Interview mit dem neuen Tourismusbeauftragten Jörg Peters

Tourismus in Hersfeld-Rotenburg: „Unsere Gastgeber sind authentisch“

Wegweiser mit Symbolcharakter: Weil sich Jörg Peters als Schnittstelle im Landkreis Hersfeld-Rotenburg versteht, aber auch darüber hinaus, hat er sich für das Foto diese Stelle bei Kathus am R1 und R7 ausgesucht. Denn die Radwege verbinden nicht nur Bad Hersfeld, Rotenburg und das Werratal, sondern führen auch nach Schlitz, der Heimat des 43-Jährigen, der selbst gerne auf dreierlei Art wandert: klassisch zu Fuß, mit dem Rad und auf dem Wasser mit dem Paddelboot.
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Wegweiser mit Symbolcharakter: Weil sich Jörg Peters als Schnittstelle im Landkreis Hersfeld-Rotenburg versteht, aber auch darüber hinaus, hat er sich für das Foto diese Stelle bei Kathus am R1 und R7 ausgesucht. Denn die Radwege verbinden nicht nur Bad Hersfeld, Rotenburg und das Werratal, sondern führen auch nach Schlitz, der Heimat des 43-Jährigen, der selbst gerne auf dreierlei Art wandert: klassisch zu Fuß, mit dem Rad und auf dem Wasser mit dem Paddelboot.

Seit September ist Jörg Peters aus Schlitz neuer Tourismusbeauftragter des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Wir haben mit ihm über seine Pläne in schwierigen Corona-Zeiten gesprochen.

Hersfeld-Rotenburg – Im Interview spricht Jörg Peters über die touristischen Stärken der Region, darüber, wo es noch Nachholbedarf gibt, über Autobahnabfahrten und darüber, wie Corona die Reisegewohnheiten ändern könnte.

Herr Peters, was macht eigentlich ein Tourismusbeauftragter in Zeiten, in denen man am besten im eigenen Zuhause bleibt?
(lacht) Als ich angefangen habe, hatten wir ja noch eine etwas entspanntere Coronalage. Da ging es erst mal darum, das Netzwerk kennenzulernen in der Region, mit der Grimmheimat, den Touristischen Arbeitsgemeinschaften, den Leader-Regionen. Die Netzwerkarbeit ist ein Kern meiner Stelle. Ich bin Ansprechpartner, vor Ort, aber auch über die Kreisgrenzen hinweg. Also: Wir tauschen uns natürlich auch in diesen Zeiten aus über die Themen, die den Tourismus betreffen – wenngleich das jetzt natürlich vornehmlich per Videokonferenz geschieht.
Welche Themen sind das?
Ein ganz großes Thema ist der Radtourismus. Damit verbunden ist etwa bei den Touristischen Arbeitsgemeinschaften der Wunsch und die Erwartung, die Qualität des Radwegenetzes zu heben und, wenn möglich, es um weitere Wege zu erweitern. Auch wenn es nicht explizit ums touristische Radfahren geht: Meine Vorgängerin Hannah Duschek hatte ja bereits ein Radverkehrskonzept angeregt, das da natürlich auch reinspielt. Der Kreistag hat das Konzept kürzlich beschlossen. Ab dem nächsten Jahr können wir damit starten. Das werde ich dann natürlich mitbegleiten.
Sie kommen gebürtig aus der Wetterau und haben einen Blick von außen: Wie ist der Kreis Hersfeld-Rotenburg touristisch aufgestellt?
Der Landkreis ist gut und heterogen aufgestellt. Wir organisieren uns auf Kreisebene in den Arbeitsgemeinschaften, unsere übergeordnete Region ist die Grimmheimat. Und das ist ein echter Pluspunkt. Denn die Grimmheimat ist die größte und stärkste Destination in Hessen. Von dieser Infrastruktur, von den Ideen und Konzepten profitieren wir auf Kreisebene.
Wo sehen Sie noch Potenziale?
Beim Radtourismus. Wir liegen an zwei Premiumflussradwegen, dem Fuldaradweg und dem Werratalradweg. Sie bringen uns hochwertige Gäste mit hochwertigen Fahrrädern, die auch hochwertige Angebote suchen. Da müssen wir uns gut aufstellen, dass wir diese Gäste halten und Regioradler hinzugewinnen.
Regioradler?
Ja, so nennt man sie tatsächlich. Regioradler haben eine Basis-Unterkunft, bleiben in der Regel fünf bis sechs Tage in einer Region, um sie dann mit dem Rad zu erkunden. Unser Ziel sollte es sein, dass diese Regioradler ihre Basis hier im Landkreis wählen. Dafür gibt es genug Argumente: Wir sind gut erreichbar, wir haben Fachwerk, die nördliche Kuppenrhön mit den „weißen Bergen“, auch das Grenz-Thema ist spannend für viele Gäste. Es lässt sich prima wandern im Landkreis. Und natürlich ist auch der Kulturtourismus mit dem Fokus auf die Bad Hersfelder Festspiele ein großes Thema.
Als Tourismusbeauftragter können Sie sich bestimmt gut in Urlauber hineinversetzen: Gibt es etwas, das Ihnen aus touristischer Sicht hier noch fehlt?
Es gibt bestimmt das eine oder andere, das man vielleicht noch brauchen könnte, wenn wir an touristische Infrastruktur denken. Wichtig ist aber vor allem, die touristischen Informationen für den Gast zusammenzufassen, damit er in die Lage versetzt wird, sich begeistern zu lassen für diese Region – und das nicht auf sieben, acht, neun Internetseiten, sondern zusammengefasst und übersichtlich präsentiert. Da können wir uns, Stichwort Digitalisierung, auf jeden Fall noch besser aufstellen.
Könnten Sie ein Beispiel nennen?
Zum Beispiel müssen wir die kleineren Gastgeber in Sachen Marketing und Außendarstellung stärken: Wie fotografiere ich meine Ferienwohnung? Wie bringe ich sie ins Internet? Biete ich digitale Bezahlfunktionen an? Wir müssen dafür sorgen, dass Gastgeber, unsere Leistungsträger vor Ort, geschult werden, damit sie der Grimmheimat die für den Gast relevanten Informationen liefern können. Dabei geht es auch darum, wie man sich mit Fotos darstellt, wichtig ist ebenso das Thema digitale Buchbarkeit. Bei den großen Hotels ist das längst selbstverständlich. Bei kleineren Ferienwohnungen oftmals noch nicht.
Angenommen, Sie würden im nächsten Jahr über die Internationale Tourismus-Börse in Berlin schlendern und Messegäste fragen, was sie mit dem Kreis Hersfeld-Rotenburg verbinden. Welche Antworten würden Sie bekommen?
Die Bad Hersfelder Festspiele würden bestimmt öfter genannt werden. Ich glaube, dass auch Themen wie Fachwerk und die Flussradwege überregional mit unserem Landkreis in Verbindung gebracht werden. Und mit Sicherheit die zentrale Lage. Bad Hersfeld und Umgebung nimmt man einfach wahr, wenn man auf Reisen ist. Und das Schöne ist ja, dass wir neben den Autobahnen auch zahlreiche Autobahnabfahrten haben, die man nutzen kann, um hier Urlaub zu machen.
Bleiben wir noch mal kurz gedanklich auf der ITB: Mit welchen drei Ausflugszielen würden Sie die Messegäste ins Kreisgebiet locken?
Ich würde eher über die Themen kommen, weil ich glaube, dass viele Menschen ihren Urlaub heutzutage nach bestimmten Interessen auswählen, etwa wenn sie gerne wandern, radfahren oder wasserwandern. Sportliche Aktivitäten in der Natur, Entschleunigung, ein sinnhafter, wertiger und nachhaltiger Urlaub – das ist authentisch und das können wir. Schauen Sie sich unsere waldreiche Landschaft an. In der heutigen Zeit ist es übrigens sicherlich nicht schlecht, wenn man das in sein Schaufenster stellen kann.
Apropos Wald: Früher hat der Landkreis mit der touristischen Wortschöpfung „Waldhessen“ für die grüne Mittelgebirgslandschaft um Gäste geworben. Was ist eigentlich aus diesem Begriff geworden? Nutzen Sie ihn noch?
Nein, er wird meines Wissens nicht mehr genutzt. Man ist in den vergangenen Jahren touristisch einfach eine Ebene höher gegangen – und wirbt jetzt mit der Grimmheimat.
Die Branche ist durch die Coronapandemie stark gebeutelt, zeitweise gab es Übernachtungsverbote. Inwieweit wird die Pandemie den Tourismus verändern?
Was hoffentlich bleiben wird, ist der Trend, Urlaub im eigenen Land zu machen. Das merken wir auch. Die Erlebnisregion Mittleres Fulda hat beispielsweise jetzt einen guten Sommer gehabt. Der Tourismus wird sich hoffentlich in die Richtung entwickeln, dass er für eine gute Wertschöpfung in der jeweiligen Region sorgt. Ich glaube, dass viele Menschen durch Corona dafür sensibilisiert worden sind, dass es sich lohnt, ein bisschen mehr in den Urlaub zu investieren. Ein toller Gastgeber, der regionale Produkte auf den Frühstückstisch bringt – das gibt vielen Menschen ein gutes Gefühl.
Wie macht ein Tourismusbeauftragter Urlaub?
Privat bevorzugen meine Familie und ich naturnahen Urlaub. Ich bin kein Ressorturlauber.
Haben Sie schon Ihren nächsten Urlaub geplant?
Ja. Wir werden auf die schöne Insel Rügen fahren und dort campen.

Zur Person

Jörg Peters (43) ist seit September Tourismusbeauftragter des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Der gebürtige Büdinger (Wetteraukreis) hat in Fulda Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaft studiert und sich mit der Entwicklung des ländlichen Raums beschäftigt. Später arbeitete er bei einer Unternehmensberatung und für eine Outdoor-Event-Firma.

Radeln in Rotenburg: Der Premiumflussradweg entlang der Fulda zählt zweifellos zu den touristischen Highlights im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Zuletzt war er sieben Jahre bei einer kommunalen GmbH in Bad Salzschlirf (Landkreis Fulda) beschäftigt und dort für die Marketing und Kulturarbeit zuständig. Jörg Peters lebt mit seiner Frau und Kindern in Schlitz im Vogelsbergkreis. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Familie draußen in der Natur. Die Lieblingsreiseziele des Tourismusbeauftragten sind das Elbsandsteingebirge und Rügen. (Sebastian Schaffner)

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