Zähes Großprojekt

Neue B83-Brücke zwischen Bebra und Rotenburg wird frühestens im Sommer 2022 fertig

Der B83-Brückenneubau zwischen Bebra und Lispenhausen - hier ist das unfertige Bauwerk von der Bundesstraße 27 aus fotografiert - ist auch abhängig von Sperrpausen der Bahn, sobald der Schienenverkehr betroffen ist.
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Der B83-Brückenneubau ist auch abhängig von Sperrpausen der Bahn, sobald der Schienenverkehr betroffen ist.

Der Neubau der B83-Brücke, die zwischen Bebra und Lispenhausen über die Bahngleise führt, wird wohl erst im Sommer abgeschlossen sein.

Bebra/Lispenhausen – Das teilt Hessen Mobil auf Nachfrage mit. Das Großprojekt sorgt seit November 2018 dafür, dass der Verkehr über eine aufwendig ausgebaute Umgehungsstraße durch das Bebraer Industriegebiet fließt. Der Abschluss des Brückenbaus hatte sich durch Lieferengpässe, die Abhängigkeit von den Sperrpausen der Bahn und unbeständige Witterung bereits mehrfach verzögert. Ursprünglich sollte die Baustelle schon im November 2020 geräumt werden, dann im Frühjahr 2021. Zuletzt hieß es, der Verkehr werde ab Herbst über die neue Brücke rollen.

Beim Ersatzneubau der B83-Brücke handele es sich um eine sehr komplexe Maßnahme, bei der die Rahmenbedingungen von hoher Bedeutung seien, heißt es dazu von Hessen Mobil. Für die erneute Verzögerung sorge beispielsweise der Asphalt auf der Brücke: Der sollte im September und Oktober vergangenen Jahres fertig werden, nur habe das Wetter nicht mitgespielt. Weil auch im Winter nicht asphaltiert werden könne, ergebe sich eine längere Zwangspause. Hinzu kommen laut der Straßenverkehrsbehörde weiterhin pandemiebedingte Lieferengpässe, „die eigentlich alle Baumaterialien betreffen“.

Die Materialknappheit hatte die Arbeiten schon wiederholt ins Stocken gebracht. So fehlte es beispielsweise an Holz für Schalungen, also die Gussformen für Betonteile. Auch die 60 Meter langen und mehr als 100 Tonnen schweren Stahlträger für die Brücke konnte ein Marburger Werk nicht rechtzeitig liefern.

Die Auswirkungen auf die Baustelle waren enorm – zumal eine bereits mit der Bahn vereinbarte Sperrpause kippte. Sobald der Schienenverkehr betroffen ist, müssen mit langem Vorlauf Zeitfenster mit dem Unternehmen ausgehandelt werden. Als die fünf Stahlkolosse in fünf aufeinanderfolgenden Nächten im September 2020 endlich verbaut werden konnten, hatte Hessen Mobil „fast ein komplettes Jahr“ verloren.

Großprojekt für 26 Millionen Euro

Auch der nun angestrebte Termin im Sommer ist mit einem Fragezeichen versehen: Sollte es erneut einen Wintereinbruch wie im Februar vergangenen Jahres geben, könne es zu weiteren Verzögerungen kommen, so Sprecherin Jana Gutsche. Der Verkehr über die neue Brücke soll sechs bis acht Wochen vor Abschluss aller Restarbeiten wieder freigegeben werden. Die Umgehungsstraße werde dann seitens Hessen Mobil „erst einmal nicht mehr benötigt“. Allerdings gebe es Bestrebungen der Städte Bebra und Rotenburg, die Strecke zu erhalten.

Das Großprojekt samt Umleitungsstrecke soll rund 26 Millionen Euro kosten, Bahn und Bund tragen jeweils 50 Prozent. „Inwieweit es zu weiteren Kostenerhöhungen kommen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden“, so Gutsche. Der Preis für die neue Brücke war schon einmal regelrecht explodiert: Ursprünglich rechnete Hessen Mobil mit zwölf Millionen Euro.

Bebra und Rotenburg wollen Umgehungsstraße behalten

Die Städte Bebra und Rotenburg wollen die Umgehungsstraße mit Anbindung an die B 27 auch dann behalten, wenn die neue Brücke fertig ist. Zu klären sind dafür allerdings die Frage, was das kostet, und ein Problem bei der künftigen Entwicklung des Bebraer Gewerbegebiets.

Das hat sich seit Beginn des Großprojekts Brückenneubau weiterentwickelt. Unter anderem sitzt Werkzeughersteller Hilti direkt an der gut ausgebauten Umgehungsstraße: Ein zuvor nur geschotterter Wirtschaftsweg wurde auf acht Meter und die Justus-Liebig-Straße stellenweise sogar auf zehn Meter verbreitert. Weil Letzteres für eine reine Umgehung nicht nötig gewesen wäre, hatte sich die Stadt Bebra am Ausbau im Industriegebiet beteiligt und sich 475 Meter rund 90 000 Euro kosten lassen. Dieser Abschnitt, so Bauamtsleiter Patrick Schuster, werde nicht zurückgebaut.

Problematisch wird es dagegen an der Kreuzung zur Bundesstraße 27. Was als „Übergangslösung“ funktioniere, sei auf Dauer schwierig. Das hat mehrere Gründe: Die Gewerbefläche im Nordosten, die mittlerweile im Besitz des VR-Bankvereins ist, wird durch die Umgehung abgeschnitten und ist derzeit nur zu Fuß erreichbar. Bebra will den Industriegebietsteil aber weiter entwickeln. Die Umgehungsstraße verläuft an der B 27 zudem über eine Fläche von Hessen Forst Technik und macht dort die Otto-Hahn-Straße zur Sackgasse ohne echte Wendemöglickeit – was auch nicht als Dauerlösung geplant war. Ebenfalls zu klären wäre, wer die Ampelanlage zahlt, ohne die ein Anschluss an die Bundesstraße nicht funktioniere.

Durch die Umgehungsstraße für den Neubau der B83-Brücke ist das Bebraer Industriegebiet oberhalb der Ampel an der Bundesstraße 27 derzeit nur zu Fuß erreichbar. Dort endet die ursprüngliche Justus-Liebig-Straße.

Hinzu kommt laut Patrick Schuster, dass auch auf der nahen B 27 auf absehbare Zeit drei weitere Brücken erneuert werden müssen. „Daher gab es Überlegungen, die Umfahrung für diese neuen Baustellen zu nutzen und vorerst zu erhalten“, so der Bebraer Bauamtsleiter.

Die Umgehungsstraße beginnt in Lispenhausen und könnte aus Rotenburger Sicht als weitere Zufahrt zum geplanten Neubaugebiet erhalten werden, sagt Stadtsprecherin Annika Ludwig. Zudem könnte im unteren Bereich ein neues Mischgebiet entstehen, das gemeinsam mit dem Hilti-Areal ein interkommunales Gewerbegebiet mit Bebra bilden könnte. Beide Städte wollen sich nun mit Hessen Mobil abstimmen. (Clemens Herwig)

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