Hotelbauer mit neuem Anlauf

Neue Jufa-Pläne für ehemalige Ferienstätte des Kreises

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So stellt sich Jufa das Ergebnis vor: Statt eines Langhauses mit Anbau sollen nun drei Gebäude entstehen.

Die Rückmeldung aus dem Bau- und Umweltausschuss der Ostseeinsel Fehmarn im Oktober war eindeutig: Ja zum Hotel, aber nicht in der geplanten Größe.

Nun hat das österreichische Unternehmen Jufa Hotels das Konzept für das Grundstück der ehemaligen Ferienstätte des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf auf Fehmarn überarbeitet – doch die Skepsis auf der Insel bleibt.

Ursprünglich sollte der Bau- und Umweltausschuss bereits Mitte März über die Billigung des neuen Bebauungskonzeptes entscheiden. Doch kurz vor der Sitzung erreichte die Coronakrise den Kreis Ostholstein, zu dem Fehmarn gehört. Die Stadtverwaltung vertagte daraufhin sämtliche Sitzungen, derzeit ist die Insel für den Tourismus abgeriegelt. Der Ausschussvorsitzende Andreas Herkommer ist zudem skeptisch, ob der nächste Termin Ende April stattfinden kann.

Wann über die neuen Jufa-Pläne entschieden wird, ist daher unklar. Eine Frist zumindest gibt es: Am 23. Juni 2021 tritt der auch für Fehmarn geltende 150 Meter lange Küstenschutzstreifen endgültig in Kraft, in dem ein Großteil der Anlage liegen wird. Bis dahin müsste Baurecht geschaffen werden.

Vorgesehen auf dem rund 10,9 Hektar großen Gelände in Meeschendorf sind statt eines viergeschossigen Langbaus mit Flachdach und Anbau nun drei in Hufeisenform angeordnete Häuser mit jeweils drei Geschossen, Satteldach sowie einem Dachgeschoss mit Wellnessbereich im Haupthaus. Die Zimmerzahl insgesamt: 96. Zudem soll es einen Parkplatz mit 48 Plätzen nicht nur für Hotelgäste, sondern auch Besucher geben. Geplant ist etwa ein öffentliches Restaurant samt Terrasse.

Bereits im Oktober hatte die Betreiberin des angrenzenden Campingplatzes den Schattenwurf durch den Hotelbau bemängelt. Mit einer Studie will Jufa Hotels die Bedenken zerstreuen. Demnach seien durch Neubau je nach Jahreszeit sogar weniger Camping-Stellplätze von Verschattung betroffen. Gezeigt wird der Schattenwurf um 15 und 17 Uhr. „Erst danach wird es doch vom Sonnenstand her richtig interessant“, kritisiert allerdings Andreas Herkommer (SPD).

Dem Bauausschuss-Chef ist das Hotel immer noch zu groß. Allerdings seien sich die Sozialdemokraten – mit sieben von 23 Sitzen stärkste Kraft im Parlament auf Fehmarn – bei den Jufa-Plänen nicht einig. 

Zu hoch, zu lang, zu viel Schattenwurf: Nach der Ausschusssitzung im Oktober hatte Jufa Hotels einige Hausaufgaben zu erledigen. Das Unternehmen hat nachgebessert. 

Der neue Vorschlag von nunmehr drei Gebäuden auf dem Gelände in Meeschendorf kommt nicht überall auf Fehmarn gut an. „Wie kann es sein, dass jetzt ein neuer Entwurf zur Abstimmung vorliegt, der diese Forderungen keineswegs berücksichtigt“, fragt etwa die Betreiberin des benachbarten Campingplatzes in einem Leserbrief im Fehmarnschen Tageblatt. Der aktuelle Entwurf beinhalte weiterhin eine Bebauung mit erdrückender Wirkung. Die nun geplanten Satteldach-Häuser – mit denen sich Jufa Hotels an die ortstypische Bauweise anpassen will – seien mit bis zu 15,4 Metern sogar höher als der vormals angedachte Langbau mit einer Höhe von 14 Metern und Flachdach. „Wieso sollten einem externen Investor derartige Zugeständnisse gemacht werden?“, heißt es weiter. 

Jufa Hotels äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung bisher nicht. Das Unternehmen braucht die Zustimmung der Politik auf Fehmarn, weil das derzeitige Baurecht kein Hotel zulässt. So muss etwa der Flächennutzungsplan vom „Sondergebiet Ferienlager“ zum „Sondergebiet Hotel“ geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Zudem hat das Land Schleswig-Holstein 2016 einen 150 Meter breiten Küstenschutzstreifen an Nord- und Ostsee festgelegt. Dort gilt Bauverbot, etwa für Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze. Die Ausnahme: Es gibt bereits Bebauungs- beziehungsweise Flächennutzungspläne oder diese werden bis zum 23. Juni 2021 rechtskräftig. Dafür müssen sich Jufa Hotels und die Politik der Ostseeinsel aber einig werden. 

Bereits vor der Corona-Krise war auf Fehmarn erst mit einer Entscheidung Ende des Jahres gerechnet worden. Das dortige Bauamt ist zuversichtlich, dass die Frist trotz der verlorenen Zeit eingehalten werden kann: „Wir haben das sehr bewusst im Blick. Das ist auch für die Stadt Fehmarn ein wichtiges Projekt“, sagt Amtsleiter Benjamin May. Der grundsätzliche Beschluss für das Hotel sei gefallen, jetzt gehe es um das Wie. Der Bebauungsplan wird im Wesentlichen vom Bau- und Umweltausschuss begleitet und beschlossen, das letzte Wort hat das Stadtparlament. Auch auf Fehmarn könnten politische Gremien in der Corona-Krise mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen notfalls tagen. 

Und wenn für das Projekt nicht rechtzeitig Baurecht vorliegt? „Der Vertrag verpflichtet die Jufa, ein familienfreundliches Hotel mit Freizeitinfrastruktur nach Maßgabe der Bewerbungsunterlagen zu errichten“, hieß es im Oktober vom Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Vertraglich ist festgehalten, dass der Neubau bis bis zum 30. Juni 2024 bezugsfertig sein muss. Darüber hinaus verweist das Landratsamt beim Rücktrittsrecht auf Jufa Hotels.

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