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Musical „Cabaret“ in Eisenach mit dem Rotenburger Musiker-Duo Gerlach-Kling

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Von: Ute Janßen

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Eva Gerlach-Kling hat die musikalische Leitung beim Musical Cabaret am Landestheater Eisenach
Eva Gerlach-Kling bekommt als Frau am Klavier vom Conférencier (Ole Riebegesell) kein Bier, sondern Sekt serviert. © Christina Iberl, Landestheater Eisenach

Das Stück, dessen Musik von John Kander stammt und das auf Texten von Christopher Isherwood basiert, zeigt den besonderen Charme des Nachtlebens im Berlin der 1920er-Jahre.

Eisenach/Rotenburg – Buntes, frivoles Treiben auf der Bühne, mitreißende Musik, das Berlin der „Goldenen Zwanziger“, Reichtum und Sorglosigkeit kontrastiert mit tiefster Armut – und dann ziehen dunkle Wolken des Nationalsozialismus spür- und sichtbar auf. All das bildet den Hintergrund des Musicals „Cabaret“ am Landestheater in Eisenach. Mit dabei sind die Rotenburger Eva Gerlach-Kling und Stefan Kling.

Das Stück, dessen Musik von John Kander stammt und das auf Texten des amerikanischen Autors Christopher Isherwood basiert, zeigt den besonderen Charme des Nachtlebens im Berlin der 1920er-Jahre, verleugnet jedoch auch seinen ambivalenten Charakter nicht.

Regisseurin Jule Kracht und Choreograph Luches Huddleston jr. haben sich für eine Kammermusical-Inszenierung entschieden, die auf der relativ kleinen Bühne des Landestheaters eine intensive Sogkraft und Intensität entwickelt. Auch die musikalische Gestaltung trägt zu diesem Eindruck entscheidend bei: zwei Flügel, jeweils einer auf jeder Seite der Bühne. Weitere Instrumente werden nicht verwendet.

Die beiden Pianisten Eva Gerlach-Kling und Stefan Kling sitzen als „Kit Kat Orchestra“ im Kostüm an ihren Instrumenten. Beide zeigen sich nicht nur als versierte Interpreten, denen man die Freude an der quirligen Ragtime-Musik deutlich anmerkt. Stefan Kling zeichnet auch für die Arrangements der Eisenacher Fassung des Musicals verantwortlich, Eva Gerlach-Kling hat die musikalische Leitung. Sie hat die Songs mit den Mitgliedern des Tanzensembles (von denen viele zuvor nie gesungen hatten) und des Jungen Theaters einstudiert.

Acht Tänzerinnen und Tänzer in quietschbunten Kostümen wirbeln akrobatisch über die Bühne im sprichwörtlichen Tanz auf dem Vulkan. Sie spielen frivol mit Geschlechterklischees und singen darüber hinaus gemeinsam mit den Schauspielern. Nicht nur die großen Gesten, auch winzige Details sowie Mimik und Gestik kommen dank der Nähe zum Publikum perfekt zur Geltung.

Ole Riebesell glänzt mit bestechendem Gesang als Conférencier, Linda Ghandour zeigt sich als kess-frivole Tänzerin Sally Bowles hinter brüchiger Fassade verletzlich und selbst in der Liaison mit dem amerikanischen Schriftsteller mit Schreibhemmung, Clifford Bradshaw, einsam. Lisa Störr als Pensionswirtin Fräulein Schneider und Friederike Fink als leichtes Mädchen Fräulein Kost illustrieren zwei sehr unterschiedliche weibliche Lebensentwürfe.

Fritz Peter Schmidle spielt den jüdischen Obsthändler mit der großen Liebe für Fräulein Schneider mit berührendem, leicht altmodischem Charme, während Alexander Beisel als skrupellos opportunistischer Nazi Ernst Ludwig das heraufziehende Böse personifiziert.

Ursula Bergmann hat mit ihrem Team eine Bühnengestaltung entworfen, die ein sehr schnelles Tempo zulässt. Sprichwörtlich im Handumdrehen werden aus der Bühne des Kit Kat Clubs die Pension von Fräulein Schneider, ein Zugabteil und Berliner Straßen. Raffiniert werden Videoprojektionen eingesetzt, bei denen die Personen auf der Bühne plötzlich Teil des Videohintergrundes sind oder die gespielten Szenen kontrastiert werden. Besonders frappierend gelingt die Gegenüberstellung des wilden, bunten Tanzes auf der Bühne mit dem Hervortreten kleiner Hakenkreuze auf Schmuckwimpeln.

Das überzeugende Musical wurde im Juli uraufgeführt. Nach der Sommerpause geht es nun weiter. Die nächsten Aufführungen finden am Sonntag, 25. September und 2. Oktober, jeweils ab 19.30 Uhr statt. Insgesamt wird das Stück bis Juni 2023 noch elfmal aufgeführt.

Tickets gibt es unter Tel. 0 36 91/25 62 19, kasse@landestheater-eisenach.de und unter landestheater-eisenach.de

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