Viele verlegen Taufen und Trauungen

Nur wenige heiraten kirchlich – Plus bei Standesämtern im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Ein Mann und eine Frau sitzen im Standesamt und wollen sich von einer Standesbeamtin trauen lassen.
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Außer dem Brautpaar und der Standesbeamtin (hier ein Symbolbild) dürfen bei Trauungen – je nach Standesamt – nur noch eine Handvoll weiterer Personen anwesend sein.

Immer weniger Hochzeiten und Taufen finden momentan statt. Bereits im vergangenen Jahr verzichteten einige wegen der Pandemie auf die kirchlichen Feste.

Hersfeld-Rotenburg – Der Grund dafür sei meistens, dass nur bedingt Gäste in der Kirche zugelassen seien. Auch der Verzicht auf eine anschließende Feier sei für viele der Anlass, ihre Trauzeremonie zu verschieben, sagt Imke Leipold, Pfarrerin in Schenklengsfeld und Wippershain. So verzeichnet der evangelische Kirchenkreis für 2020 nur 35 Trauungen, im Jahr davor waren es noch 126. Genaue Zahlen für dieses Jahr könne man noch nicht nennen, heißt es vonseiten des Kirchenkreises.

Bei den Standesämtern im Kreis hingegen ist die Anzahl der Eheschließungen im Vergleich zu 2019 teilweise sogar gestiegen. Seit Beginn dieses Jahres wurden in Bad Hersfeld 19 Eheschließungen vorgenommen, im vergangenen Jahr sogar 31. Und das, obwohl im Trauzimmer und im Kurhaus in Bad Hersfeld momentan nur das Brautpaar und der Standesbeamte anwesend sein dürfen, wie Matthias Heyer, Standesbeamter in Bad Hersfeld, berichtet. „Aber die Trauungen sind so oft emotionaler.“ Er rechne aber damit, dass im Sommer möglicherweise wieder mehr Gäste möglich sein könnten, falls die Inzidenz weiter fallen sollte und mehr Menschen geimpft seien.

Auch im Standesamt in Rotenburg erhöhte sich die Anzahl der Trauungen. Im Jahr 2020 gaben sich dort 68 Brautpaare das Ja-Wort, 2019 waren es elf weniger. Elf Ehen wurden in Rotenburg dieses Jahr bereits geschlossen. Die Stimmung bei den Paaren sei insgesamt sehr positiv. „Die Menschen gewöhnen sich langsam an die Pandemie“, sagt die Rotenburger Standesbeamtin Birgit Utermöhlen.

Taufen wurden im vergangenen Jahr ebenfalls öfter verschoben, berichtet Imke Leipold. 2020 wurden laut dem Evangelischen Kirchenkreis 209 weniger Taufen abgehalten als 2019. Besonders bei der Taufe sei es wichtig, dass die Familie dabei ist, so Leipold. Deshalb bieten einige Pfarrer im Kreis nun Taufen im Freien vor der Kirche oder bei der Tauffamilie im Garten an.

Familienfeier im Grünen

„Es war wunderschön“ – so beschreiben Dorothee und Alexander Schwab die Taufe ihres Sohnes Henri. Die junge Familie feierte im Herbst vergangenen Jahres unter freiem Himmel, im Garten von Dorothee Schwabs Großvater im Haunetaler Ortsteil Wehrda.

Eigentlich wollte das Paar auf den Ort der Kirche für die Taufe nicht verzichten, denn Dorothee Schwab ist in Haunetal aufgewachsen und mit der Kirche dort vertraut. Aufgrund der Pandemie musste aber eine andere Lösung gefunden werden. Verzichten wollten sie auf die Taufe von Henri nicht. So entstand die Idee, im Garten des Großvaters zu feiern.

Pfarrer Michael Zehender macht Taufen im Freien.

„Wir hatten alles, was man braucht, damit es ein schöner Gottesdienst wird“, sagt Dorothee Schwab. Einen Altar und Taufgeschirr besorgten die Schwabs selbst. Das Taufbecken, eine Keramikschüssel mit schwedischem Muster, fand in der Mitte eines herbstlichen Blumenkranzes einen Platz neben der Taufkerze und einem Holzkreuz. Das durften die Taufeltern aus der Kirche leihen.

Besonders bewegend sei der Taufakt selbst gewesen, erzählt Dorothee Schwab. Denn Alexander Schwab taufte seinen Sohn selbst, während Dorothee Schwab den Taufspruch sagte. Den Segen bekam Henri von Pfarrerin Imke Leipold. Da das gemeinsame Singen aufgrund der Corona-Regeln nicht möglich war, gaben Dorothee Schwab und ihr Stiefvater ein kurzes Gitarrenkonzert. Für die Familie und ihre Gäste sei die Taufe sehr persönlich und bewegend gewesen. „Es war ein beruhigender Gedanke, dass wir mit unseren Gästen draußen sein konnten“, sagt Dorothee Schwab.

Auch bei einer Taufe im Freien dürfen aber nur begrenzt Gäste anwesend sein, denn die Abstandsregeln müssen eingehalten werden, sagt Michael Zehender, Pfarrer in Neuenstein und Ansprechpartner für die Arbeitsgemeinschaft Taufe des Evangelischen Kirchenkreises. Dort wurde eine neue Tauf-Agende verfasst, die unter anderem flexiblere Möglichkeiten für das Feiern der Taufe beinhalte. „Die Taufe ist ein einzigartiges Fest. Deshalb wollen wir als Kirche auf die Menschen zugehen“, sagt Michael Zehender. Das bedeutet, Taufen müssten nicht mehr ausschließlich während des Gottesdienstes am Sonntag stattfinden, sondern könnten auch samstags oder in der Woche gefeiert werden.

Normalerweise sei die Taufe als christliches Ritual stark an den Ort der Kirche gebunden, sagt Michael Zehender. Doch die Taufe als „einmaliges Fest“ zuhause im Garten zu feiern sei für viele Familien, besonders während der Pandemie, eine gute Alternative zur Kirche – und die Anfragen dafür nähmen momentan zu.

Wer sich für eine Taufe im heimischen Garten interessiert, kann sich an das zuständige Pfarramt oder das Dekanat wenden. Wichtig sei dabei, die aktuell geltenden Corona-Regeln einzuhalten. Deshalb prüft der Pfarrer auch vorab, ob eine Taufe im Garten überhaupt möglich ist. Schließlich soll laut Michael Zehender „die Taufe für die Menschen eine einmalige Erfahrung sein.“ (Natascha Terjung) 

Anzahl der erlaubten Gäste schwankt

Aufgrund der Corona-Regeln dürfen bei der kirchlichen und standesamtlichen Trauung nur wenige Gäste anwesend sein. Das ist unter anderem abhängig von der Raumgröße. So können im Trauzimmer im alten Rathaus in Rotenburg acht Gäste zusätzlich zum Brautpaar und dem Standesbeamten bei der Eheschließung dabei sein. In Heringen sind insgesamt neun Personen im Trauzimmer zugelassen, in Bebra sowie in Bad Hersfeld nur das Paar und der Standesbeamte. (ter)

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