41. Band von "Rund um den Alheimer"

Geschichtsband für den Altkreis Rotenburg: Die Abort-Spülung als Preistreiber

+
Ein schöner Traum: Die Collage deutet an, dass die RMW fast unter die Autobauer gegangen wäre.

Der Geschichtsband "Rund um den Alheimer" erzählt Geschichte und Geschichten aus dem Altkreis Rotenburg. Nun ist die 41. Ausgabe erschienen. 

Es ist auf jeden Fall ein Hingucker, der den aktuellen Band „Rund um den Alheimer“ ziert: Das Titelfoto des vom Geschichtsverein Altkreis Rotenburg herausgegebenen 41. Bandes zeigt in einer Collage den Kleinwagen „Pinguin“ mit dem RMW-Logo. Kaum jemand weiß, dass der Unternehmensgründer der Rotenburger Metallwerke RMW, Rudolf Stierlen, Lizenznehmer eines in Herne konstruierten Kleinwagens war. 

Fast wären die RMW unter die Automobilhersteller gegangen. Doch nach einer ersten Kleinserie wurden die Pläne vereitelt. Das und vieles mehr erörtern die beiden früheren Rotenburger Stadtarchivare Albert Deist und Klaus-Peter Paulus im zweiten Teil der Unternehmensgeschichte.

Heiko Ries beschäftigt sich in seinem Aufsatz mit Meilerplatten und Pechöfen in der Umgebung des Wildecker Tales. Die neuzeitliche Kupferschieferindustrie im Richelsdorfer Gebirge war Großabnehmer von Holzkohle, die zur Verhüttung als Energieträger notwendig war.

Kaufpreisargument: Bei Hochwasser spült die Fulda den Abort

Vor 60 Jahren wurde die neue Lüdersdorfer Kirche mit ihrem charakteristischen freistehenden Turm oberhalb des Dorfes eingeweiht. Auch die Vorgängerkirche ist noch heute mitten im Dorf vorhanden. Was es mit dieser Besonderheit der zwei Kirchen auf sich hat, hat Martin Ludwig recherchiert.

Über eine Akte aus dem Staatsarchiv Marburg kam die Familienkundlerin Christa Hein einer besonderen Episode der Rotenburger Geschichte auf die Spur: 1882 musste das Haus des Goldschmiedes Georg Wilhelm Hein an der Brückengasse dem Bau der eisernen Brücke weichen. Herr Hein wollte den Wert seines Hauses mit der Begründung erhöhen, dass sein Abort die Vorzüge besitzt, bei Hochwasser der Fulda ausgespült zu werden, und somit keine Reinigungskosten anfallen.

Auch über die relativ unbekannten barocken Malereien an den Emporenbrüstungen der 1239 erstmals belegten evangelischen Kirche von Gilfershausen wird berichtet. Um 1721 wurde das Langhaus der Kirche erhöht, die oberen Emporen eingebaut und die Malereien angebracht. Der Kunsthistoriker Dr. Götz J. Pfeiffer beschreibt sie.

Über das 1960 fertiggestellte Internat in Rotenburg an der Jakob-Grimm-Schule, schreibt Reinhold Salzmann. Er beleuchtet die Internatsgeschichte, die auf die deutsche Teilung zurückgeht. Viele Bürger verließen damals die DDR, darunter auch Jugendliche, die ihre Schulausbildung nicht beendet beziehungsweise keine Zugangsberechtigung zu westdeutschen Universitäten hatten. Sie konnten nun das Internat besuchen und sich an der JGS qualifizieren. 

Reinhard von Bodelschwingh schließlich spannt mit seinem Aufsatz über die Kirchenpatronate den Bogen vom Mittelalter zur Gegenwart. Er geht auf erloschene und noch bestehende Patronate in Richelsdorf, Nentershausen, Schwarzenhasel, Solz und Wichmannshausen ein.

Rund um den Alheimer: 84 Seiten, 9,50 Euro, im Buchhandel und beim Geschichtsverein Altkreis Rotenburg. Kontakt: Andreas Rehs, Telefon 0 66 23/4 15 48, E-Mail: andreas.rehs@web.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.