Neumitglieder willkommen

Annotopia wirkt nach: Gruppe von Verkleidungskünstlern in Rotenburg gegründet

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Hier entsteht Neues: Die meisten der Mitglieder der „Fantasy Artists of Redcastle“ arbeiten noch an ihren Kostümen. Auf dem Bild sind zu sehen (oben, von links) Paula Grimme, Andreas Völkerling, Gabriele Grimme, Sonja Holzhauer und (unten, von links) Felix Kluge, Hans-Joachim Kluge und Eva Jezorreck.  

Die Annotopia hat Spuren hinterlassen: In Rotenburg gibt es seit einigen Wochen eine Gruppe von Verkleidungskünstlern.

Sie haben sich unter dem Namen „Fantasy Artists of Redcastle“ zusammengeschlossen. Der Großteil des harten Kerns von rund 15 Leuten ist durch das Festival im Schlosspark angefixt worden – sehr zur Freude von Gabriele Grimme, die sich schon seit über 20 Jahren in ihrer Freizeit mit Verkleidungen beschäftigt.

„Der Reiz dabei ist, dass man mit all seinen Sinnen eine andere Identität mit ganz anderen Eigenschaften annehmen kann – ähnlich wie beim Theaterspielen“, sagt sie. Die Rotenburgerin steht den Neulingen mit Rat und Tat zur Seite. Denn ein nicht wegzudenkender Teil der Hobbys Larp und Cosplay (siehe Hintergrund) ist es, sein Kostüm selbst zusammenzustellen. Da wird genäht, gebastelt und geschweißt. Gabriele Grimme gibt Tipps, was überhaupt alles möglich ist. Denn noch wissen nicht alle Mitglieder der Gruppe, was sie später einmal darstellen wollen.

„Ich bin im Moment noch das Modell Verwaltungsangestellter“, sagt Hans-Joachim Kluge und lacht. Ein Piratenkostüm könnte er sich vorstellen. Sein Sohn Felix wusste sofort, was er darstellen will: einen Stalker aus dem gleichnamigen Computerspiel. Mit Camouflage-Kleidung und Gasmaske, die er selbst umgebaut hat, ist der 13-Jährige kaum zu erkennen. „Ich muss aber noch klären, ob ich meine Nerf Gun bei öffentlichen Veranstaltungen tragen darf.“ Denn auch bei Spielzeugwaffen ist das nicht immer erlaubt.

Das gleiche Problem hat Andreas Völkerling, der einen Priester aus dem Fantasy-Horrorfilm „Priest“ darstellt. Der Priester bekämpft Vampire – dafür braucht er ein Schwert. Der Rotenburger arbeitet noch an seinem Kostüm: Als Basis hat er ein Priesterkostüm bestellt, doch der Stoff soll matt und nicht glänzend sein. Deswegen näht er noch eine Stoffschicht an, auf der Rückenpartie soll bald ein großes rotes Kreuz prangen.

„Platt gesagt in Richtung Hexe“, soll die Verkleidung von seiner Freundin Sonja Holzhauer gehen. Ihre Tochter begeistert sich schon seit langem für Mangas, also japanische Comics. „Damit konnte ich früher nichts anfangen. Aber seit einem Besuch der Connichi in Kassel habe ich Feuer gefangen“, sagt sie. Dann ging sie mit ihrem Freund zur Walpurgisnacht in dessen Heimatort Thale im Harz, wo jährlich über 10 000 Menschen in Verkleidungen feiern. Spätestens da war klar: Das Paar hat ein neues Hobby.

Das erste Etappenziel der „Fantasy Artists of Redcastle“ ist die Teilnahme an der Annotopia 2019. Gabriele Grimme betont, dass neue Mitglieder sehr willkommen sind – nicht nur aus Rotenburg, sondern aus der gesamten Umgebung. „Wer neu dazu kommt, trägt natürlich auch dazu bei, was wir als Gruppe wollen“, sagt Grimme, die auch schon privat Rollenspieltreffen für über 20 Personen organisiert hat. Für die Gruppe sind zum Beispiel auch Teilnahmen an Festzügen eine Möglichkeit.

Info: Wer Kontakt zur Gruppe aufnehmen will, kann sich per Tel. 01 51/46 43 00 20 bei Gabriele Grimme melden oder der Facebook-Gruppe beitreten.

Hintergrund: Cosplay und Larp

Bei Verkleidungskünstlern gibt es verschiedene Stilrichtungen. Gabriele Grimme ist ein großer Fan von Larp – das steht für „Live Action Role Playing“. Dabei geht es um Rollenspiele und nicht ums schlichte Verkleiden. Larper – so nennen sich die Anhänger dieser Stilrichtung – orientieren sich meist an einem Genre wie etwa Herr der Ringe. „Da sagt aber niemand, er spielt jetzt Gandalf. Man schöpft selbst eine Figur“, erklärt Grimme. Larp-Conventions finden zum Beispiel regelmäßig auf Burg Tannenberg bei Nentershausen statt. Dabei wird stilecht im Rittersaal gespeist. Handys sind eigentlich verboten, und wenn sie doch mal für ein schnelles Foto gezückt werden, heißen sie „Telekommunikationsknochen“. Die Teilnehmer bleiben teilweise über mehrere Tage in ihrer Rolle und bekommen Aufgaben: zum Beispiel Vampire im dunklen Wald aufstöbern. Die Vampire werden dann von sogenannten Nicht-Spieler-Charakteren (NSC) gespielt, ein Spielleiter hat die Übersicht. 

Beim Cosplay hingegen stellt man seinen Charakter nur durch die Verkleidung dar – das Verhalten wird höchstens für Fotoposen oder Darstellungen aus Filmszenen und Comics eingenommen. Rollenspiele sind kein Bestandteil von Cosplay. Dort werden meist bereits vorhandene Charaktere – beispielsweise aus Mangas, Videospielen und Anime-Filmen – dargestellt. Cosplay stammt aus Japan. Im Gegensatz zu Larp-Conventions, die oft über mehrere Tage oder sogar Wochen gehen, treffen sich Cosplayer meist nur für einen Tag oder ein bestimmtes Event.

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