Verabschiedungsgottesdienste in Baumbach und Braach

Pfarrer Fritz Berger hört auf: Der Hirte geht in den Ruhestand

Waren viele Jahre für Baumbach, Braach und Atzelrode zuständig: Christine und Fritz Berger, hier am Taufbecken der Braacher Kirche. Die Pfarrerin ist seit 2019 im Ruhestand, nun hört auch der Gatte nach knapp 37 Jahren auf.
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Waren viele Jahre für Baumbach, Braach und Atzelrode zuständig: Christine und Fritz Berger, hier am Taufbecken der Braacher Kirche. Die Pfarrerin ist seit 2019 im Ruhestand, nun hört auch der Gatte nach knapp 37 Jahren auf.

Das Pfarrerehepaar Berger hat Baumbach, Braach und Atzelrode viele Jahre lang geprägt. Nun hört auch Fritz Berger auf und wird mit zwei Gottesdiensten verabschiedet.

Braach – Niemals geht man so ganz. Schon gar nicht, wenn man wie das Pfarrerehepaar Christine und Friedrich Berger das ganze Berufsleben lang für die ihnen anvertrauten Menschen in Baumbach, Braach und Atzelrode da war und als Wohnsitz für den Ruhestand das alte Braacher Forsthaus gefunden hat.

Das mag damit zusammenhängen, dass Fritz, wie Friedrich Berger von fast allen genannt wird, seit jeher ein naturverbundener Mensch ist, der nicht nur Hirte für die Schäfchen seiner Gemeinde war, sondern auch Hirte für eine kleine Herde richtiger Schafe. Rund um Braach ließ er die Tiere weiden, und wenn es Zeit war, sie in den von ihm im Pfarrgarten errichteten Stall heimzuholen, tat er das mit dem eigenen Traktor.

In gewisser Weise konnte er sich das leisten, denn seine ganze, knapp 37 Jahre lange Dienstzeit hatte er nur eine halbe Stelle inne. „1984 wurden Pfarrerehepaare in Kurhessen-Waldeck nur dann eingestellt, wenn sie sich eine Stelle teilten“, erzählen die beiden Theologen, die sich an der Kirchlichen Hochschule in Bethel erstmals begegneten. Mehr und richtig füreinander interessiert haben sie sich nach Fritz’ Abstecher nach Bonn beim gemeinsamen Studium in Göttingen und hier bei einer Arbeit für ein Seminar des Alttestamentlers Rudolf Smend.

Heirat während des Vikariats

Fritz Berger, der am Sonntag ab 14 Uhr in der Kirche Baumbach und ab 16 Uhr auf dem Kuckucksmarktgelände in Braach vom stellvertretenden Dekan Martin Schacht offiziell verabschiedet wird, ist von Haus aus Niedersachse. Geboren am 27. September 1955 in Dissen am Teutoburger Wald und dort auch mit einem jüngeren Bruder in einer Verwaltungsangestelltenfamilie groß geworden, machte er in Halle in Westfalen sein Abitur: „Man hat dort immer gerochen, wenn bei Storck Schokoladenbonbons hergestellt wurden.“ Beeindruckt vom Wirken eines engagierten Diakons betätigte er sich in der Jugendarbeit und hier wiederum in der Teestubenarbeit, was letztendlich der Auslöser dafür war, Theologie zu studieren und Pfarrer zu werden.

Christine Berger (geborene Lieberknecht), die aus gesundheitlichen Gründen schon 2019 in den Ruhestand getreten ist, ist Nordhessin. Geboren am 27. November 1956 in Wanfried und als jüngstes von drei Kindern groß geworden in einer Polstermöbelfabrikantenfamilie, ging sie zunächst in ihrer Heimatstadt zur Schule und dann in Kassel, wo sie die Reifeprüfung ablegte. Bei ihr war es die Teilnahme an einer Philosophie-AG, in der es um Paul Tillichs Buch „Der Mut zum Sein“ und die Suche nach dem Sinn des Lebens ging, die in ihr den Berufswunsch Pfarrerin reifen ließ.

Nach dem Vikariat, das Fritz Berger in Lohfelden und Christine Berger in Baunatal absolvierte und in dem die beiden 1984 auch heirateten, stellte der damalige Rotenburger Dekan Siegfried Dembowski das Pfarrerehepaar den Braachern und Baumbachern noch im selben Jahr als neue Seelsorger vor.

„Für jeden ein offenes Ohr und tröstende Worte für Trauernde“

„Die Menschen sind gleich auf uns zugekommen“, erinnern sich die Mittsechziger, „und wir haben uns gefreut, dass vieles richtig gut funktioniert.“ Die Frauen- und die Seniorenkreise etwa, und zusammen mit dem langjährigen Chorleiter Gerhard Altnöder sei es später sogar gelungen, einen Kirchenchor zu etablieren. Der war zeitweise über 20 Stimmen stark und 2010 in der Lage, zum Kreiskirchenchortreffen nach Baumbach einzuladen.

Weitere Höhepunkte des Gemeindelebens waren neben verschiedensten Festgottesdiensten die Jahrhundertfeiern, die alljährlich von Christine Berger mit viel Liebe vorbereiteten Weltgebetstage und die ökumenische Theaterarbeit, die mit der Aufführung des Luther-Schauspiels „Und wenn die Welt voll Teufel wäre“ gekrönt wurde. Mehrmals war auch eine Kinder- und Jugendtanzgruppe aus der Nähe von Tschernobyl zu Gast, sehr zur Freude der drei Kinder des Pfarrerehepaars.

Mit den Kirchenvorständen stemmten Christine Berger – im Allgemeinen für Baumbach zuständig – und Fritz Berger (Braach und Atzelrode) diverse Bauprojekte wie die Renovierung der uralten Braacher Kirche, die nach einem kalten Blitzschlag ins Dach notwendig wurde, und den Bau des Braacher Gemeindehauses. Daneben natürlich mit mehr als nur „halbem“ Einsatz die normale Gemeindearbeit mit Konfirmandenunterricht und Seelsorge.

Im Gemeindebrief schreibt Sylvia Schellhase: „Für jeden hatten die beiden ein offenes Ohr und tröstende Worte für Trauernde und Leidende. Gerne wurden Einladungen zum Kaffeetrinken genutzt, um Gottes Wort zu verkündigen.“ Das steht auch im Mittelpunkt der vom Kirchenchor, inzwischen unter der Leitung von Dirk Wiederrecht, mitgestalteten Verabschiedungsgottesdienste. (Wilfried Apel)

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