Linie 302 war wegen Corona ausgesetzt

Nach HNA-Anfrage: Bus zur Flüchtlingsunterkunft Alheimer-Kaserne in Rotenburg fährt wieder

Grünes Licht: Die Linie 302 vom Bahnhof über den Marktplatz bis zur Alheimer-Kaserne ist seit gestern wieder voll in Betrieb.
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Grünes Licht: Die Linie 302 vom Bahnhof über den Marktplatz bis zur Alheimer-Kaserne ist seit gestern wieder voll in Betrieb.

Rund acht Wochen lang hat es keinen Busverkehr zwischen Alheimer-Kaserne und der Rotenburger Innenstadt gegeben.

Schon gab es einzelne Gerüchte, dass die Fahrer der Linie 302, die vor allem von Asylsuchenden genutzt wird, Angst um ihre Sicherheit haben. Es wäre nicht der erste Streit um die Fahrten zur Erstaufnahmeeinrichtung gewesen (wir berichteten). Nach einer Presseanfrage unserer Zeitung am Montag wurde am Dienstagvormittag entschieden, den Betrieb wieder aufzunehmen. Seit Mittwochvormittag fahren die Busse wieder. 

Grund für die wochenlange Pause waren laut Betreiber DB Regio Bus „Abstimmungen im Corona-Kontext“. Die anderen Linien in Rotenburg und Umgebung bediente das Unternehmen derweil weiter – der Bus zur Alheimer-Kaserne hat in der Regel allerdings deutlich mehr Fahrgäste als andere Linien. Vereinzelt hatte es Gerüchte gegeben, der Grund für die vorübergehende Aussetzung der Linie (inklusive der Haltestelle am Friedhof) sei gewesen, dass die Busfahrer ihre Sicherheit durch die Fahrgäste gefährdet sahen und mit Kündigung gedroht hatten, falls sie die Kaserne weiterhin anfahren müssen. Dem widerspricht DB Regio Bus. „Uns liegen keine Beschwerden von Mitarbeitenden vor“, sagt ein Sprecher. DB Regio ist der Betreiber, Auftraggeber der Linie ist der Landkreis. Der NVV nimmt eine koordinierende Funktion ein.

Auch ein Busfahrer widerspricht unserer Zeitung gegenüber dem Gerücht, bevor es richtig Fahrt aufnehmen kann: Es sei Unsinn, dass er oder seine Kollegen Angst hätten. Es sei aber schon so, dass auch in der Zeit vor Corona die Einhaltung von Regeln nicht immer einfach gewesen sei. Die Sprachbarriere mache es dann schwer, über diese Dinge mit den Fahrgästen zu reden.

DB Regio Bus will nun die Busse der Linie regelmäßig desinfizieren und reinigen. „Unsere Fahrgäste bitten wir darum, wenn möglich die bestehenden Abstandsgebote und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auch im Bus einzuhalten.“

Die ersten Busse wurden am Mittwochmorgen von den Bewohnern der Kaserne mit Applaus bedacht, heißt es vom für die Einrichtung zuständigen Regierungspräsidium (RP) Gießen. Die Asylsuchenden werden laut RP regelmäßig mehrsprachig über die Pandemie-Lage aufgeklärt. „Sie haben in den letzten Wochen ihre Wege in die Stadt auf ein Minimum reduziert.“ Aus der Einrichtung werde berichtet, dass vereinzelt allein reisende Männer oder Familienväter mit ihren Kindern auf dem Fußweg in die Stadt unterwegs seien. „Die weiblichen Bewohner und solche mit Gehbehinderungen sind der Stadt gänzlich fern geblieben.“ Durch den Wegfall der Buslinie sei unter anderem die Wahrnehmung von Behördenterminen deutlich schwieriger gewesen.

„Wer keine Maske trägt, darf nicht einsteigen. Die Beschäftigten am Standort Rotenburg arbeiten Hand in Hand, um den Bewohnern die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs wieder dauerhaft zu ermöglichen.“ Auch dank der Näh-Gruppe in der Kaserne (wir berichteten) haben mittlerweile alle Bewohner mindestens eine Mund-Nasen-Maske.

Auch darüber, dass sich Taxifahrer angeblich abgesprochen haben sollen, wegen negativen Vorfällen keine Bewohner der Alheimer-Kaserne mehr zu transportieren, hatte es Gerüchte gegeben. „Wir fahren regelmäßig zur Kaserne. Und es gibt auch keinen Grund, das nicht zu tun“, sagt Torsten Fink, Standortleiter Rotenburg des Taxiunternehmens Markgraf.

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