2014 hatte eine Windböe den alten Hahn vom Dach geweht

Neuer Wetterhahn für Gilfershausen

Der Gilfershäuser Kirchturm ist wieder komplett: Kürzlich wurde der neue Wetterhahn auf die Spitze gesetzt. Foto: Hefter

Gilfershausen. Fast zwei Jahre lang war die Spitze des Gilfershäuser Kirchturms verwaist, jetzt sitzt dort wieder ein Wetterhahn: Möglich wurde das durch großzügige Spender und eine beispielhafte Gemeinschaftsaktion.

Küster Otto Schmidt erinnert sich noch gut an den 28. Dezember 2014: Als er morgens zum Kirchturm schaute, sah er sofort, dass der alte Wetterhahn verschwunden war. Eine heftige Windböe hatte ihn in der Nacht vom Dach gefegt. Zwar fand sich der Wetterhahn auf der Wiese hinter der Kirche wieder, wo er mit den Füßen nach unten im Gras steckte. Doch er war so lädiert, dass er nicht mehr zu verwenden war.

Ein neuer Hahn sollte her, für möglichst wenig Geld. „Die Gemeinde ist arm, wir hätten uns keinen kaufen können“, berichtete der Küster beim Pressetermin. Man hätte allein für den Hahn etwa 4000 Euro aufwenden müssen.

Otto Schmidt erinnerte sich damals, dass die Zeichnungen des alten Wetterhahns noch existierten. Sie stammten vom Gilfershäuser Schmiedemeister Hans Adam, der den Wetterhahn kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aus Waggonblech gebaut hatte. Als weiterer Glücksfall erwies sich, dass Hans Adams Schwiegersohn Achim Eckhardt Ingenieur mit eigenem Betrieb in Unterhaun ist. Eigentlich werden dort Apparate für Wärmerückgewinnung gebaut, doch Eckhardt erklärte sich bereit, einen neuen Hahn zu konstruieren und seiner Kirchengemeinde zu stiften.

„Es war Tüftelarbeit“, bestätigte Eckhardt. Als schwierig erwies sich, dass der Kirchturm unterschiedliche Schrägen hat und der Hahn sozusagen auf schiefe Füße gestellt werden musste. Unterstützung bekam der Ingenieur von seinem Sohn Bastian Eckhardt, der nach dem Vorbild der alten Zeichnungen am Computer die Vorlage entwarf.

Zuerst fertigte man ein Holzmodell an, das auf dem Garagendach der Familie getestet wurde. „Schließlich wollten wir wissen, ob es die richtige Windrichtung anzeigt“, erläuterte Achim Eckhardt. Anschließend wurde der neue Wetterhahn mit einem Laserstrahl aus einer Edelstahlplatte heraus geschnitten. 24 Kilo wiegt das Teil, ist etwa 90 Zentimeter hoch und ebenso breit.

Nun musste man noch eine Lösung finden, wie man den Hahn auf die Turmspitze bekommt - in etwa 18 Meter Höhe. Helfen konnte die örtliche Jagdgenossenschaft, die kostenlos ein Gerüst zur Verfügung stellte. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bauten es auf. Außerdem gaben Spender fast 1500 Euro, mit denen ein großer Teil der Dachdeckerrechnung beglichen werden konnte. Mitarbeiter der Sontraer Firma Lehmann montierten den Hahn und reparierten Schäden an der Schieferabdeckung, die durch den Absturz entstanden waren.

Extra zum Pressetermin angereist war Axel Dück, bis vor kurzem Pfarrer der Kirchengemeinde. Er bezeichnete die Wetterhahn-Aktion als weiteren Aspekt für die Liebe und Wertschätzung, die die Gilfershäuser ihrer Kirche entgegenbringen.

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