Debatte um Parkplätze

Mehr Ruhe im Steinweg: Große Mehrheit im Rotenburger Parlament für neues Verkehrskonzept

Idyllischer Ort schon jetzt: Die Gegend rund um den Zirbesbrunnen in der Rotenburger Altstadt soll neu gestaltet werden, was auch das Aus für die Parkplätze mit sich bringen wird.
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Idyllischer Ort schon jetzt: Die Gegend rund um den Zirbesbrunnen in der Rotenburger Altstadt soll neu gestaltet werden, was auch das Aus für die Parkplätze mit sich bringen wird.

Der Rotenburger Steinweg soll künftig tagsüber von 6 bis 17 Uhr per Auto nur noch von Anliegern sowie von Lieferfahrzeugen befahrbar sein.

Rotenburg – Durchgangsverkehr soll es nicht mehr geben. Abends, an den Wochenenden und an Feiertagen wird er komplett für den Autoverkehr gesperrt. Das haben die Stadtverordneten am Donnerstag mit großer Mehrheit beschlossen.

Der Steinweg ist die Haupttrasse des „Blauen Pfads“, der Verbindung von Neustadt und Altstadt von den Bahngleisen bis zum Marktplatz. Der SPD-Idee einer kompletten Sperrung für Kraftfahrzeuge außer Lieferverkehr wurde eine Abfuhr erteilt, wenngleich es immer auch Sympathie dafür gab. Loyalität zu den Gewerbetreibenden ließ die Mehrheit der Kommunalpolitiker offenbar davor zurückschrecken, denn auf den Einzelhandel verwiesen Sprecher von CDU und UBR. Reiner Wollrath (SPD) erinnerte dagegen an eine Bürgerbefragung von vor zwei Jahren, in der sich eine Mehrheit für den Steinweg als Fußgängerzone ausgesprochen hatte.

Stadtverordnetenvorsteher Thomas Nölke und Markus Vöckel, beide SPD, stimmten nach der Ablehnung des SPD-Antrags für das von der CDU entwickelte und von UBR und FDP ergänzte Verkehrskonzept, um wenigstens am Wochenende und in den Abendstunden Ruhe vor Autos zu ermöglichen, wie Markus Vöckel gegenüber unserer Zeitung erklärte. Es war von Mut zur Veränderung die Rede, von Flexibilität, mit der auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert werden müsse, von Lösungen, die nicht in Stein gemeißelt seien und der Realität angepasst werden müssten.

 Die Neustadt

Die alte Fuldabrücke ist vom Steinweg kommend lediglich für Fahrrad und Lieferverkehr befahrbar, von der gegenüberliegenden Altstadtseite her nur für Fahrradverkehr und Fußgänger. Die zwei Parkplätze neben der Schloss-Apotheke sollen zu Kurzzeitparkplätzen werden. Die Straße Am Kies wird von der Einmündung Neustadtstraße bis zur Ecke Brauhausstraße gesperrt.

 Die Altstadt

Der Bereich um den Zirbesbrunnen an der Altstadtstraße wird neu gestaltet, um ihn als schönes Einfallstor herzurichten und mehr Gastronomie zu ermöglichen. Die Parkplätze dort sollen wegfallen. Im Gegenzug sollen alle Parkplätze in den Bereichen Brücken-, Ober, Unter- und Scheunengasse, Am Rainchen und der Altstadtstraße als Anwohnerparkplätze ausgewiesen werden. Das sieht das später beschlossene Parkplatzkonzept der UBR vor. Zwei Parkplätze im Bereich Altstadtstraße/Obergasse sollen auf Anregung der FDP außerdem zu Kurzzeitparkplätzen werden.

 Die Parkplätze

Eine deutliche Absage gab es für den Antrag der FDP, zu prüfen, ob auf dem Parkplatz Altes Amtsgericht ein Parkhaus oder eine Parkpalette (niedriggeschossiges Gebäude) gebaut werden könnte. Diese Überlegung war erst 2020 abgehakt worden und sollte nicht schon wieder aufs Tapet kommen, waren sich Sprecher von SPD, CDU und UBR einig. Die SPD wollte die Tür zur FDP offen halten und beantragte eine Erweiterung dieser Prüfung auf die ganze Innenstadt. Am Ende stimmte sie somit gegen ihren eigenen Änderungsantrag, als sie den FDP-Antrag gemeinsam mit CDU und UBR ablehnte. Abgelehnt wurden auch die SPD-Anträge, den Parkplatz Am Kies sowie neue Parkplätze an der Brotgasse, die auf Antrag der UBR gebaut werden sollen, über Schotter hinaus zu befestigen.

Ein bisschen Ratlosigkeit

Ein bisschen Ratlosigkeit war schon spürbar bei Bürgermeister Christian Grunwald und auch beim CDU-Fraktionsvorsitzenden Jonas Rudolph: Stadtumbau in Zeiten des Klimawandels – da geht es auch um Flächenentsiegelung, um Verringerung des motorisierten Individualverkehrs, so war jedenfalls der Tenor früherer Zusammenkünfte von Bürgern und Kommunalpolitikern. „Wir haben eine Verantwortung, darüber nachzudenken, wie sich unsere Beschlüsse auf die Umwelt auswirken“, sagte Rudolph. Im Grunde gebe es genügend Parkplätze, nur nicht immer in 1a-, sondern auch in 1b- und 1c-Lage. Der Bürgermeister warb für die „mutige Entscheidung“, nicht jeden wegfallenden Parkplatz zu ersetzen. Die Mobilität sei im Wandel, zum Beispiel zu kleineren Elektrofahrzeugen. Wer Rotenburg besuchen wolle, könne das bevorzugt auf langsame und naturnahe Weise tun, nicht schnell wie im Drive in: parken, gucken und weg.

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