mut. Das Gesicht der Stadt würde sich verändern. Stadtumbau ist mehr als ein Pflästerchen hier und da.“ Die Breitenstraße ist Landesstraße, die Behörde Hessen Mobil ist mit im Boot. 

Fahrradboxen 

Sie fehlen in der Innenstadt gänzlich. Bedarf ist aber da, folgt man Aussagen von Diskussionsteilnehmerinnen. 

Schottergärten 

Horst Ziermann kritisierte, dass es immer mehr geschotterte Gärten in Rotenburg gebe, was nicht in Einklang mit ökologischen Zielen zu bringen sei. Dafür erhielt er Applaus aus der Runde. Er forderte, dass die Stadt in dieser Hinsicht aktiv wird. Heinrich Wacker, der Umweltbeauftragte der Stadt, kündigte an, dass bei künftigen Neubaugebieten die Gartengestaltung Schotter statt Grün nicht mehr zugelassen werde. Das gelte für die gesamte Bauleitplanung der Stadt. Bereits bestehende Satzungen müsste gegebenenfalls die Stadtverordnetenversammlung ändern. Bürgermeister Grunwald sagte, man bemühe sich beim Bauhof um grüne Inseln, aufgrund des Pflegeaufwands sei das aber nicht überall möglich. 

Schotter oder Grüninsel: In privaten Gärten und auf städtischen Flächen findet man beides.

Bürgerbus 

Angeregt wurde, zu prüfen, ob sich ein Bürgerbus lohnt – in den Stadtteilen wird schon geprüft – oder ob man kleinere Busse, die häufiger die Haltestellen anfahren, einsetzen könnte. Die könnten auch dazu beitragen, den Individualverkehr zu verringern. Heinz Schlegel wies auf die Bürgerhilfe hin, deren Mitglieder auch Fahrten zu Ärzten oder zum Einkauf für alte Menschen unternähmen.

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