Meeschendorf: Projekt-Aus nach Bürgerentscheid

Fehmarn: Hotelpläne auf Gelände des Kreises Hersfeld-Rotenburg sind geplatzt

So hätte das geplante Hotel auf der Ostseeinsel aussehen sollen.
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So hätte das geplante Hotel auf der Ostseeinsel aussehen sollen.

Die Planungen für ein Familienhotel der österreichischen Gruppe Jufa Hotels auf dem Gelände des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf auf Fehmarn sind gestoppt.

Hersfeld-Rotenburg/Fehmarn - Am Sonntag stimmte mit 54,3 Prozent eine Mehrheit auf der Ostseeinsel gegen das seit rund zwei Jahren geplante Bauvorhaben. Was die Entscheidung für den Landkreis bedeutet, ist derweil völlig offen: „Über das weitere Vorgehen wird mit der Jufa sowie den Verantwortlichen der Stadt Fehmarn zu beraten sein“, heißt es aus Anfrage knapp aus dem Landratsamt.

Damit bleiben wichtige Fragen unbeantwortet. Der Erbpachtvertrag sieht den Bau eines Familienhotels vor, das bis zum 30. Juni 2024 bezugsfertig sein sollte und nun nicht mehr möglich ist. Der Landkreis schweigt dazu, ob der Vertrag mit Jufa nun hinfällig ist oder die Vereinbarung neu gestaltet werden muss. Auch ob der Kreistag sich erneut mit Meeschendorf befassen wird, bleibt ungeklärt: Das Gremium hatte ebenfalls unter der Prämisse eines Familienhotels mit Buchungskontingent für Kreisbewohner zugestimmt.

Hotelgegner sammelten 2454 Stimmen

Die Hotelgegner auf Fehmarn sammelten bei der Abstimmung 2454 Stimmen und erreichten damit problemlos das für einen gültigen Bürgerentscheid nötige Quorum (2078 Stimmen). Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 39,3 Prozent.

Der im März wiedergewählter Bürgermeister Jörg Weber (SPD) sprach gegenüber unserer Partnerzeitung Fehmarnsches Tageblatt nach dem vorläufigen Abstimmungsergebnis von einem „Schlag in die Magengrube“ für die Politik der Ostseeinsel – die drei großen Fraktionen SPD, CDU und Wählervereinigung Fehmarn (FWV) hatten sich für den Hotelbau stark gemacht.

Eine Sanierung des Bestands oder eine Bebauung nach derzeitigem Vorbild ist laut Jufa-Chef Wendl unwirtschaftlich.

Die Blicke aus Fehmarn gehen nun nach Österreich und Hersfeld-Rotenburg. Denn die Lage ist unklar: Die Gremien der Insel hatten nicht nur grünes Licht für den Bebauungsplan gegeben, sondern bereits die Änderung des Flächennutzungsplans für das Gelände des Landkreises am südöstlichen Strand beschlossen. Dieser sieht nun statt einer Ferienanlage einen Hotelbau vor.

Durch den Bürgerentscheid darf sich die Politik aber zwei Jahre lang nicht mit der Hotelplanung befassen. Und: Ab dem 23. Juni gibt es keine Ausnahmen vom 150 Meter breiten Küstenschutzstreifen mehr, der auch Meeschendorf betrifft und in dem Bauverbot für Hotels, Ferienhäuser, Cafés und Campingplätze gilt.

Von Jufa-Hotels-Geschäftsführer Gerhard Wendl hieß es nach der Abstimmungsniederlage: „Das Ergebnis müssen wir so akzeptieren. Jetzt werden wir uns intern besprechen und gut überlegt und nicht in der ersten Emotion unser weiteres Vorgehen abstimmen.“ Die Corona-Pandemie habe das Werben für die Jufa-Idee auf der Insel erschwert. Die Hotelgruppe aus Österreich mit 61 Standorten in vier Ländern hatte bereits im Vorfeld des Bürgerentscheids eingeräumt, keinen Plan B zu haben, sollte das Familienhotel abgelehnt werden – und in diesem Fall Gespräche mit dem Landkreis angekündigt. Wahrscheinlich sei, dass es auf der Insel für mehrere Jahre eine Bauruine geben werde, sagte Geschäftsführer Wendl unserer Zeitung. Die Zukunft des Geländes in Meeschendorf sei völlig offen.

Von Clemens Herwig

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