Hotelbau rückt in weite Ferne

Nächste Absage für Hotelprojekt auf dem Gelände des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf

Am Strand in Meeschendorf wächst statt dem geplanten Familienhotel in Toplage derzeit höchstens das Gras in die Höhe. Unser
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Am Strand in Meeschendorf wächst statt dem geplanten Familienhotel in Toplage derzeit höchstens das Gras in die Höhe. Unser

Nach Bürgern hat sich auch das Land Schleswig-Holstein gegen den geplanten Hotelneubau auf dem Gelände des Kreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf auf Fehmarn ausgesprochen.

Hersfeld-Rotenburg/Fehmarn – Im April waren es Fehmarns Bürger, die den Bau eines Familienhotels in Meeschendorf gestoppt haben: Bei einem Bürgerentscheid sprach sich eine Mehrheit gegen die Pläne von Jufa Hotels auf der Ostseeinsel aus. Jetzt ist bekannt geworden, dass offenbar auch das Land Schleswig-Holstein wenig von dem Hotelprojekt des österreichischen Unternehmens auf dem Gelände der ehemaligen Ferienstätte des Landkreises hält, von dem auch die Hersfeld-Rotenburger profitieren sollten.

Einer für die Bebauung nötigen Änderung des Flächennutzungsplans hat das Innenministerium bereits am 10. Juni nicht zugestimmt. Das bestätigt die Verwaltung der Ostseeinsel auf Nachfrage unserer Partnerzeitung Fehmarnsches Tageblatt. Nachdem die Stadtvertretung im Dezember 2020 abschließend grünes Licht für das Familienhotel am Südost-Strand gegeben hatte, lag die Entscheidung beim Ministerium.

Es sei nicht unüblich, dass erst der Ausgang eines Bürgerentscheids abgewartet und dann abschließend eine Entscheidung getroffen werde, so der Fachbereichsleiter Bauen und Häfen der Stadt Fehmarn, Benjamin May. Nach dem Bürgerentscheid habe wohl kein direktes Planungsbedürfnis mehr vorgelegen, das im Flächennutzungsplan als Sondergebiet „Ferienlager“ ausgewiesene Gelände in ein Sondergebiet „Hotel“ umzuwandeln, so May zu möglichen Beweggründen des Ministeriums. Zudem habe das Innenministerium bereits zuvor Bedenken gegen den Hotelstandort geäußert. Das weitere Vorgehen sei eine politische Entscheidung und die Kommunalpolitik der Ostseeinsel am Zug, so der Bauamtschef. Die darf sich aufgrund des Bürgerentscheids allerdings ohnehin zwei Jahre lang nicht mit einer Hotelplanung an diesem Standort befassen.

„Alle Beteiligten sind in Gesprächen“

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist Meeschendorf ebenfalls wieder ein Thema – nachdem sich der Kreistag nach langen und teils emotionalen Diskussionen zunächst 2018 gegen einen Verkauf für 2,18 Millionen Euro und im Folgejahr für einen Erbpachtvertrag mit Jufa Hotels entschieden hatte. „Alle Beteiligten sind in Gesprächen und sind an einer schnellstmöglichen Lösung interessiert“, sagt Kreis-Sprecherin Jasmin Krenz. Unbeantwortet bleibt die Frage nach dem Inhalt der Gespräche und den Auswirkungen der zweifachen Absage auf den über 75 Jahre laufenden Erbpachtvertrag. Dieser sieht den Bau eines Familienhotels vor, das bis zum 30. Juni 2024 bezugsfertig sein sollte – was nicht mehr möglich ist. „Die Ergebnisse werden bekannt gegeben, sobald diese feststehen“, heißt es vom Kreis – voraussichtlich also erst in der Amtszeit des neuen Landrats. Am 1. September folgt Torsten Warnecke (SPD) auf Dr. Michael Koch (CDU).

Auch Jufa Hotels bittet auf Anfrage unserer Zeitung um etwas Geduld: In Österreich laufe derzeit noch die Hochphase der Urlaubszeit, so Vorstands-Assistentin und Projektentwicklerin Claudia Oberhofer. „Tatsache ist: Wir sind im Austausch mit der Stadt Fehmarn und dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg.“

Auch die Planer für das Kreis-Grundstück in Meeschendorf seien beauftragt. Die Hotelgruppe aus Österreich hatte bereits vor dem Bürgerentscheid eingeräumt, bei einem „Nein“ zum Familienhotel keine fertige Alternative zu haben. (Clemens Herwig Und Andreas Höppner)

So war der Bürgerentscheid im April gelaufen

So wurden die Pläne für das Familienhotel vorgestellt

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