Trompeten gegen den Blues

Matthias Stichnoth macht mit Balkon-Ständchen in Lispenhausen Mut im Corona-Lockdown

Matthias Stichnoth spielt Trompeten-Ständchen von seinem Balkon in Lispenhausen
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Musik gegen den Corona-Blues: In Lispenhausen hat Matthias Stichnoth die schöne Balkon-Aktion weiter am Laufen gehalten. Am Sonntag hat er zum vorerst letzten Mal runter ins Dorf musiziert.

Italien hat es im Frühjahr schon vorgemacht: Menschen sangen und musizierten aus ihren Fenstern und von ihren Balkonen. Matthias Stichnoth führt diese Aktion auf seinem Balkon in Lispenhausen weiter.

Lispenhausen – Im ersten Lockdown sollte auch in Deutschland in Zeiten der Krise mit Musik Mut gemacht werden und bei aller Distanz doch ein Gefühl des Miteinanders entstehen. Diese schöne Balkon-Aktion schlief vielerorts wieder ein.

Nicht in Lispenhausen. Matthias Stichnoth hatte schon im Frühjahr acht Wochen, immer sonntags und stets zur gleichen Zeit, mit seiner Trompete von seinem Balkon „Auf der Höhe“ runter ins Dorf musiziert.

Mit einem abwechslungsreichen und stets neuen 15-minütigen Balkon-Auftritt erfreute er die Einwohner je nach Wetter und Windrichtung bis zu den Straßen hinter der Bahnlinie. „Amazing grace“, das „Wolgalied“ oder „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ gehörten unter anderem zum Repertoire.

Musizieren gegen den Virus-Blues

Seit Anfang Dezember hört man ihn wieder gegen den Virus-Blues musizieren. Am vergangenen Sonntag spielte der 54-Jährige ein etwas längeres solistisches Programm. Denn wegen einer Zahn-OP war es sein vorerst letzter musikalischer Auftritt in diesem Jahr.

Zwischen den bunt gemixten fröhlichen und besinnlichen Weihnachtsliedern hat er, ganz elegant, den Frank Sinatra-Song „My Way“ geschmuggelt. Denn Matthias Stichnoth ist festes Ensemblemitglied der „Ulfener Jungs“. Und die sind ja bekannt für ihre enorme musikalische Vielseitigkeit. Nach jedem Lied applaudierte jemand. Menschen riefen ihm zu: „Mach weiter so, Matthias!“. Einige Menschen waren mit Regenschirmen auf die Straße gekommen, um ihn zu hören. In unmittelbarer Nachbarschaft leben viele ältere Lispenhäuser Einwohner. Sie wünschen sich hin und wieder Lieder, die Matthias Stichnoth gerne für sie spielt.

Irgendwann wird er wieder auf der Bühne stehen können

Dass Musiker in der Pandemie so eingeschränkt sind, für hoch dotierte Fußballspieler aber das normale Leben weiter geht, ärgert ihn. „In der Kulturszene sind manche Existenzen bedroht“, weiß er. Das könne man bei Fußballspielern der ersten Bundesliga sicher nicht behaupten. Irgendwann wird auch Matthias Stichnoth wieder ganz normal auf der Bühne stehen.

In der Zeit dazwischen war und ist für den Ingenieur das regelmäßige Musizieren auf dem Balkon auch eine Art Probe, die es ja auch für die „Ulfener Jungs“ gerade nicht gibt. Man brauche eine starke Selbstdisziplin, um als Hobbymusiker mit einem gewissen Anspruch am Ball zu bleiben, sagt er. (Susanne Kanngieser)

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