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Partyweib mit Helfersyndrom: Conny Haag-Lorenz ist ein Rotenburger Tausendsassa

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Von: Christopher Ziermann

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Auf und an der Fulda zu Hause: Conny Haag-Lorenz, hier am Wehr vor ihrem Wasserkraftwerk, hat das Stand-Up-Paddling für sich entdeckt. Auch ihr Hund ist regelmäßig dabei.
Auf und an der Fulda zu Hause: Conny Haag-Lorenz, hier am Wehr vor ihrem Wasserkraftwerk, hat das Stand-Up-Paddling für sich entdeckt. Auch ihr Hund ist regelmäßig dabei. © Christopher Ziermann

Für das Wort Tausendsassa gibt es keine weibliche Form. Conny Haag-Lorenz ist der lebende Beweis dafür, dass das ein großer Makel der deutschen Sprache ist.

Rotenburg – Die 58-Jährige mit dem lockeren Mundwerk steht hinter Rotenburger Institutionen wie der Kneipentour, den Sofakonzerten und dem Wunschbaum, mischt in Vereinen mit und besitzt natürlich auch noch ein Wasserkraftwerk mitten in der Fuldastadt, das ihren Namen trägt. Das geht so alles wohl auch nur, weil sie keine Kinder hat. Oder? „Rotenburg ist mein Kind“, sagt sie.

Wenn man ihr vielfältiges Engagement aufzählen möchte, wird es unübersichtlich. Die Formel dahinter ist aber einfach. „Ich freue mich, wenn ich Menschen glücklich machen kann. Als junge Frau war ich ein Partyweib und gute Live-Mucke habe ich schon immer geliebt. Und ich habe das Helfersyndrom“, sagt sie. Eins kommt noch hinzu: „Ich bin richtig gierig darauf, zu organisieren.“

Alle fünf Jahre trommelt sie noch heute den JGS-Abijahrgang 1983 zusammen. Ihre ausgeprägten Vereinstätigkeiten begannen vor gut zehn Jahren, als sie mit dem Kraftwerk erstmals beim Tag des offenen Denkmals mitmachte. Sie trat in den Kultur- und Tourismusverein ein und wurde schnell in den Vorstand gewählt – später auch im Förderverein des Altenhilfezentrums in Reilos, wo ihre Mutter lange lebte, dem Theaterverein Kulisse und dem Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke. Die gelernte Bankkauffrau ist prädestinierte Schatzmeisterin.

Sie ist aber nicht nur eine Frau der Zahlen. In ihren wilden Jahren war sie Stammgast im Musikpalast (heute Las Vegas), dem Blow Up zwischen Bebra und Lispenhausen und dem Hippodrome. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie das Feiern auch selbst organisierte. 2010 legte sie, zunächst noch mit dem damaligen Stadtmarketingverein „Wir in Rotenburg“, die Kneipentour auf, die sie seither zehnmal organisiert und dieses Jahr in jüngere Hände übergeben hat. „Aus allen Kneipen schallt super Musik, die Rotenburger sind in der Stadt unterwegs. Wenn da nur fünf Leute Danke sagen, bin ich glücklich.“

2017 kamen die Sofakonzerte hinzu. Der Innenhof des Wasserkraftwerks war neu gestaltet worden und plötzlich so hübsch – „da muss man doch was draus machen“, dachte sich die Musikliebhaberin. Im Internet stieß sie auf das Konzept der Sofakonzerte. Das fand auch in Rotenburg viel Zuspruch. Die Bornschisserin richtet pro Jahr sieben bis acht Konzerte aus. Dafür stehen die Bands Schlange, sagt sie. Rund 100 Gäste können kommen, die Musiker bekommen bei freiem Eintritt eine Hutgage. Ebenfalls 2017 initiierte sie den Lebendigen Adventskalender für die Kernstadt. 2018 kam, gemeinsam mit der MER, der Rotenburger Wunschbaum dazu. Menschen, die nicht viel Geld haben, können zu Weihnachten Wunschzettel schreiben – und andere, die es sich leisten können, erfüllen die Wünsche. Alles funktioniert aber selbst bei Conny Haag-Lorenz nicht: Die „Beat it“-Partys im Bürgerzentrum am Bahnhof mit 80er-Musik floppten.

Ihr Engagement für die Allgemeinheit hat auch etwas damit zu tun, dass die 58-Jährige genau weiß, wie schön sie selbst leben darf. Vom Wohnzimmer aus ist die Fulda ein paar Meter entfernt, der Ausblick in Richtung Landgrafenschloss ist prächtig. Oft geht sie baden, auch mit Hund und Ehemann Lutz. Neu für sich entdeckt hat das Paar das Stand-Up-Paddling (SUP) auf der Fulda, gerne auch mal nachts. Ihr exponierter Wohnort ist aber auch mit jeder Menge Arbeit verbunden. (Christopher Ziermann)

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