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Worpsweder Kunstszene im Blick: Ausstellung im Rotenburger Kreisheimatmuseum

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Von: Susanne Kanngieser

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Paul-Heyse-Epigramm: Im Ölgemälde von Karl Uffrecht ist ein Zitat des großen deutschen Schriftstellers enthalten. Museumspädagogin Lisa Heckeroth hat es entdeckt, verrät aber den Besuchern der Querschnitt-Ausstellung erst mal nichts.
Paul-Heyse-Epigramm: Im Ölgemälde von Karl Uffrecht ist ein Zitat des großen deutschen Schriftstellers enthalten. Museumspädagogin Lisa Heckeroth hat es entdeckt, verrät aber den Besuchern der Querschnitt-Ausstellung erst mal nichts. © Susanne Kanngieser

„Querschnitt“ ist der Titel einer außergewöhnlichen Ausstellung, die zurzeit im Kreisheimatmuseum Rotenburg zu sehen ist. Dabei handelt es sich um nur einen Ausschnitt einer umfangreichen Sammlung eines Kunstsammlers, Kunstanstifters, eines Schrittmachers der Kunst.

Rotenburg – Gezeigt werden 70 Exponate von 30 Künstlern, die mit ganz unterschiedlichen Materialien Werke erschaffen haben, die staunen und faszinieren lassen, aber die nicht an die neuesten Moden und Agenden angepasst sind.

Im Mittelpunkt steht die junge Worpsweder Kunstszene. Expressionistische Bilder mit geschmackvollen Farben von Eva Brexendorf zum Beispiel. Sie fühlt sich dem Fantastischen Realismus verpflichtet. In Worpswede kann man ihr bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und erleben, wie eine Worpsweder Landschaft entsteht.

Ausgestellt ist aber auch die Radierung „Weihnachten“ (1912) von Heinrich Vogeler, dem jüngsten und zugleich letzten Mitglied der alten Worpsweder Malervereinigung.

Vielseitig sind Techniken und Stilrichtungen der Werke. Da gibt es nichts, was es nicht gibt: Bilder aus Öl oder Acryl, Collagen, Plastiken, Fotoarbeiten, Holzschnitt, Skulpturen aus Stein oder Stahl, eine tänzelnde Ballerina aus Papier – eine größere Bandbreite sucht ihresgleichen. Es sind auch Arbeiten der syrischen Künstlerin Arya Atti darunter. Aktuelle Kunst und eine geradezu stillstehende Zeit treffen hier zusammen. Das Konzept dahinter ist mehr als stimmig, es ist nur scheinbar ungeordnet. Die Besucher können auf angenehme Art in ein Kunsterleben eintauchen und dabei gleichzeitig eine kontemplative, eine innige Begegnung mit unterschiedlichen Sujets erleben. Die Kunst ist frei, die Künstler erheben ihr Haupt, provozieren, erobern ihren Platz in der Welt. Das ist absolut beeindruckend zu erleben in dieser großartigen Schau, die so wunderbar in das Kreisheimatmuseum passt. Es scheint, als hätten alle Exponate ihren Sammler gefunden.

Nicht vergessen werden in „Querschnitt“ auch die lokalen Kreativen wie Peter Zirbes oder Katja Königshof und Cornelia Assi vom Kunstverein Bad Hersfeld, Silvia Dostal aus Schenklengsfeld oder Karen König aus Melsungen.

Aus dem Rahmen gefallen: „Ungeliebt“ nennt eine Künstlergruppe aus dem Ruhrgebiet dieses Exponat. Kinder, die das Kreisheimatmuseum besuchten, wollten den Müll schon beseitigen, sagt Museumspädagogin Lisa Heckeroth. Aber: Er gehört dazu, denn das Werk will provozieren.
Aus dem Rahmen gefallen: „Ungeliebt“ nennt eine Künstlergruppe aus dem Ruhrgebiet dieses Exponat. Kinder, die das Kreisheimatmuseum besuchten, wollten den Müll schon beseitigen, sagt Museumspädagogin Lisa Heckeroth. Aber: Er gehört dazu, denn das Werk will provozieren. © Kanngieser, Susanne

Man sollte sich Zeit nehmen für diese Schau. Hier gibt es viel zu sehen, und selbst Kunstbanausen können sich bestimmt für das eine oder andere Objekt begeistern.

Der Sammler mag selbst nicht im Vordergrund stehen und lässt viel lieber seine Sammlung sprechen. Er bietet diesem speziellen Segment in der zeitgenössischen Kunst eine neue Bühne und stellt die Künstler, ihre Werke und ihre Protagonisten in den Mittelpunkt.

„Querschnitt“ ist noch bis Sonntag, 13. November, mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Gruppen können sich auch für andere Termine anmelden. Im Kreisheimatmuseum besteht nach wie vor Maskenpflicht. Der Eintritt ist frei.

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