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ÖPNV-Ausbau in Rotenburg: Abgeordnete wollen weitere Hürden abbauen

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Von: Christopher Ziermann

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Taxis sind zentraler Bestandteil des ÖPNV-Ausbaus.
Taxis sind zentraler Bestandteil des ÖPNV-Ausbaus. © Franziska Kraufmann/dpa-Bildfunk

Die Rotenburger Stadtverordneten wollen die Hürden für die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs senken. Unter anderem soll der Anrufsammeltaxi-Zuschlag wegfallen.

Rotenburg – Das war die einhellige Meinung bei der Diskussion über die Ausweitung des ÖPNV-Angebots in der Ausschusssitzung am Dienstag. Jonas Rudolph (CDU) stellte nach Anregung von Sebastian Münscher (SPD) und Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) den Antrag, den Zuschlag von einem Euro auf Anrufsammeltaxi-Fahrten künftig aus der Stadtkasse zu finanzieren.

Damit sollen Hemmnisse, diesen Teil des ÖPNV zu nutzen, abgebaut werden. Einzig Wilfried Roß (UBR) stimmte dagegen, weil er zu hohe Kosten befürchtet.

Es wäre nach dem Schwimmbad-Betrieb die zweitgrößte freiwillige Leistung der Stadt

Die Entscheidung fällt in der heutigen Stadtverordnetensitzung, die um 19.30 Uhr im Bürgersaal am Bahnhof beginnt. Der Ansatz für die Deckung des Defizits durch den ÖPNV-Ausbau soll nach der Ausschuss-Empfehlung von 211 300 Euro auf 220 000 Euro angehoben werden. Es wäre nach dem Schwimmbad-Betrieb die zweitgrößte freiwillige Leistung der Stadt.

Die Fraktionsvorsitzenden waren im Entstehungsprozess des 17-seitigen Konzeptes auf Einladung vom Bürgermeister und vom NVV informiert worden – die Ortsvorsteher aber nicht. Kritik daran kam aus allen vertretenen Fraktionen, also von SPD, CDU und UBR. Die FDP war krankheitsbedingt nicht vertreten. Sich selbst schlossen die Abgeordneten in diese Kritik aber mit ein.

Anrufsammeltaxis sind bislang nur in den Dörfern unterwegs

Die für den Fahrplanwechsel im Dezember geplante Ausweitung des ÖPNV in Rotenburg über das NVV-Angebot hinaus betrifft hauptsächlich die Kernstadt. Dort sollen die Busse künftig halbstündlich fahren und weitere Wohngebiete mit Anrufsammeltaxis (AST) erschlossen werden – wir berichteten. AST sind bislang nur in den Dörfern unterwegs.

Zu dem vom NVV erhobenen AST-Zuschlag von einem Euro im Vergleich zu Bustickets sagte Mario Knoch (UBR): „Wer im Dorf in den Bus steigt, muss bislang eben diesen einen Euro mehr bezahlen als derjenige, der in der Stadt einsteigt.“ Der Status Quo sei eine Benachteiligung der Dorfbevölkerung.

In der Debatte kam die Frage auf, ob die Stadt sich die Subvention zusätzlich zu den anfallenden Kosten beim ÖPNV-Ausbau leisten könne. Das bezweifelte Roß (UBR), weil die Anrufsammeltaxis künftig auch in der Kernstadt fahren sollen und damit die Fahrten stark zunehmen dürften.

Auch die Zuverlässigkeit von Anrufsammeltaxis ist ausbaubar

Münscher (SPD) hielt das Risiko für überschaubar: Mit 10 000 Euro könne man immerhin 10 000 AST-Fahrten finanzieren. „Da muss ich mal öffentlich sagen, dass ich Sebastian recht gebe“, sagte Rudolph (CDU). Es sei eine Frage von Prioritäten, wofür die Stadt Geld ausgebe. Hier sei es richtig aufgehoben.

Insbesondere durch die Redebeiträge der Ortsvorsteher wurde aber auch deutlich, dass nicht nur die Bekanntheit und Akzeptanz des AST anstelle von Bussen ausbaufähig ist, sondern auch die Zuverlässigkeit. Sylvia Schellhase (Atzelrode), Ralf Wassermann (Dankerode) und Dagmar Stenzel (Erkshausen), die Hermann Schade vertrat, berichteten allesamt, dass es immer wieder vorkomme, dass bei einer AST-Bestellung die Auskunft laute, dass gerade keine Fahrzeuge verfügbar seien (siehe Hintergrund).

Schellhase monierte, dass die Atzelröder durch die Linientaktung meist erst kurz nach Zugabfahrt am Bahnhof seien. Stenzel kritisierte, dass man den Haselgrund nach 21.30 Uhr mit dem ÖPNV nicht mehr verlassen kann. (Christopher Ziermann)

200 AST-Fahrgäste

Auf den Rotenburger ÖPNV-Linien 301 und 302 werden derzeit monatlich rund 200 AST-Fahrgäste verzeichnet. Das teilt der NVV auf Nachfrage mit. Im Frühjahr waren es nur halb so viele gewesen. Das hänge unter anderem mit dem veränderten Fahrzeugeinsatz infolge der Baustelle im Haselgrund zusammen. Die Baustelle sei möglicherweise auch zum Teil die Ursache für die von den Ortsvorstehern geschilderten Unregelmäßigkeiten. Der NVV und der Landkreis seien in jedem Fall für das Thema sensibilisiert. Anrufsammeltaxis bedienen die selben Haltestellen wie Busse – bislang in Rotenburg nur in den Stadtteilen und vor allem zu Randzeiten, zu den gleichen Fahrtzeiten wie die Busse. Die Taxifahrt muss 30 Minuten vor der im Fahrplan vermerkten Abfahrtszeit über die NVV-App oder telefonisch unter 0800/9 39 08 00 gebucht werden. Die mit dem NVV kooperierenden Taxiunternehmen halten dafür Kapazitäten frei. Wenn es zu Problemen kommt, kann man sich unter der gleichen Nummer melden oder im Internet unter nvv.de/5-minuten-garantie.

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