Windpark auf dem Eichkopf

Dorf zahlt Zeche: Ortsbeirat Seifertshausen kritisiert Windkraft-Entscheidung

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Ein Versuch, das Projekt zu visualisieren: Ortsbeiratsmitglied Wolfgang Wunsch blickt von seinem Wohnzimmer aus auf den Eichkopf und hat die Windräder in das Bild montiert, um einen Eindruck zu vermitteln – weder maßstabsgerecht noch entsprechend einer konkreten Planung. Links der Alheimer.

Der Ortsbeirat von Seifertshausen will gegen den Bau von Windkraftanlagen auf dem Eichkopf kämpfen. Die jüngste Parlamentsentscheidung in Rotenburg führt daher zu Entrüstung. 

Das Gremium kritisiert den Beschluss der Rotenburger Stadtverordnetenversammlung, einen Planungs- und Poolnutzungsvertrag mit der Firma Abo Wind abzuschließen. Das Unternehmen will auf dem im Teilregionalplan ausgewiesenen Windfeld HEF 03 Eichkopf bis zu sechs Windkraftanlagen errichten, von denen drei bis vier auf städtischem Gelände stehen könnten. Dafür soll die Stadt Pacht erhalten, die Rede ist von 300 000 Euro pro Jahr. Das Gelände liegt oberhalb des Alheimers und auch nahe am Alheimer Ortsteil Niedergude – wir berichteten.

Der Ortsbeirat folgert aus dem Beschluss, „dass den Magistratmitgliedern und der überwiegenden Zahl der Stadtverordneten vermeintliche Pachteinnahmen wichtiger sind als die Gesundheit der Bürger von Seifertshausen, der Werterhalt ihrer Immobilien und die Ansiedlung von Neubürgern“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gremiums.

Zwar könne man unterschiedlicher Auffassung sein, ob die Verschandelung des Kulturdenkmals Alheimer oder die Gefährdung von Rotmilan und Schwarzstorch oder der Zugvögel zum Ausbau der erneuerbaren Energien hingenommen werden könne, „doch bei der Gesundheit und den Eigentumswerten der Bürger hört es auf“, findet der Ortsbeirat.

Ortsbeirat befürchtet Gesundheitsgefährdung durch die "Monsterwindräder"

Durch die „Monsterwindräder“ mit einer Höhe von 240 Metern sei eine Gesundheitsgefährdung durch Infraschall, Schattenwurf und Betriebsgeräuschen möglich. In Bayern habe man darauf reagiert und eine Abstandsregelung getroffen, nach der Windräder nur in zehnfachem Abstand ihrer Höhe zu Wohngebieten errichtet werden dürfen (10-H-Regelung). Sollte durch den Betrieb der Windräder auch nur ein Bürger von Seifertshausen gesundheitlichen Schaden davontragen, sei dies keine Pachteinnahme der Welt wert.

Der Ortsbeirat rechnet auch mit einem Wertverlust der Immobilien, sollten die Windräder kommen. Der Ort werde an Attraktivität verlieren, es drohten Leerstand und fehlende Neubau-Interessenten. „Es muss die Frage gestellt werden, ob dieser Verlust von der Stadt Rotenburg ausgeglichen werden soll oder ob die vermeintlichen Haushaltseinnahmen ausschließlich zu Lasten der Bürger von Seifertshausen erzielt werden sollen.“

Die Stadtverordneten hätten es versäumt, durch die Ablehnung des Vertragsabschlusses vielleicht schon weitere Planungen im Keim zu ersticken. Denn ohne die Flächen der Stadt würde das ganz Projekt wesentlich unrentabler, glaubt der Ortsbeirat. Der Hinweis auf das noch bevorstehende Genehmigungsverfahren oder eine mögliche Klage gegen den Bau der Anlagen höre sich nach reiner Gewissensberuhigung der Stadtverordneten an.

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